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Teilnahme an der Weiterbildung

Kommentierte Daten/Kennzahlen zu folgenden Themen:

Erhebungen zur Weiterbildungsbeteiligung

Die wichtigste bundesweite Repräsentativerhebung zur Beteiligung an Weiterbildung war von 1979 – 2007 das Berichtssystem Weiterbildung (BSW), das alle drei Jahre durchgeführt wurde. Dies wird nun abgelöst vom europaweit erhobenenen Adult Education Survey (AES), der 2007 in Deutschland und anderen europäischen Ländern als Pilotstudie stattfand. Ab 2012 wird der AES verpflichtend als Teil der EU-Statistiken über lebenslanges Lernen alle fünf Jahre durchgeführt (Verordnung (EG) Nr. 452/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. April 2008 über die Erstellung und die Entwicklung von Statistiken über Bildung und lebenslanges Lernen, Bereich 2). In Deutschland gibt es mit dem AES 2010 noch einen Zwischenstand, der auf freiwilliger Basis durchgeführt wird. Sowohl BSW als auch AES sind Einthemenbefragungen zum Lernen im Erwachsenenalter, in denen neben der Beteiligung an organisierten Lernformen auch Aktivitäten des informellen Lernens (z.B. Besuch von Tagungen, Lesen von Fachzeitschriften) erfasst werden.

BSW und AES unterscheiden sich in ihrer Definition der Lernformen, weshalb die mit beiden Konzepten gemessenen Teilnahmequoten nur eingeschränkt vergleichbar sind. Der AES orientiert sich an der internationalen „Classification of Learning Activities“ der Europäischen Kommission und gliedert die Lernaktivitäten in formales Lernen (reguläre Bildungsgänge), non-formales Lernen (organisierte Weiterbildung) und informelles Lernen; berufliche und nicht-berufliche Weiterbildung wird danach unterschieden, ob aus Sicht des/der Teilnehmenden eher berufliche Gründe oder eher privates Interesse für die Teilnahme an der Bildungsveranstaltung ausschlaggebend waren. Im BSW wurden dagegen allgemeine und berufliche Weiterbildung von vornherein anhand definierter Lernsituationen getrennt.

Neben diesen beiden Befragungen enthalten auch andere regelmäßig durchgeführte Repräsentativbefragungen wie das Sozio-Ökonomische Panel (SOEP) oder der Mikrozensus, Fragen zur Weiterbildungsbeteiligung, die dort aber weniger ausführlich sind und jeweils spezifische Definitionen des Lernens enthalten. Auch diese Quoten sind nicht direkt mit denen der Einthemenbefragungen vergleichbar. Daten zur Weiterbildung ausschließlich im betrieblichen Kontext liefern Betriebsbefragungen, wie etwa auf europäischer Ebene der Continuing Vocational Training Survey (CVTS) oder in Deutschland das IAB-Betriebspanel.

Weiterbildungsbeteiligung insgesamt (1979–2007)

Abbildung 1: Weiterbildungsbeteiligung insgesamt in Prozent 1979–2007 (Quellen: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 46 und 55)
Abbildung 1: Weiterbildungsbeteiligung insgesamt in Prozent 1979–2007 (Quellen: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 46 und 55)

Nach den Ergebnissen der Repräsentativerhebungen des Berichtssystems Weiterbildung (BSW) lässt sich in Deutschland seit Ende der 1970er Jahre in der Tendenz eine steigende Beteiligung an Weiterbildung feststellen. So nehmen 1979 rund 23 Prozent der Bevölkerung im Alter von 19 bis 64 Jahren an Lehrgängen und Kursen allgemeiner und beruflicher Weiterbildung teil. Die Teilnahmequote steigt in den Jahren danach zunächst auf einen vorläufigen Höchststand von 48 Prozent im Jahr 1997 an, sinkt aber gleich darauf wieder ab, um im Jahr 2007 wieder anzusteigen. Im Jahr 2007 nehmen bundesweit 43 Prozent aller 19- bis 64-Jährigen an Weiterbildungsveranstaltungen teil. Im Vergleich zu 2003 nimmt die Weiterbildungsbeteiligung damit um 3 Prozentpunkte zu. Insgesamt hat sich die Teilnahmequote zwischen 1979 und 2007 um 20 Prozentpunkte erhöht.

Beteiligung an allgemeiner und beruflicher Weiterbildung (2007)

Abbildung 2: Teilnahmequote nach beruflicher und allgemeiner Weiterbildung 2007 in Prozent (Quelle: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 72)
Abbildung 2: Teilnahmequote nach beruflicher und allgemeiner Weiterbildung 2007 in Prozent (Quelle: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 72)

Daten zum Weiterbildungsverhalten der Bevölkerung liefern die Repräsentativbefragungen Berichtssystem Weiterbildung (BSW) und der Adult Education Survey (AES). Die Ergebnisse des AES zeigen, dass der Anteil berufsbezogener Weiterbildungsaktivitäten im Jahr 2007 mit 38 Prozent sowohl über dem Anteil der nicht-berufsbezogenen Aktivitäten von 11 Prozent liegt als auch über dem im BSW ausgewiesenen Anteil beruflicher Weiterbildung von 27 Prozent. Laut BSW sind die Teilnahmen an allgemeiner und beruflicher Weiterbildung mit 26 Prozent bzw. 27 Prozent nahezu ausgeglichen. Abweichungen in den Befunden des BSW und AES sind durch methodische Unterschiede in den Erhebungs- und Auswertungssystematiken erklärbar. Im AES wird erfragt, ob eine Bildungsaktivität beruflich oder privat motiviert ist. Im BSW wird über eine Vorkategorisierung allgemeine und berufliche Weiterbildung erfasst. Bei der allgemeinen Weiterbildung wird zusätzlich der subjektive Zweck der Teilnahme erfasst. Etwa die Hälfte gibt an, dass die Weiterbildungsteilnahme ganz oder teilweise auch aus beruflichen Gründen erfolgt. Das Niveau der beruflichen Weiterbildung ist somit in beiden Datenquellen in etwa gleich hoch.

Beteiligung an allgemeiner und beruflicher Weiterbildung im Zeitverlauf (1979-2007)

Abbildung 3: Teilnahmequote an allgemeiner und beruflicher Weiterbildung in Prozent 1979-2007 (Quelle: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S.  226)
Abbildung 3: Teilnahmequote an allgemeiner und beruflicher Weiterbildung in Prozent 1979-2007 (Quelle: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 226)

Die Daten des Berichtssystems Weiterbildung (BSW) zeigen, dass der Anteil der Bevölkerung, der an organisierten Formen von Weiterbildung teilnimmt, seit Ende der 1970er Jahre insgesamt stark ansteigt (s. Abb. 1). Die Beteiligungsquoten an allgemeiner und an beruflicher Weiterbildung entwickeln sich dabei in der Tendenz ähnlich. Beide Quoten steigen nach 1979 zunächst stark an; ein Höhepunkt der Aufwärtsbewegung wird 1997 erreicht. Die Teilnahmequote an allgemeiner Weiterbildung verdoppelt sich in dieser Zeit von 16 Prozent auf 31 Prozent, die Beteiligung an beruflicher Weiterbildung steigt von 10 Prozent auf 30 Prozent. Der nach 1997 einsetzende Rückgang der Beteiligung wird 2003 gestoppt, die Teilnahmequoten haben sich inzwischen auf diesem Niveau stabilisiert.

Unterschiede zwischen der allgemeinen und beruflichen Weiterbildung liegen in der Höhe der Beteiligung. Die Teilnahmequoten an allgemeiner Weiterbildung liegen von 1979 bis 1988 durchschnittlich 5 Prozentpunkte über denen der beruflichen Weiterbildung, danach nähern sich die Beteiligungsquoten einander an (s. Abb. 3), wobei die berufliche Weiterbildung in den letzten Jahren leicht über der allgemeinen lag.

Weiterbildungsbeteiligung nach sozio-demografischen Merkmalen (2007)

Abbildung 4: Weiterbildungsbeteiligung nach sozio-demographischen Merkmalen 2007 in Prozent (jeweils bezogen auf die Bevölkerung im Alter von 19-64 Jahren) (Quellen: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 227)
Abbildung 4: Weiterbildungsbeteiligung nach sozio-demographischen Merkmalen 2007 in Prozent (jeweils bezogen auf die Bevölkerung im Alter von 19-64 Jahren) (Quellen: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 227)

Daten zur Beteiligung an organisierten Formen der Weiterbildung liefert die repräsentative Erhebung des Berichtssystems Weiterbildung (BSW). Wie Abbildung 4 verdeutlicht, bleibt die Beteiligungsquote an Weiterbildung in den ersten zwei Alterskategorien, also bis zum Alter von 49 Jahren relativ konstant. Die über 50-Jährigen nehmen dagegen deutlich seltener an organisierten Weiterbildungsmaßnahmen teil. Bei dieser abnehmenden Beteiligung spielt der Erwerbsstatus eine bedeutende Rolle. Die Teilnahme an Weiterbildung erfolgt zu einem großen Teil aus beruflichen Gründen. Mit dem Verlust des Erwerbsstatus und dem Wegfall beruflich motivierter Weiterbildung sinkt die Teilnahmequote deutlich ab (siehe Abb. 7).

Bildungsbeteiligung im Lebensverlauf (2007)

Tabelle 1: Bildungsbeteiligung im Lebensverlauf 2007 in Prozent (Quelle: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S.  134)
Tabelle 1: Bildungsbeteiligung im Lebensverlauf 2007 in Prozent (Quelle: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 134)

Die in Tabelle 1 dargestellten Ergebnisse der repräsentativen Erhebung Adult Education Survey (AES) zeigen die Unterschiede in der Bildungsbeteiligung im Lebensverlauf.

Bei den regulären Bildungsgängen (Schule, Berufsausbildung, Studium) liegt der Schwerpunkt auf den jüngeren Altersgruppen der unter 25-Jährigen. Die Teilnahme an Weiterbildungsveranstaltungen in Bildungseinrichtungen, in Vereinen und Verbänden oder am Arbeitsplatz ist in den ersten drei Altersgruppe relativ konstant, in den oberen Altersgruppen ab 55 Jahren geht die Teilnahme stark zurück. Besonders deutlich wird der Einfluss des Alters auf die Bildungsbeteiligung beim Blick auf die Gruppe der „Bildungsaktiven“, in der Teilnehmende an regulären Bildungsgängen und Weiterbildungsveranstaltungen zusammengefasst werden. In der Kategorie der 19-24 Jährigen beträgt der Anteil der Bildungsaktiven 75 Prozent, mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil stetig ab. In der Altersgruppe der 65-80 Jährigen beträgt der Anteil der Bildungsaktiven noch 13 Prozent.

Beteiligung nach Lernformen im Lebensverlauf (2007)

Abbildung 5: Beteiligung nach Lernformen im Lebensverlauf 2007 in Prozent (Quelle: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 134; eigene Darstellung)
Abbildung 5: Beteiligung nach Lernformen im Lebensverlauf 2007 in Prozent (Quelle: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 134; eigene Darstellung)

Mit zunehmendem Alter nehmen Individuen immer seltener an organisierten Bildungsaktivitäten teil (s. Tab. 1). Die Ergebnisse des Adult Education Survey machen jedoch auch deutlich, dass die Bildungsbeteiligung im Lebensverlauf nicht kontinuierlich zurückgeht, sondern es je nach betrachteter Lernform Unterschiede gibt (s. Abb. 5). Einen im Vergleich zur organisierten Weiterbildung geringeren Rückgang zeigt der Blick auf das „Selbstlernen“. 59 Prozent der 19-24 Jährigen haben sich in den zurückliegenden zwölf Monaten selbst etwas beigebracht, bei den 65-80 Jährigen liegt der Anteil bei 38 Prozent. Ein umgekehrter Verlauf ist bei den „ausschließlich Selbstlernenden“ zu sehen. Das ist die Gruppe, die in den letzten zwölf Monaten keine organisierten Bildungsveranstaltungen besucht, sich jedoch selbst etwas beigebracht hat. Die Beteiligungsquote steigt bei dieser Lernform stetig an, von 10 Prozent bei den 19-24 Jährigen bis zu 29 Prozent bei den 65-80 Jährigen.

Differenz zwischen männlichen und weiblichen Beteiligungsquoten (1979-2007)

Abbildung 6: Differenz zwischen männlichen und weiblichen Beteiligungsquoten (1979-2007) in Prozentpunkten (Quelle: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 229; eigene Darstellung)
Abbildung 6: Differenz zwischen männlichen und weiblichen Beteiligungsquoten (1979-2007) in Prozentpunkten (Quelle: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 229; eigene Darstellung)

In den vergangenen Jahrzehnten seit Beginn des Berichtssystems Weiterbildung (BSW) ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern bei der Beteiligung an Weiterbildung immer kleiner geworden (siehe Abb. 6). 1979 gibt es noch einen deutlichen Geschlechterunterschied: Die Teilnahmequote der Männer liegt bei 27 Prozent, die der Frauen bei 19 Prozent. Zurückführen lässt sich dieser Unterschied insbesondere auf die geringere Beteiligung der Frauen an der beruflichen Weiterbildung. Frauen waren zum einen seltener berufstätig, nahmen aber auch bei Berufstätigkeit seltener an beruflicher Weiterbildung teil.

Der Unterschied zwischen den Geschlechtern hat sich im weiteren Zeitverlauf nahezu aufgelöst. Die Differenz zwischen den Beteiligungsquoten hat sich im Jahr 2003 auf 2 Prozentpunkte verringert, sie bleibt auch im Jahr 2007 unverändert.

Weiterbildungsbeteiligung nach Erwerbsstatus (1979-2007)

Abbildung 7: Weiterbildungsbeteiligung nach Erwerbsstatus (1979-2007) in Prozent (Quelle: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 226; eigene Darstellung)
Abbildung 7: Weiterbildungsbeteiligung nach Erwerbsstatus (1979-2007) in Prozent (Quelle: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 226; eigene Darstellung)

Abbildung 7 stellt Ergebnisse der Repräsentativbefragungen des Berichtssystems Weiterbildung (BSW) dar. Danach nehmen Erwerbstätige weit häufiger an Weiterbildung teil als Nicht-Erwerbstätige. Im Jahr 2007 beteiligen sich bundesweit 49 Prozent der Erwerbstätigen an Weiterbildung, bei den Nicht-Erwerbstätigen beteiligen sich 29 Prozent. In die Kategorie der „Erwerbstätigen“ eingeschlossen sind auch die Angaben der Kurzarbeiter/Innen und Studierenden, die zum Zeitpunkt der Befragung erwerbstätig waren. Im Zeitverlauf zeigt sich, dass der Anteil von Erwerbstätigen wie auch der Nicht-Erwerbstätigen, der an organisierten Formen von Weiterbildung teilnimmt, seit Ende der 1970er Jahre stark ansteigt, ein (bisheriger) Höhepunkt wird im Jahr 1997 erreicht. Insgesamt nimmt die Teilnahmequote der Erwerbstätigen bis 2007 um 23 Prozentpunkte zu, die Teilnahmequote der Nicht-Erwerbstätigen steigt um 13 Prozentpunkte.

Zurückführen lassen sich die unterschiedlichen Teilnahmequoten zwischen Erwerbstätigen und Nicht-Erwerbstätigen insbesondere auf die höhere Beteiligung der Erwerbstätigen an beruflicher Weiterbildung.

Weiterbildungsbeteiligung nach Schulabschluss (1979-2007)

Abbildung 8: Weiterbildungsbeteiligung nach Schulabschluss (1979-2007) in Prozent (Quelle: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 228; eigene Darstellung)
Abbildung 8: Weiterbildungsbeteiligung nach Schulabschluss (1979-2007) in Prozent (Quelle: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 228; eigene Darstellung)

Die Beteiligung an Weiterbildung ist stark abhängig vom Bildungsniveau einer Person. Die in Abbildung 8 dargestellten Ergebnisse des Berichtssystems Weiterbildung zeigen im Zeitverlauf, dass die Teilnahmequote an Weiterbildung mit zunehmendem Qualifikationsniveau steigt. 2007 nehmen 30 Prozent der Personen mit „niedriger“ Schulbildung an Weiterbildung teil, bei Personen mit „hoher“ Schulbildung sind es fast doppelt so viele. Seit Ende der 1970er Jahre bis zum Jahr 2007 ist dieses Bildungsgefälle in der Weiterbildungsteilnahme nahezu unverändert geblieben; insgesamt sind die Teilnahmequoten jedoch in allen drei Kategorien angestiegen. Die Beteiligungsquote verdoppelt sich in der Bevölkerungsgruppe mit „niedriger“ Schulbildung nahezu, bei der Gruppe mit „mittlerer“ Schulbildung steigt die Quote von 29 Prozent auf 46 Prozent, in der Bevölkerungsgruppe mit „hoher“ Schulbildung steigt die Beteiligungsquote von 43 Prozent auf 58 Prozent.

Die Kategorisierung der Schulbildung umfasst im BSW folgende Schulabschlüsse: keinen Abschluss, Haupt-/Volksschulabschluss, 8. Klasse einer Polytechnischen Oberschule (POS) (niedrige Schulbildung); Mittlere Reife, 10. Klasse einer POS (mittlere Schulbildung); Abitur (hohe Schulbildung).

Weiterbildungsbeteiligung nach beruflichem Abschluss (1979-2007)

Abbildung 9: Weiterbildungsbeteiligung nach beruflichem Abschluss (1979-2007) in Prozent (Quelle: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 228; eigene Darstellung)
Abbildung 9: Weiterbildungsbeteiligung nach beruflichem Abschluss (1979-2007) in Prozent (Quelle: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 228; eigene Darstellung)

Die in Abbildung 9 dargestellten Ergebnisse des Berichtssystems Weiterbildung (BSW) zeigen, dass es zwischen der Berufsbildung und der Weiterbildungsbeteiligung ähnliche Zusammenhänge gibt wie bei der Schulbildung (siehe Abb. 8): mit zunehmender beruflicher Qualifikation steigt auch die Beteiligung an Weiterbildung. Im Jahr 2007 haben bundesweit 62 Prozent der Personen mit Hochschulabschluss an Weiterbildung teilgenommen, während sich in der Gruppe der Personen ohne Berufsausbildung 23 Prozent an Weiterbildung beteiligten. Insgesamt ist die Teilnahmequote an Weiterbildung bei allen beruflichen Qualifikationsgruppen angestiegen. Bei den Gruppen mit dem Abschluss „Lehre/Berufsfachschule“ sowie „Meister/Fachschule“ steigen die Teilnahmequoten seit Ende der 1970er Jahre bis 2007 am stärksten, die Beteiligung nimmt jeweils um 20 Prozentpunkte zu.

Bei der Interpretation der Abbildung ist zu beachten, dass vor 1990 erworbene Bildungsabschlüsse in den alten und neuen Bundesländern nur bedingt vergleichbar sind, dennoch im BSW eine gemeinsame Kategorisierung vorgenommen wurde.

Weiterbildungsbeteiligung nach Migrationshintergrund (2003/2007)

Abbildung 10: Weiterbildungsbeteiligung nach Migrationshintergrund 2003 und 2007 in Prozent (Quellen: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 232)
Abbildung 10: Weiterbildungsbeteiligung nach Migrationshintergrund 2003 und 2007 in Prozent (Quellen: v. Rosenbladt/Bilger 2008, S. 232)

Im Berichtssystem Weiterbildlung kann die Weiterbildungsbeteiligung der Bevölkerungsgruppen Deutsche mit Migrationshintergrund (Personen deutscher Staatsbürgerschaft, die nicht in Deutschland geboren wurden), Deutsche ohne Migrationshintergrund (gebürtige Deutsche) und in Deutschland lebende Ausländer/innen dargestellt werden (siehe Abb. 10).

2007 ist die Weiterbildungsbeteiligung der Ausländer/innen mit 39 Prozent weiterhin geringer als die der gebürtigen Deutschen (44%), jedoch höher als die Beteiligung der Deutschen mit Migrationshintergrund (34%). Die Beteiligung an Weiterbildung hat jedoch bei den Ausländer/innen am stärksten zugenommen: Die Teilnahmequote steigt von seit 2003 um 10 Prozentpunkte, während die der Beteiligung bei den Deutschen mit Migrationshintergrund um 5 Prozentpunkte zunimmt und die Weiterbildungsbeteiligung der gebürtigen Deutschen einen Prozentpunkt Zuwachs zeigt.

Beteiligung an betrieblicher Weiterbildung (2005)

Tabelle 2: Teilnahmequote an Lehrveranstaltungen 2005 nach Geschlecht und Alter in Unternehmen mit Lehrveranstaltungen in Prozent (Quelle: Statistisches Bundesamt 2008, S. 31)
Tabelle 2: Teilnahmequote an Lehrveranstaltungen 2005 nach Geschlecht und Alter in Unternehmen mit Lehrveranstaltungen in Prozent (Quelle: Statistisches Bundesamt 2008, S. 31)

Daten zur Beteiligung an betrieblicher Weiterbildung liefert die dritte europäische Erhebung über die berufliche Weiterbildung in Unternehmen (CVTS - Continuing Vocational Training Suvey) (s. Tab. 2). Unter betrieblicher Weiterbildung werden dabei die organisierten Lernformen verstanden, die ein Unternehmen vollständig oder teilweise finanziert. Die individuell finanzierte Weiterbildung von Individuen wird im CVTS nicht erfasst.

In kleinen Unternehmen mit bis zu 19 Beschäftigten sind die Mitarbeitenden am aktivsten. Die Teilnahmequote an Weiterbildungsveranstaltungen in Form von Lehrgängen, Kursen und Seminaren liegt hier bei 53,5 Prozent. In den Unternehmen mit 1.000 und mehr Beschäftigten nutzt dagegen nur gut ein Drittel der Beschäftigten die angebotenen betrieblichen Lehrveranstaltungen.

Die Teilnahmequoten von Frauen und Männern unterscheiden sich insgesamt nur geringfügig voneinander. Eine Ausnahme stellen die Großunternehmen mit 1.000 und mehr Beschäftigten dar. Hier liegt die Beteiligungsquote der Männer 10 Prozentpunkte über der Teilnahmequote der Frauen.

Deutlich sichtbar zeigen sich altersspezifische Teilnahmequoten. Ältere Beschäftige ab 55 Jahren weisen mit 27 Prozent die geringste Teilnahmequote auf. Auch bei den Beschäftigten unter 25 Jahren liegt die Beteiligungsquote mit 34 Prozent unter dem Durchschnitt. Am aktivsten sind die jüngeren sowie die älteren Mitarbeitenden in kleinen Unternehmen mit bis 19 Beschäftigten (50% bzw. 32%).

Weiterbildungsquote nach Qualifikation der Beschäftigten (2001-2008)

Tabelle 3: Weiterbildungsquote nach Qualifikationen der Beschäftigten 2001-2008 in Prozent ) (* Anm.: Diese Differenzierung ist in den Daten nicht enthalten) (Quelle: Stegmaier 2011, S. 290)
Tabelle 3: Weiterbildungsquote nach Qualifikationen der Beschäftigten 2001-2008 in Prozent ) (* Anm.: Diese Differenzierung ist in den Daten nicht enthalten) (Quelle: Stegmaier 2011, S. 290)

Die in Tabelle 3 dargestellten Daten des Betriebspanels des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt den Anteil der an Weiterbildung teilnehmenden Beschäftigten in Betrieben. Diese Weiterbildungsquote wird als Quotient der Summe aller an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmenden Beschäftigten im ersten Halbjahr und der Summe aller Mitarbeitenden zum Stichtag der Datenerhebung ermittelt. Als Weiterbildung werden diejenigen Maßnahmen erfasst, die von den Betrieben vollständig oder teilweise finanziert bzw. durch Freistellung von Beschäftigten unterstützt werden.

Im Jahr 2008 nahmen 26 Prozent der Beschäftigten an Weiterbildungsmaßnehmen teil, gegenüber 2007 entspricht dies einem Anstieg von 4 Prozentpunkten. Im Vergleich zu 2001 ist die Weiterbildungsquote um 8 Prozentpunkte angestiegen. Deutlich sichtbar wird anhand der Daten, dass hauptsächlich qualifizierte Beschäftigte von betrieblichen Weiterbildungsangeboten profitieren. Die Weiterbildungsquote bei qualifizierten Beschäftigten liegt 2007 bei 29 Prozent, bei Beschäftigten in einfachen Tätigkeiten liegt die Quote knapp 20 Prozentpunkte darunter.

Teilnahme an Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung nach SBG II und III (2005-2010)

Abbildung 11: Zugänge zu Maßnahmen nach SGB II und SGB III in den Jahren 2005 bis 2010 (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)
Abbildung 11: Zugänge zu Maßnahmen nach SGB II und SGB III in den Jahren 2005 bis 2010 (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)

Die in Abbildung 11 dargestellten Zugänge zu geförderten Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung umfassen Maßnahmen der aktiven Arbeitsförderung (SGB III) und seit 2005 auch Leistungen zur Eingliederung (SGB II) des Bundes. Es erfolgt eine Zählung von Förderfällen bzw. Teilnahmen; eine Person, die in einem Zeitraum mehrere Förderleistungen erhält, wird daher mehrfach gezählt.

Nach vier Jahren mit wachsenden Zugangszahlen sanken 2010 die geförderten Weiterbildungsmaßnahmen nach SGB II um 5%, die Maßnahmen nach SGB III um 31%. Von 2005 bis 2010 steigen die Zugangszahlen nach SGB II um 237%, nach SGB III um 300%. Im Zeitverlauf zeigen sich für beide Fördergrundlagen ähnliche Steigerungsraten. Eine Ausnahme stellt das Jahr 2009 dar. Der Zugang zu Maßnahmen nach SGB II steigt um 8%, die Maßnahmen der aktiven Arbeitsförderung nach SGB II steigen um 56%.

Bestand in Maßnahmen nach SBG II und III (2005-2010)

Abbildung 12: Bestand in Maßnahmen nach SGB II und SGB III im Dezember in den Jahren 2005 bis 2008 (Quelle: persönliche Mitteilung der Bundesagentur für Arbeit)
Abbildung 12: Bestand in Maßnahmen nach SGB II und SGB III im Dezember in den Jahren 2005 bis 2008 (Quelle: persönliche Mitteilung der Bundesagentur für Arbeit)

Die in Abb. 12 dargestellten Teilnahmen an Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung umfassen Maßnahmen der aktiven Arbeitsförderung (SGB III) und seit 2005 auch Leistungen zur Eingliederung (SGB II) des Bundes. Aufgeführt werden Förderfälle bzw. Teilnahmen, eine Person, die in einem Zeitraum mehrere Förderleistungen erhält, wird daher mehrfach gezählt.

Der Bestand an Teilnehmenden nach SGB II steigt seit 2005 nahezu kontinuierlich an, mit Ausnahme von 2010: der Bestand an Teilnehmer/inne/n sinkt um 0,4%. Die Bestandszahlen nach SGB III entwickeln sich dagegen uneinheitlich. Der Bestand an Teilnehmenden sinkt 2006 um 25% und 2007 um 10%. In den zwei folgenden Jahren steigt er an (2008: 12%, 2009: 50%), um 2010 wieder um 8% zu sinken. Zwischen 2005 und 2010 steigt der Bestand nach SGB III um 1%, der Bestand nach SGB II dagegen um knapp 400%. Trotz ähnlicher Verläufe in den Zugangszahlen nach SGB II und SGB III (vgl. Abb. 11) liegt der Teilnahmebestand nach SGB II 2007 erstmals über dem Bestand nach SGB III.

Kursbelegungen in Volkshochschulen nach Altersgruppen (1998-2009)

Tabelle 4: Anteil der Altersgruppen an den Kursbelegungen in Volkshochschulen in Prozent 1998 bis 2009 (Quelle: VHS-Statistik 1999-2010; Anm.: Nicht für alle Teilnahmefälle liegt die Information zum Alter vor. Die Prozentangaben beziehen sich jeweils auf die gültigen Nennungen. Im Jahr 2009 lag der Anteil der Altersangaben zu Belegungen bei 66,4 Prozent aller erfassten Belegungen an 796 Volkshochschulen (85% der VHS) (vgl. Huntemann/Weiß 2010, S. 11)
Tabelle 4: Anteil der Altersgruppen an den Kursbelegungen in Volkshochschulen in Prozent 1998 bis 2009 (Quelle: VHS-Statistik 1999-2010; Anm.: Nicht für alle Teilnahmefälle liegt die Information zum Alter vor. Die Prozentangaben beziehen sich jeweils auf die gültigen Nennungen. Im Jahr 2009 lag der Anteil der Altersangaben zu Belegungen bei 66,4 Prozent aller erfassten Belegungen an 796 Volkshochschulen (85% der VHS) (vgl. Huntemann/Weiß 2010, S. 11)

Die Veränderungen seit Ende der 1990er Jahre bei der Altersstruktur der Teilnehmenden an Volkshochschulen werden in Tabelle 4 dargestellt. Insbesondere die Anteile der älteren Teilnehmenden nehmen in dieser Zeit zu, die Anteile der 18-34 Jährigen werden kleiner. Seit 1998 hat sich der Anteil der Teilnahmefälle der 50-64-Jährigen um 3,8 Prozentpunkte erhöht. Einen noch stärkeren Anstieg gibt es bei der Gruppe der ab 65-Jährigen, er steigt von 6,3 Prozent um 7,1 Prozentpunkte auf 13,4 Prozent im Jahr 2007. Der Anteil der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen ist dagegen stark gesunken, insgesamt um 10,6 Prozentpunkte. Die Gruppe der 18-24 Jährigen verliert 3,2 Prozentpunkte. Die größte Gruppe der Teilnehmenden sind die 35 bis 49-Jährigen, sie haben einen recht konstanten Anteil von ungefähr einem Drittel an allen Belegungen.

Geschlechterverteilung der Kursbelegungen an der VHS (2009)

Abbildung 13: Geschlechterverteilung der Kursbelegungen in den Programmbereichen an Volkshochschulen 2009 (in Prozent; Quelle: VHS-Statistik 2009)
Abbildung 13: Geschlechterverteilung der Kursbelegungen in den Programmbereichen an Volkshochschulen 2009 (in Prozent; Quelle: VHS-Statistik 2009)

Insgesamt werden die Veranstaltungen der Volkshochschule zum großen Teil von Frauen besucht. 2009 stammen 75 Prozent der Kursanmeldungen von Frauen. In nahezu allen Themenbereichen stellen Frauen die Mehrheit der Teilnehmenden. Bei der Beliebtheit der einzelnen Themenbereiche gibt es dennoch große Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Bei den Kursen zu den Themen „Gesundheit“ und „Kultur/Gestalten“ liegt der Frauenanteil überdurchschnittlich hoch (85 % bzw. 79 %). Die Themen „Politik/Gesellschaft/Umwelt“ sowie „Sprachen“ haben Frauenanteile von jeweils zwei Drittel. Lediglich im Programmbereich „Grundbildung/Schulabschlüsse“ ist das Geschlechterverhältnis nahezu ausgeglichen, ungefähr die Hälfte der Kursbelegungen stammt von Männern (s. Abb. 13).

Letzte Änderung: 12.04.2012