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Nachhaltigkeit
und neue Medien
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Der Einsatz von neuen
Medien aus der Perspektive der Nachhaltigkeit folgt dem Leitbild der Partizipation.
Umweltprobleme sind zu einem großen Teil Massenprobleme. Nachhaltiges
Wirtschaften, das von einer Gesellschaft spürbar gestützt wird, kann
nur stattfinden wenn eben diese Massen aktiv und bewusst an solch nachhaltigem
Wirken teilnehmen partizipieren. Genau dies erleichtern neue Medien,
wenn sie richtig genutzt werden.
Als wesentlich neu erscheint an den
neuen Medien v. a. die Ermöglichung für jeden Menschen zu jederzeit
ohne Zensur an einem Massenmedium zu partizipieren. Damit kann eine Brücke
von privater Betroffenheit zu Öffentlichkeit und politischem Handeln entstehen
und umgekehrt. Parallel zu diesen Möglichkeiten ist der Computer zu einem
der wichtigsten Produktionsmittel geworden; die Zunahme an Telearbeitsplätzen
verstärkt diesen Trend. So wird eine weitere Schnittstelle zum Wirtschaftssektor
geschaffen. D.h. das Internet stellt ein Kontinuum zwischen Privatheit, Öffentlichkeit
und Ökonomie her. Damit dies angemessen funktioniert, ist ein erweiterter
Begriff von Medienkompetenz notwendig, der auf die Fähigkeit demokratischer,
verantwortungsvoller Partizipation abzielt. Es erscheint sinnvoll sich auch
von wirtschaftlicher Seite frühzeitig in diesem Prozess zu positionieren,
um die Ausgestaltung partizipativer Strukturen mitbestimmen zu können.
Beispielhaft für einen solchen Versuch wird das Projekt: Neue Medien im
Freiwilligen ökologischen Jahr vorgestellt.
Was ist das Neue an den neuen
Medien?
In den meisten Verlautbarungen wird
Multimedia vor allem als technische Plattform verstanden, die das Sammelsurium
alter Medien bedienerfreundlich vereinigt und Medienkompetenz auf die Fähigkeit
zur Informationsbeschaffung reduziert. Die wirklich innovativen Möglichkeiten
der neuen Medien werden damit aber verkannt. Wie die Erfindung des Buchdruckes
im Mittelalter so markieren die neuen Medien einen qualitativen Sprung, weil
sie zu einer Brechung vorherrschender Monopolstrukturen führen: Dort nämlich,
wo Verlage sowie Rundfunk- und Fernesehanstalten bisher institutionelle Barrieren
schafften, bildet das Internet nun ein Massenmedium, dass geradezu von der Partizipation
lebt.
Wenn auch die Bedingung der Zensurfreiheit
gewisse Risiken mit sich bringt, so sind diese Gestaltungsmöglichkeiten
im gesellschaftlichen Demokratisierungsprozess doch zuvörderst als Errungenschaft
anzusehen, da die Medienfreiheit Bestandteil der für lebende Demokratie
notwendigen freien Meinungsäußerung ist. Wenn den neuen Medien demnach
ein viel differenzierteres Spektrum von Qualitäten zugewiesen werden kann,
so muss aber auch der Kompetenzbegriff erweitert werden: Es sind v. a. die Gestaltungsmöglichkeiten
des Rezipienten, die es ihm erlauben, an für ihn bisher nicht zugänglichen
Vermittlungsprozessen teilzuhaben, die das Neue an den neuen Medien ausmachen.
Zukünftige Entwicklungspotenziale
von Wirtschaft und neuen Medien
Telearbeit, Kundensupport im Call
Center oder die Arbeit im Mobile-Office bzw. beim Kunden vor Ort sind Arbeitsformen,
die im Zeitalter der Informationstechnologien räumliche und zeitliche Flexibilisierung
fördern. Zukunftsforscher prognostizieren, dass bereits in 10 Jahren jeder
zweite Berufstätige in einem nicht-regulären Beschäftigungsverhältnis
arbeiten wird. Befristete Anstellungen, Teilzeit oder geringfügige Beschäftigung,
Zeitarbeit oder neue (Schein-)Selbständigkeit werden vermutlich schon bald
zur Normalität gehören. Telearbeit eignet sich für solche neuen
Arbeitsverhältnisse in besonderer Weise: Die Anwesenheit am räumlich-institutionell
organisierten Arbeitsplatz ist nicht nötig, dadurch wird Büroraum
gespart. Dennoch ist ein kurzfristiger Zugriff auf Mitarbeitende möglich.
Der Chance, volkswirtschaftlich zur Verfügung stehende Ressourcen zu sparen
und übrigens auch verkehrsbedingte technische und ökologische Belastungssituationen
abzubauen, steht allerdings die Gefahr der Isolierung des Einzelnen gegenüber.
Stellen wir uns an dieser Stelle
noch einmal die Frage, was denn das Neue an den neuen Medien ist, so müssen
wir unsere o. g. Definition erweitern: Der online geschaltete Computer stellt
nicht nur eine Interaktion ermöglichende Verknüpfung von Privatheit
und Öffentlichkeit dar, sondern ist zugleich auch außerordentlich
wichtiges Produktionsmittel. Dass globales Massenmedium und Produktionsmittel
identisch sind und zugleich Platz auf dem heimischen Schreibtisch also
in der Privatheit finden ist ein historisches Novum und stellt die demokratische
Gesellschaft selbstverständlich vor ganz neue Anforderungen.
Die Zunahme der Telearbeit geht einher
mit dem Phänomen der "Entbetrieblichung". Mit dem Wegfall des
Betriebes mit seiner Einheit von Raum, Zeit und sozialem Gefüge fällt
aber auch ein wichtiger Ort der Sozialisation weg. Demnach sind es nicht nur
rein technische Medienkompetenzen, die Telearbeiter erwerben müssen, sie
müssen auch andere Sozialkompetenzen erlernen. Die hier geeignete Formen
und Strukturen müssen jedoch erst noch (weiter-)entwickelt werden.
Neue Medien im FÖJ - Modellprojekt
in Thüringen
Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen
und Einsichten gestaltet sich das Projekt: "Neue Medien im FÖJ".
Das Freiwillige ökologische Jahr zählt neben dem Freiwilligen sozialen
Jahr zu den am weitesten verbreiteten staatlich geregelten Freiwilligendiensten.
Es soll vor allem jungen Erwachsenen in der Berufsfindungsphase eine Möglichkeit
zu sinnvoller Betätigung bieten. Neben ihrer Arbeit an der Einsatzstelle,
dies kann z.B. eine Umweltbildungsstätte oder ein Biobauernhof, ein forstwirtschaftlicher
Betrieb oder ein Entsorgungsbetrieb sein, werden die FöJ-Teilnehmer auch
in Wochenseminaren pädagogisch betreut. Ziel dieses Projektes ist es, eines
dieser Seminare multimedial so auszustatten, dass die Teilnehmer partizipative
Möglichkeiten der neuen Medien kennen lernen und selber anwenden. Sie lernen
hierzu den Umgang mit einer digitalen Kamera, sie erlernen die Handhabung eines
Bildbearbeitungsprogramms und die Herstellung eigener Internetseiten, sie kommunizieren
über das Internet mit anderen Seminaren und erfahren in einem moderierten
Chat die Möglichkeiten bürgernaher politischer Kommunikation.
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