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I. Einführung
Das Meta-Archiv ist ein Online-Nachweissystem von Quellen- und
Sammlungsbeständen sowie Literatur zur Geschichte der deutschen
Erwachsenenbildung (Heuer 2008). Dabei wird der Gegenstandsbereich so weit
gefasst, dass Verweise zur Geschichte der Berufsbildung, Sozialpädagogik und
des Bibliothekswesen mit aufgenommen werden. Der Begriff „Meta-Archiv“
deutet auf den umfassenden und virtuellen Charakter des Angebots hin. Die
verzeichneten Bestände gehen weit über die Sammlungsbestände des DIE-Archivs
und der DIE-Bibliothek sowie anderer Spezialarchive zur Geschichte der
Erwachsenenbildung (im wesentlichen „Schulenberg-Archiv“ und
Österreichisches Volkshochschularchiv) hinaus. Die in der Datenbank
gespeicherten Informationen, umfassen
- Literatur zur Geschichte der Erwachsenenbildung,
- Literatur von und über Persönlichkeiten und Institutionen der
Erwachsenenbildung,
- Kurzbiographien von Persönlichkeiten der Erwachsenenbildung,
- Kurzbeschreibungen von Institutionen,
- Quellenangaben mit Standortangabe der Archive und der Archivbestände.
Das Meta-Archiv ist ein Serviceangebot, das die wissenschaftliche
Infrastruktur der historischen Erwachsenenbildungsforschung verbessert und
fördert, indem es die Quellenbasis und die Ergebnisse der historischen
Erwachsenenbildungsforschung systematisch dokumentiert und zugänglich macht.
Mit dem Meta-Archiv lassen sich der Stand der historischen
Erwachsenenbildungsforschung allgemein und Einzelfragestellungen
analysieren, bereits erreichte Standards der Forschung nachweisen und
Forschungsbedarfe und Zugangswege für neue Forschungen generieren.
Eingelöst wird damit eine zentrale im „Memorandum zur historischen
Erwachsenenbildungsforschung“ (Ciupke 2002) aufgeworfene Aufgabenstellung.
Es heißt im Memorandum:
„Zur Intensivierung der erwachsenenpädagogischen Historiographie ist eine
literatur- und quellenbezogene Grundlagen- und Systematisierungsarbeit
vordringlich geboten. Diese Grundlagenarbeit sollte die Dokumentation der
Quellen ebenso umfassen wie die systematische Bibliographie der vorhandenen
Quellen“ (Ciupke 2002, S. 29).
Das Meta-Archiv ist mit einem Bestand von 1.700 Datensätzen im Mai 2009
online gegangen und wird seitens des DIE kontinuierlich ausgebaut. Damit die
Datenbank einen noch höheren Abdeckungsgrad erhält, sind wir auf Ihre
Unterstützung angewiesen. Wir möchten all jene, die zur Geschichte der
Erwachsenenbildung geforscht haben und aktuell forschen, bitten die von
ihnen erhobenen Quellen- und Standortangaben an uns zu schicken. Wir pflegen
die Datensätze dann ein. Interessierte wenden sich bitte an
Dr. Klaus Heuer.
II. Forschen im Archiv
Die Disziplin der Erwachsenenbildung hat ein wenig ausgeprägtes
historisches Bewusstsein. Ihre Vertreter/innen schaffen es selten, ein
historisches Kontinuitätsbewusstsein aufzubauen und zu vertreten – und das,
obwohl die Erwachsenenbildung in besonderer Weise dem zunehmend raschen
gesellschaftlichen Wandel unterliegt. Das Deutsche Institut für
Erwachsenenbildung (DIE) möchte mit seinen Archivangeboten all jene
unterstützen, die das „Gedächtnis“ der Erwachsenenbildung verstetigen, indem
sie zu Kontinuitäten, Diskontinuitäten, Brüchen und Abgespaltenem in der
Geschichte der Erwachsenenbildung forschen. Archivgestützte Forschungen
können helfen, die eigene Disziplin besser zu begründen und zu verstehen.
Forschen im Archiv verlangt einen mikroskopischen Blick, mit dem das
„Vetorecht der Quelle“ (Kosselek) in erkenntniskritischer Absicht genutzt
werden kann, um zum Beispiel bestehende Lehrmeinungen zu überprüfen und
gegebenenfalls mit besserer Beweiskraft zu verändern. Das Exemplarische und
das Allgemeine gilt es mit dem quellengestützten Forschungsansatz in
spezifischer Weise in Beziehung zu setzen und auszubuchstabieren. Thomas
Lange und Thomas Lux haben dazu angemerkt: „Man könnte die Grundidee als
,Achtung vor dem einzelnen, sei es nun Ding oder Mensch‘ beschreiben“
(Lange/Lux 2004, S. 47). Diese spezifische Qualität und Herausforderung von
Quellen wissen all diejenigen zu schätzen, die das Forschen im Archiv schon
einmal ausprobiert haben.
Für eine wissenschaftliche Abschlussarbeit oder ein Forschungsvorhaben
reichen diese Erfahrungen nicht aus. Da gilt es auch andere Anforderungen zu
erfüllen. So stellt sich die Frage, sind die Quellenbestände auch dicht
genug, um wissenschaftliche Fragestellungen bearbeitbar zu machen oder
reichen sie aus, um ein neues Forschungsfeld zu begründen?
Das DIE unterstützt Forschungen zur Geschichte der Erwachsenenbildung nicht
nur durch die Datenbank Meta-Archiv, sondern auch durch Vorschläge für
Forschungsthemen sowie eine Forschungsberatung vor Ort.
a) Im Rahmen der DIE-Archive bietet das DIE historische Themenstellungen für
wissenschaftliche Hausarbeiten und Forschungsvorhaben an, die sich mit den
Sammlungsbeständen des DIE besonders gut beforschen lassen. Die Themen sind
so ausgewählt, dass sowohl Findmittel vorliegen, die meisten online, als
auch eine strukturierende Einbettung durch die reichhaltigen
Bibliotheksbestände (z.B. historische Zeitschriften aus der Weimarer
Republik, Sekundärliteratur) gewährleistet ist. Die aktuell ausgewählten
Themenstellungen können Sie hier nachschlagen.
b) Sofern gewünscht, bietet das DIE auch eine begleitende Beratung zur
Recherche und zum zielgerichteten Arbeiten an. Diese umfasst eine Einführung
in die betreffenden allgemeinen Bibliotheksbestände, insbesondere in die
relevanten Fundstellen zu den historischen Buch- und Zeitschriftenbeständen
und der grauen Literatur im alten Katalog und die Forschungsliteratur zur
Geschichte der Erwachsenenbildung; außerdem werden die Sammlungsbestände der
DIE-Archive in ihrer Reichweite für die jeweiligen Themenstellungen
eingeschätzt und Bearbeitungsmöglichkeiten skizziert.
III. Beratungsangebot für Bestandsgeber/innen
In Deutschland gibt es eine ausgewiesene Archivgesetzgebung erst seit
Mitte der 1980er Jahre. Sie regelt in jedem Bundesland die rechtlichen
Zuständigkeiten der Staats- und Kommunalarchive umfassend. Die
Sammlungsaufgaben wurden dabei breit gefasst. In einigen Bundesländern wie
z.B. in Hessen und Thüringen werden zurzeit staatliche
Archivberatungsstellen aufgebaut. Damit ist der Bestandsschutz
nicht-amtlicher Archivbestände, insbesondere von Sammlungen, eindeutig
verbessert.
So heißt es in einem ausgewiesenen Ausbildungshandbuch für den
Archivbereich:
„Deshalb gehört es zu den demokratischen Aufgaben der Archive, bei der
Überlieferungsbildung über den amtlichen Bereich hinaus, auch den
nichtamtlichen Bereich im Auge zu haben. Deshalb zählt das Archivgesetz NRW
§2 Abs. 3 zum Archivgut ausdrücklich auch archivwürdige Unterlagen, die die
staatlichen Archive von anderen Stellen als den Behörden und Einrichtungen
des Landes oder von natürlichen oder juristischen Personen des privaten
Rechts übernommen oder erworben haben ... Gerade die Kommunalarchive haben
nach einem Positionspapier der Bundeskonferenz der Kommunalarchive beim
Deutschen Städtetag die Aufgabe, „die lokale Gesellschaft und
Lebenswirklichkeit umfassend abzubilden, deren Ereignisse, Phänomene und
Strukturen im Großen wie im Kleinen zu dokumentieren und dabei die
Pluralität des politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen
Geschehens gerecht zu werden“ (Reimann 2008, S. 141f).
Das Zitat unterstreicht die Breite des Sammlungsanspruchs, einschränkend
verdeutlicht es auch, dass immer ein Ermessensspielraum bleibt und es immer
wieder zu überprüfen gilt, inwieweit diese Vorgaben auch in der
Sammlungspraxis der Staatsarchive der Bundesländer und der Kommunen jeweils
eingelöst werden. Beispiele dafür, dass wichtige Sammlungsbestände aufgrund
fehlender Sorgfalt vernichtet wurden, gibt es leider in der Geschichte
einige. Besonders gefährdet waren bislang die Archivbestände der sozialen
Bewegungen (Hüttner 2003). Für die Erwachsenenbildung gilt eine besondere
Sorgfaltspflicht gegenüber institutionellen und persönlichen
Sammlungsbeständen.
Deshalb hat das „Memorandum zur historischen Erwachsenenbildungsforschung“ (Ciupke
2002) die Sammlung von Beständen zur Erwachsenenbildung als eine bedeutende
Serviceaufgabe beschrieben und ausgeführt:
„Diejenigen Einrichtungen, die kein eigenes Archiv führen können und wollen,
sollten sich bei Trennungsabsicht von diesem Material auf jeden Fall vorher
an Institutionen mit einem entsprechenden Sammelauftrag (wie das DIE, das
Archiv für Erwachsenenbildung in Niedersachsen, Staatsarchive oder kommunale
Archive) wenden“ (Ciupke 2002, S. 31).
Das DIE will helfen, diese Aufgabe durch ein spezielles Beratungsangebot
einzulösen, das unabhängig vom Sammlungsauftrag des DIE ist. Im Zentrum
dieses persönlichen Beratungsangebots steht die Maxime, dass die
potentiellen Bestandsgebenden Klarheit über den am besten geeigneten Ort für
ihre Sammlungen erhalten. Es wird darüber Auskunft gegeben, welches Archiv
die sachgemäße Bestandspflege, die formale und möglicherweise auch
inhaltliche Erschließung, die Dokumentation in Findbüchern und die
Zugänglichkeit der Sammlungen am besten gewährleisten könnte. Außerdem
umfasst die Beratung auch Vorschläge für vertragliche Regelungen. Beispielsweise können Vertragsvereinbarungen die Verkürzung der
gesetzlich geregelten Schutzfristen für Sachakten (30 Jahre nach Entstehung)
und personenbezogenem Schriftgut (10 Jahre nach dem Tod), die für die
historische Forschung von besonderer Bedeutung sind, festhalten.
Vom DIE selbst werden nur solche Bestände gesammelt, die dem selbst
gesetzten Sammlungsprofil entsprechen und qualitativ hochwertig (Tagebücher,
unveröffentlichte Manuskripte, Fotosammlungen, etc.) sind. Das sind zurzeit
insbesondere:
- die Nachlässe von Professor/inn/en der Erwachsenenbildung der 1. und 2.
Generation, die in vielen Fällen aus der Praxis der Erwachsenenbildung auf
die Lehrstühle gewechselt sind.
- Ergänzungen zu schon bestehenden Sammlungsbeständen im DIE
- Historische Fotosammlungen.
Ziel des DIE ist es: die Zugänglichkeit von Sammlungen für die historische
Forschung zu sichern. Das DIE verfolgt keine proprietären Absichten, sondern
will durch sein klar umrissenes Sammlungsprofil und die beschriebene
Beratungsfunktion seiner Aufgabe als Infrastruktureinrichtung der
Erwachsenenbildung und ihrer Erforschung gerecht werden.
Einrichtungen und Verbänden der Erwachsenenbildung bietet das DIE eine
kostenlose erste Sichtung und Bewertung von Sammlungsbeständen an.
Verwendete Literatur:
Archivschule Marburg (Hrsg.): Forschen im Archiv – ein Kurzlehrgang
http://pcas23.archivschule.uni-marburg.de/projekte/forschen/Index.html
(Stand: 03.04.09)
Burkhardt, Martin (2006): Arbeiten im Archiv. Paderborn
Ciupke, Paul u. a. (2002): Memorandum zur historischen
Erwachsenenbildungsforschung. Bonn
http://www.die-frankfurt.de/esprid/dokumente/doc-2002/ciupke02_01.pdf
Heuer, Klaus (2008): Quellenverzeichnisse zur Geschichte der
Erwachsenenbildung zugänglich machen – Skizze eines Archivprojekts des DIE.
In: Schlutz, Erhard/Schneider, Heinrich (Hrsg.): Berufsgeschichte der
Erwachsenenbildner/innen – Geschichte als Berufswissen? Bremen, S.143–152
Hüttner, Bernd (2003): Archive von untern. Bibliotheken und Archive der
neuen sozialen Bewegungen. Neu-Ulm
Lange, Thomas/Lux, Thomas (2004): Historisches Lernen im Archiv. Schwalbach/Ts.
Reimann, Norbert (Hrsg.) (2008): Praktische Archivkunde. Ein Leitfaden für
Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste. Fachrichtung Archiv.
Paderborn
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