DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung

DIE Zeitschrift 2010/1

Titelblatt der Printausgabe 2010/1

Strategische Kooperationen

Seit Jahrzehnten ergeht der Auftrag an die Weiterbildungspraxis, mehr zu kooperieren. Diese Rhetorik ist durch Förderstrukturen immer relevanter geworden. Wer nicht kooperiert, hat Nachteile im Wettbewerb um öffentliche Mittel. Doch wie können Kooperationen als echte strategische Option aufgefasst werden, und wie können Erfolgschancen erhöht werden? Claus Leggewie sagt im Interview: indem die Strategie nicht im Vordergrund steht.

INHALTSVERZEICHNIS
Seite
Vorsätze
3
Magazin
6 Berichte, Veranstaltungen, Neue Bücher, Neue Medien
Thema
22
Sich mit anderen Sichtweisen konfrontieren
Interview
Leggewie, Claus; Brandt, Peter
24 Abstract: Deutsch English
Für lebenslanges Lernen kooperieren
Entwicklungslinien und Perspektiven für
Kooperationen in der Weiterbildung
Dollhausen, Karin; Feld, Timm C.
Weiterbildungseinrichtungen stehen seit jeher unter einem Kooperationspostulat, das sich zunächst in den Weiterbildungsgesetzen manifestiert hat und inzwischen stärker auf das Lebenslange Lernen hin ausgerichtet wurde. In der Praxis der Weiterbildungseinrichtungen gibt es indes zahlreiche Vorbehalte gegen Kooperationen, die sich nicht zuletzt aus unerwünschten Konkurrenzkonstellationen speisen, in die kooperierende Einrichtungen geraten. Um Modelle für eine verbesserte Steuerung der Einrichtungen in Kooperationsfragen zu entwickeln, bedarf es noch weiterer Forschung: Welchen Mehrwert schaffen Kooperationen? Wie können Kooperationen gestaltet werden, dass sie nachhaltige Mitwirkung ermöglichen? Wie verändern Kooperationen Einrichtungen?
Educational institutes have always been seen as needing to cooperate: this idea first took shape in education acts and is now increasingly being applied to lifelong learning. In practice, however, there are many arguments against cooperation at institutes of continuing education, not least as it can create unwanted situations of rivalry among the cooperating institutes. To develop models which will help guide schools on issues of cooperation better, further research is required: What advantages does cooperation bring? What form should cooperation take if it is to have long-term effects? How does cooperation change institutions?
27 Abstract: Deutsch English
Kooperation und Innovation
Erkenntnisse der Innovationsforschung für eine strategische Kooperationsgestaltung von Bildungsakteuren
Manger, Daniela
Für die betriebswirtschaftliche Innovationsforschung sind sog. Cluster (Agglomerationen ähnlich ausgerichteter Unternehmen in einem geographisch dichten Raum) aufgrund ihrer hohen Produktivität und Innovationskraft von großer Bedeutung. Aus der Perspektive einer solchen Innovationsforschung stellt der Beitrag mögliche Blockademechanismen, die regionale Kooperation verhindern, dar. Geographische Nähe reicht als Katalysator für die Initiierung erfolgreicher Kooperation nicht aus. Der Beitrag arbeitet Indifferenz als eine zentrale Hürde gegen regionale Kooperation heraus und stellt das Prinzip der kleinen Schritte als eine mögliche Lösung vor. Im nächsten Schritt wird das Thema einer Balance im Spannungsfeld zwischen Rivalität und Vertrauen angesprochen, bevor der Artikel mit einer kurzen Skizzierung einiger Schlussfolgerungen für eine strategische Kooperationsgestaltung endet.
Für die betriebswirtschaftliche Innovationsforschung sind sog. Cluster (Agglomerationen ähnlich ausgerichteter Unternehmen in einem geographisch dichten Raum) aufgrund ihrer hohen Produktivität und Innovationskraft von großer Bedeutung. Aus der Perspektive einer solchen Innovationsforschung stellt der Beitrag mögliche Blockademechanismen, die regionale Kooperation verhindern, dar. Geographische Nähe reicht als Katalysator für die Initiierung erfolgreicher Kooperation nicht aus. Der Beitrag arbeitet Indifferenz als eine zentrale Hürde gegen regionale Kooperation heraus und stellt das Prinzip der kleinen Schritte als eine mögliche Lösung vor. Im nächsten Schritt wird das Thema einer Balance im Spannungsfeld zwischen Rivalität und Vertrauen angesprochen, bevor der Artikel mit einer kurzen Skizzierung einiger Schlussfolgerungen für eine strategische Kooperationsgestaltung endet.
31 Abstract: Deutsch English
Wahrnehmungen pädagogischer Akteure
Bildungsbereichsübergreifende Kooperationen
Schütz, Julia; Reupold, Andrea
Der Beitrag beleuchtet bildungsbereichsübergreifende Kooperationen aus der Perspektive pädagogischer Akteure. Aus einem gerade angelaufenen DFG-Projekt präsentieren die Autorinnen erste Ergebnisse aus Gruppendiskussionen, die Anlass zum Zweifel geben, ob Kooperationen gelingen können, wenn Berufsgruppen innerhalb und außerhalb des eigenen Bildungssegments so wenig übereinander wissen. Ob die hier entwickelten Kategorien unterschiedlicher Wahrnehmungsformen von Kooperationen (obligatorisch-pragmatisch, emphatisch-fakultativ und strategisch) von den weiteren erwarteten Daten des Projekts bestätigt werden, bleibt abzuwarten.
This article sheds light on cooperation between different educational fields as seen from the point of view of experts in education. The authors present the initial findings from the group discussions of a DFG project which started recently. These findings cast doubt on whether cooperation can succeed when different occupational groups know so little about one another within and outside their educational sectors. It remains to be seen whether future data expected from the project confirms the categories developed in this article to describe different people’s perceptions of cooperation (seen as a necessary obligation, as a positive choice, or as a strategy).
34 Abstract: Deutsch English
Stolpersteine und Erfolgsfaktoren
Kooperationen im Rahmen der EU-Bildungsprogramme
Bienzle, Holger
Aus der Perspektive der Beratungstätigkeit für europäische Projektarbeit werden die gängigen Hürden und Erfolgsfaktoren für Kooperationen aufgezeigt, die im Rahmen von EU-Förderprogrammen von Erwachsenenbildungseinrichtungen eingegangen werden. Der Autor empfiehlt eine besondere Beachtung der Interessenlagen der Beteiligten, um joint ownership zu sichern.
Looking at consultancy for European project work, the article reveals the common obstacles and success factors for cooperative ventures between adult education institutions as part of EU funding programmes. The author recommends paying particular attention to all the parties' interests to ensure there is joint ownership.
37 Abstract: Deutsch English
Lernzentren als Experimentierfeld
Kooperationsstrukturen für neue Lernarchitekturen
Stang, Richard
In den letzten Jahren haben sich in europäischen Ländern verschiedene Institutionalformen von Lernzentren (learning centres) entwickelt, von denen unter dem Gesichtspunkt der Kooperationsgestaltung vor allem das »One-Stop-Shop«-Modell relevant ist. Hier werden Informations-, Bildungs- und Beratungsdienstleistungen in einer räumlichen Einheit angeboten. Am Beispiel dieser Kooperationsform werden Steuerungsmodelle, Strukturen und Effekte von Kooperationen herausgearbeitet.
Over the past few years, various institutional forms of learning centres have been developed. Of these, the ”one-stop shop” is the most relevant to the form of cooperation. Here, information, education and advice are all provided at one spot. Management models, structures and the effects of cooperation are elaborated based on this form of cooperation.
43 Abstract: Deutsch English
"Was können wir gemeinsam machen?"
Kooperationen: Euphorie und Risiken in der Rückblende
Faulstich, Peter
Im Rahmen einer Rückblende zeichnet der Autor die Geschichte der Kooperationszumutungen und -realisierungsformen im Weiterbildungsbereich nach. Dabei unterscheidet er ein Eingriffs- von einem Austauschmodell der Kooperation einerseits und Formen proklamatorischer, hierarchischer und partizipativer Kooperation andererseits. Die Struktur des Netzwerks wird als Potenzierung des Kooperationsphänomens vorgestellt und auf Erfolgsfaktoren und Gefahren hin befragt.
In the form of a review, the author outlines the history of how cooperation has been achieved and imposed in the field of continuing education. He distinguishes between cooperation as an intervention and as an exchange, and between proclamatory, hierarchical and participative cooperation. The structure of the network is presented as way to boost cooperation, and is studied to identify risks and key success factors.
Forum
46 Abstract: Deutsch English
Weiterbildung im Wandel
Anbieterforschung im Längsschnitt am Beispiel Bremen
Schrader, Josef; Zentner, Ulrike
Der Beitrag präsentiert Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zu Struktur und Wandel der Weiterbildung in Bremen, das als Längsschnitt ausgewählter Jahre zwischen 1979 und 2006 angelegt ist. Auf der Ebene des Weiterbildungssystems machen die Autoren eine gewisse strukturelle Stabilität aus, die sich daran zeigt, dass trotz eines zwischen 1996 und 2006 wachsenden Anteils marktorientierter Anbieter die öffentlich-rechtliche Konkurrenz ihren strukturbildenden Einfluss auf das Gesamtangebot behält. Auf der Ebene einzelner Organisationen kann in Bremen beobachtet werden, dass marktorientierte Anbieter (wenn auch statistisch nicht signifikant) eher vom Markt verschwunden sind als solche im öffentlich-rechtlichen Kontext. Auf der Ebene konkreter Lehr-Lern-Interaktionen fokussieren die Autoren Veränderungen im Angeboten der allgemeinen und politischen Bildung (Rückgang bei Fremdsprachen, Expansion der kulturellen Bildung u.a.m.).
This article presents the findings of a research project on structure and change in continuing education in Bremen, set out as a longitudinal analysis of selected years between 1979 and 2006. At the level of the continuing education system as a whole, the author identifies a certain structural stability evident from the fact that despite a growth in the number of market-oriented providers from 1996 to 2006, their competition – providers under public law – retained its structural influence on the market as a whole. At the level of individual organisations, one observation in Bremen is that (though the figures are not statistically significant) market-oriented providers have tended to drop in number, more so than those under public law. At the level of specific interactions between teachers and learners, the authors focus on changes in general and political education courses on offer (drop in foreign languages, more cultural education, etc.).
Nachwörter