2.3 Qualitätsentwicklung

Zu Beginn der Umweltbildung ging es wesentlich darum, Menschen aufzurütteln, Verbündete zu gewinnen, und die richtigen Botschaften zu verkünden. Die Frage nach der Qualität einer Einrichtung, oder gar das Denken an Bildung als ein "Produkt", das einer Qualitätskontrolle zu unterliegen habe, wurde schlicht nicht gestellt. Qualitätsdenken ist originär in der beruflichen Weiterbildung eingeführt worden, wobei deutlich die Frage nach dem Kostenaufwand und dem Ertrag einer Bildungsmaßnahme im Vordergrund stand. Auch das Arbeitsamt als Finanzierer vieler beruflicher Weiterbildungsmaßnahmen hatte ein Interesse, seine Maßnahme (und damit die Fördergelder) nur an qualitativ zuverlässige Einrichtungen zu vergeben. Seit 1995 gibt es in der Weiterbildung eine "Qualitätsdebatte" um die ISO Norm 9000ff, die analog der Industrienorm Kriterien festschreibt, die eine Einrichtung erfüllen muß, damit sie als qualitätsgeprüfte Weiterbildungsseinrichtung bestehen kann. Der Disput geht darum, ob die Zertifizierung finanzschwache Einrichtungen vom Markt drängen könnte, wer Zertifikate verteilen darf, und ob ein Zertifikat dieser ISO Norm überhaupt garantiere, daß auch qualitätvolle Angebote unterbreitet werden. Diese Diskussionen sind heute noch relativ weit von der Praxis der Umweltbildungseinrichtungen entfernt, aber sie werden zukünftig von wachsender Bedeutung sein, weil damit zu rechnen ist, daß Förderer und Auftraggeber Qualitätsgarantien von Einrichtungen verlangen werden.

Die Frage nach der Aufrechterhaltung der "Qualität" einer Einrichtung berührt die weiter oben bezeichnete materielle Ebene (die Qualität der Bildungsprodukte) und die funktionelle Ebene (funktioniert die Organisation optimal im Sinne ihrer Zielsetzung?). Eine erfolgreiche Personalentwicklung ist z.B. eine wesentliche Voraussetzung für die Qualität der Bildungsangebote.

a) Sicherung der Qualität der Bildungsangebote

Über Qualitätsfragen läßt sich trefflich streiten. Ist ein Angebot gut, wenn es den Teilnehmenden gefällt, wenn es dem Durchführenden als gelungen erscheint, oder wenn es einem "unabhängigen" Beobachter gut erscheint? Und welche Kriterien erfüllen das Prädikat gut? Letztlich muß sich eine Einrichtung bei der Suche nach Qualitätskriterien auf einen Kompromiß einlassen, der zwischen der Perspektive des Marktes (Akzeptanz, Vergleiche zu Konkurrenzangeboten) und der Perspektive der eigenen Zielsetzungen zu suchen ist. Wir wollen hier die Frage, was "gut" ist nicht präzisieren, dafür aber fragen, was für eine Qualitätssicherung des Angebotes beachtet werden sollte.

Zur Programmqualität einer Einrichtung gehört z.B.:

Das heißt, ist es grafisch ansprechend, professionell aussehend, ist per Logo die Einrichtung identifizierbar (corporate identity)?

Zur pädagogischen Qualität der Angebote ist zu beachten:

Zur Qualität der MitarbeiterInnen:

Die Qualität des Angebotes hängt von der Professionalität und dem adäquaten Einsatz der MitarbeiterInnen ab.

Zur Servicequalität:

Bildungsangebote wahrnehmen heißt zunehmend auch Beratung, Moderation und andere "Bildungsdienstleistungen" erbringen, die über traditionelle Kurse, Seminare, Exkursionen hinausgehen. Beratung bezieht sich einerseits auf die Programmberatung der potentiell Teilnehmenden. Sind die Zeitformen des Beratungsservice den Möglichkeiten der Zielgruppen angemessen? Ist die Anmeldungsprozedur einfach? Wird das Internet, werden lokale Blätter, eigene Infos zur Beratung hinreichend genutzt? Die Beratungsleistungen können sich zunehmend aber auch auf Fachliches beziehen. Die Kompetenz der Bildungsstätte in ökologischen Fachfragen kann durch spezielle Beratungsdienste über Lehrangebote hinaus genutzt werden. Die Qualität der Beratung orientiert sich in erster Linie wieder an der Professionalität der Beratenden. Aber auch das Umfeld, die zugehörige Öffentlichkeitsarbeit, die Räumlichkeiten (interne oder externe Beratung), die Form (schriftliche Gutachten, Begleitmaterialien, Gesprächsführung, etc.) müssen stimmig sein. Weitere Servicemöglichkeiten sind "Verleih" von Räumen und Gelände an andere Nutzer(gruppen), Bereitstellung eines Labors, einer Bibliothek, Übernahme/Betreuung von Umweltmessungen, Beteiligung an Kartierungen, an Umweltschutzaktionen, etc. Damit leistet eine Einrichtung einen Service in der Region, der Teil ihres Ansehens, Teil ihres Corporate Images und Quelle zusätzlichen Einkommens sein kann.

b) Die Qualität der Einrichtung (des Trägers)

Angebote entstehen im Kontext der Organisation mit ihren Zielsetzungen und Strukturen. Wo intern wenig Flexibilität herrscht, wird kaum ein flexibel auf Zielgruppen und Aktualität ausgerichtetes Angebot geplant und vorgehalten werden können. Es gibt Akademien, wo die weltanschaulich gebundenen Mitglieder der Trägerorganisation inhaltliche Vorgaben an das Programmangebot machen und es gibt Volkshochschulen, wo die Initiative für Angebotsinhalte und Formen von freiberuflichen ("nebenamtlichen") KursleiterInnen ausgehen. Beide Extreme sind eine ungute Voraussetzung für die Entwicklung eines Angebotsprofils, das der Zielsetzung der Einrichtung und ihrem existentiellen Überlebenskampf auf dem Weiterbildungsmarkt gerecht werden muß. Für die institutionelle Leistungsfähigkeit zählt Decker (S. 211) folgende Kriterien auf:

Man sollte für Umweltbildungseinrichtungen hier noch zusätzlich die Angemessenheit der Satzung (Verein, GmbH, Stiftung, etc.) gegenüber des pädagogischen Planungsfreiraumes aufführen, sowie die Frage, wie weit die Einrichtung als Ganzes ökologischen Prinzipien (Gebäude, Energie, Reinigung, Verpflegung, etc.) genügt.

c) Evaluation"Evaluation" des Angebotes

In der Regel ist die Selbstevaluation des Angebotes und/oder einer Einrichtung aufwendig und wegen der "Betriebsblindheit" nicht unproblematisch. Dennoch müssen gewisse Selbstevaluationen getätigt werden, wenn eine Einrichtung den Anspruch hat, eine Qualitätsentwicklung zu verfolgen. Maßnahmen sind z.B.:


Beispielfragen für TN zur Seminarevaluation:

  1. Wie fanden Sie das Seminar insgesamt?
  2. Sind die Lerninhalte in Ihrem Arbeitsbereich verwendbar?
  3. Wie war der organisatorische Ablauf?
  4. War aktive Mitarbeit möglich?
  5. War Zeit für Diskussionen?
  6. Wünschen Sie sich mehr aktive Mitarbeit (z.B. Gruppenarbeit?)
  7. Beurteilung der Seminarleitung
  8. Beurteilung der ReferentInnen (Inhalt, Vortrag, Medien)

Zu den Fragen 1-3 ist eine 5-stufige Antwortskala vorgegeben. Fragen 4-6 werden mit JA/NEIN beantwortet. Fragen 7-8 wieder 5-stufig, bei 8 differenziert nach Inhalt, Vortrag, Medien. (Quelle: Akademie für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein)

Neben der Bewertungsproblematik darf der Auswertungsaufwand nicht unterschätzt werden. Wer evaluiert die Maßnahmen, wer wertet Teilnehmerfragebogen, Hospitations- oder Kursleiterberichte anschließend aus? Diese Probleme führen dazu, daß in vielen Umweltbildungseinrichtungen, in denen Planung und Durchführung von Angeboten in getrennten Händen liegen, nur wenig Wissen über das pädagogische Geschehen in den Veranstaltungen vorliegt. In größeren Einrichtungen empfiehlt es sich, ein "Qualitätsteam" zu bilden, das den Status-quo bestehender Evaluationstechniken erfaßt und bewertet. Im zweiten Schritte sollte eine Vereinheitlichung und Konzentration auf wenige, bewältigbare Erfassungsmaßnahmen erfolgen, wobei sichtbar werden muß, wie die bei der Evaluation gefundenen Ergebnisse produktiv in eine Verbesserung des Angebotes einmünden können.

Aufgabe:
  • Nehmen Sie ein Programmheft einer Bildungseinrichtung zur Hand und überprüfen sie dessen "Qualität"!
  • Welche Schritte würden Sie als Leiter unternehmen, um die pädagogische Qualität der Angebote zu bessern?
  • Konzipieren Sie eine Mitarbeiterkonferenz zum Thema "Die Qualität unserer Einrichtung"

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