2.6 Wirtschaftlichkeit

Wie eingangs schon erwähnt, besteht eine wesentliche Aufgabe einer Leitung darin, das finanzielle Überleben aktuell und für die Zukunft abzusichern. Dabei gibt es viele Gestaltungsunterschiede. In den wenigsten Fällen sind Einrichtungen autonom (rechtlich selbständig). Meist liegt die Finanzhoheit und Stellenvergabe bei einem Träger, so daß die Leitung viel Verhandlungsgeschick und Fingerspitzengefühl einbringen muß, um notwendige Mittel zu erhalten und neue einwerben zu können. Aber auch wenn eine "Einrichtung" betriebsintegriert ist (z.B. eine Abteilung), ist eine Kenntnis des Rechnungswesens als Steuerungsinstrument für effizientes Arbeiten dringend geboten. Im folgenden können nur in aller Kürze einige Grundbegriffe zur Betriebsökonomie einer Weiterbildungseinrichtung eingeführt werden. In der Praxis ist es dringend notwendig, sich mit den spezifischen finanztechnischen, steuerrechtlichen und rechnungstechnischen Notwendigkeiten intensiv vertraut zu machen.

Franz Decker definiert als Bildungsbetriebs-Ökonomie die Felder

die als wesentliche Instrumente des ökonomischen Managements betrachtet werden. Wir haben voranstehend das Bildungsmarketing als eigenständigen Abschnitt diskutiert, um es etwas mehr aus den reinen Wirtschaftlichkeitsüberlegungen herauszuhalten. Wenn eine Einrichtung sich als Profitcenter versteht, muß das Bildungsmarketing in der Tat primär wirtschaftlich gesehen werden.

Ökologisches Ressourcenmanagement"Ökologisches

Ressourcenmanagement bezieht sich auf die Bereitstellung der personalen, Sach- und Finanzmittelressourcen.

SeminarleiterInnen, DozentInnen, ReferentInnenen, PraktikantInnen, Auszubildende, Zivildienstleistende müssen kostengünstig zum richtigen Termin für die richtige Dauer ein- bzw. angestellt werden. Es müssen Entscheidungen über Räume, Unterrichtsmaterialien, Medien, Laborgeräte, Werkzeuge, etc. gefällt und es müssen Finanzentscheidungen für größere Investitionen getroffen werden.

In Umweltbildungseinrichtungen sollte man ein ökologisches Ressourcenmanagement betreiben, was bedeutet, daß alle Entscheidungen auch und besonders unter dem Gesichtspunkt ihrer Umweltverträglichkeit gefällt werden. Dazu gehören der Regionalaspekt beim Einkauf, Wiederverwendbarkeit, Ressourcensparsamkeit, Reparaturfreundlichkeit, Produktlinienüberlegungen, baubiologische Aspekte, Gesundheitsaspekte, etc. Neben dem leidigen Problem, daß umweltverträglichere Produkte häufig teurer sind, erfordert ökologisch reflektierte Beschaffung einen höheren Informationsaufwand. In einer größeren Einrichtung können Kriterienlisten für Erst- und Ersatzbeschaffungen entwickelt werden. Es können Dateien von Anbietern umweltfreundlicher Produkte angelegt werden und es können zur Kostensenkung Einkaufsverbünde (z.B. mit anderen Bildungseinrichtungen) organisiert werden.

Auch die Finanzierung und Investitionen gehören zum Ressourcenmanagement. "Die Finanzwirtschaft eines Bildungsbetriebes bzw. einer Bildungsabteilung bezieht sich auf die Beschaffung, Planung, Gestaltung und Kontrolle aller Zahlungsströme" (Decker 1995, S. 143). Wichtig sind die Worte "Planung, Gestaltung, Kontrolle" in dieser Definition. Wie beim unten zu besprechenden Rechnungswesen handelt es sich um ein Steuerungsinstrument, das in einer Umwelteinrichtung wesentlich auch die Aufgabe ökologischer Steuerung übernehmen muß. Über Finanzierung werden innerbetrieblich und außerbetrieblich (z.B. bildungspolitisch) Weichen gestellt. Als öffentliche Finanzierungsquellen zählen:

Die innerbetriebliche Finanzierung wacht über den "Kapitalfluß", d.h. dessen Beschaffung, Verwendung und Verwaltung. Dazu zählen die Investitionen, die Zunahme von Gütern (außer geringwertigen), Dienstleistungen und Personal. Ähnlich wie bei der Beschaffung sind langfristig zu tätigende Sachinvestitionen in der Regel nach ihren ökologischen Auswirkungen einzuschätzen. Keine Umweltbildungseinrichtung wird einfach eine Heizung vom billigsten Anbieter einbauen oder erneuern lassen. Sie wird in jedem Fall darüber eine interne Debatte über die Art, die Energieeffizienz, die Emissionsbelastung und über alternative Systeme (Dämmung, Wärmekraftkoppelung, etc.) führen. Es ist bekannt, daß besonders gute Wirkungen von Emissionsminderungen bzw. Ressourceneinsparungen im Verbund besser zu lösen sind, als in Einzelmaßnahmen. Bei einer Finanzplanung sollten also langfristige Zielsetzungen bzgl. der ökologischen Ausstattungswünsche festliegen, damit in sinnvoll aufeinander abgestimmten Komponenten umweltfreundliche Investitionen möglich werden.

Bildungsrechnungswesen"Bildungsrechnungswesen"

Wir haben im Abschnitt zum Bildungsmarketing bereits von dem Preis eines Bildungsangebotes gesprochen. Die folgende Tabelle gibt Auskunft darüber, aus welchen Kostenbestandteilen er bestehen kann:

a) zurechenbare Einzelkosten eines Seminares

Honorarkosten

Raumkosten (anteilige Miete)

Material (z.B. Skript, Demonstrationsmaterial,.)

Gerätenutzung (PC-Miete anteilig, Meßgeräte, etc.)

Werbung (anteilig im Programm, Annonce,..)

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Summe aller Kosten = Seminarkosten

geteilt durch erwartete TeilnehmerInnenzahl = Preis für einen TN


Diese Rechnung enthält aber noch nicht die Vorbereitungskosten seitens des Seminarleitenden, die Planungskosten für die Aufnahme des Seminars in das Programm, Nachbereitungskosten, etc. Diese indirekten Kosten werden in geförderten Einrichtungen meist wenig wahrgenommen, obwohl ohne sie keine vollständigen Informationen über den wahren Aufwand eines Bildungsangebotes möglich sind.

b) Eine Maßnahmen-Gesamtkalkulation kann so aussehen:

  1. Seminar-Vorbereitungskosten
    + Materialkosten (z.B. Papier, Kopierkosten, Exkursionskosten)
    + Marketingkosten (z.B. Porto, Briefe, Werbung, Gespräche)
    + Personalkosten
    + anteilige Gemeinkosten (Leitungskosten, Raum, Energie, Telefon)
  2. Durchführungskosten
    + Materialkosten (Medien, Arbeitsmittel, Bewirtung,..)
    + Honorar
    + Raum-, Reise-, Laborkosten
    + Gemeinkosten (wie oben)
  3. Seminar-Folgekosten
    +Korrektur- und Auswertungskosten (Evaluation)
    +andere Kosten
    +Abschreibungen
  4. Gewinnanteil
  5. Gesamtkosten
    +Mehrwertsteuer, andere Steuern
  6. Gesamtendpreis

Wird dieser Preis durch die Anzahl der erwarteten Teilnehmenden dividiert, erhält man den "wahren" Preis, den ein Teilnehmender zahlen muß, um die gesamten Kosten zu decken und einen Gewinn zu ermöglichen. Der Gewinnanteil bei gutgehenden Angeboten mit zahlungskräftiger Nachfrage kann dann z.B. genutzt werden, um Angebote für sozial schwache Zielgruppen oder Angebote mit neuen, noch wenig nachgefragten Inhalten zu finanzieren (vgl. Bildungsmarketing).

In öffentlich geförderten Einrichtungen wird häufig eine Deckungsbeitragsrechnung vollzogen. Die zurechenbaren Einzelkosten des Beispiels a) werden auch als variable Kosten bezeichnet, während die erst im Beispiel b) zugerechneten Gemeinkosten als "Fixkosten" bezeichnet werden, weil sie unabhängig von einem Bildungsprodukt fest gegeben sind. Der Deckungsbeitrag ist die Differenz aus den TeilnehmerInnen-Entgelten und den variablen Kosten.

Um z.B. anteilige Leitungskosten für ein Angebot zurechnen zu können, müssen diese bekannt sein. Für bestimmte Informationszwecke sind deshalb Konten nach bestimmten Leistungszwecken entwickelt worden.

c) Beispiel einer Kostensystematik einer Umweltbildungseinrichtung

Kostenarten

  1. Honorare für Kurs-/Teamleitung
  2. Fahrtkosten für Kurs-/Teamleitung
  3. Lehr/Lernmaterial
  4. Aufwand für Prüfungen
  5. Zwischensumme (Einzelkosten und direkt zurechenbare variable Kosten)
  6. Personalausgaben für Leitung und hauptberufliche pädagogische Kräfte
  7. Personalausgaben für Verwaltung
  8. Ausgaben für nebenberufliche Verwaltungskräfte (Praktikanten, Azubis, Zivis)
  9. Zwischensumme 6-8 (Personal-Gemeinkosten)
  10. Miete für Räume, Gebäude, Pacht für Gelände
  11. Bewirtschaftung von Gebäude, Räume, Gelände
  12. Instanthaltung von Gebäude, Räume, Gelände
  13. Abschreibungen auf eigene Gebäude
  14. Zwischensumme 10-13 (Raumkosten)
  15. Miete für Maschinen und Geräte
  16. Aufwendungen für Fortbildung von MitarbeiterInnen
  17. Reisekosten für hauptberufliche MitarbeiterInnen
  18. Porto
  19. Fernmeldegebühren, Internet-Provider-Kosten
  20. Bürobedarf
  21. Pflegekosten für das Naturgelände/Technopark, etc.
  22. Gebühren und Versicherungen
  23. Reparaturen, Wartungskosten
  24. Werbeaufwendungen
  25. Zinsaufwendungen
  26. Geringwertige Wirtschaftsgüter
  27. Aufwendungen für Unterkunft von Teilnehmenden
  28. Sachaufwendungen für Studienfahrten, Exkursionen
  29. Verschiedenes
  30. Abschreibungen auf Einrichtungen
  31. Zwischensumme 15-30 (Aufwendungen für Hilfsfunktionen)
    1. Gesamtsumme der Kosten

Die voranstehende Gliederung der Kostenarten muß nach Umfang und Art einer Einrichtung/Abteilung entsprechend angepaßt werden.

Als Kostenstellenrechnung in größeren Einrichtungen mit Abteilungen wird die Aufstellung der Kosten nach betrieblichen Funktionen geführt. Die Zielstellung ist dabei, einen Einblick in die unterschiedlichen Kostenbelastungen der Betriebsteile zu erhalten.

Kopfleiste eines Einrichtungsabrechnungsbogens:

Kostenstellen
Kostenarten ges. Einrichtungen Leitung Werkstatt Weiterbildung Tagungshaus
           
           
           

 

Aufgabe: Führen Sie eine Maßnahmen-Gesamtkalkulation mit eigenen, ungefähren Kostenschätzungen für ein zweitägiges Seminar mit einer Teamleitung (2 BAT IIa), drei Referenten, einer Stadtexkursion, Kreativphase, eine Übernachtung für 20 Teilnehmende durch. Auf welchen Preis kommen Sie dabei pro TN?