Herausgeber
Ulmer Volkshochschule
Titel
Programm 3. Monatsabschnitt 1949
Reihe
Programme der Ulmer Volkshochschule inklusive retrospektiver und zukünftiger Entwicklungen ausgehend von 2004
Jahr
1949
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http://www.die-bonn.de/id/15869
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DOI
10.12764/15869

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[page 1]
März
D 1	Gymnastik
Grundkurs Dr. Weismann
Mathematik f. fortg. Anf.
Französisch .. A.. a.iger
Technisches R chnen
Techn. Zeichnen (Schluß)
Smgkreis
Kurs Eisbet Reyhlng
D 15
M 2
D 3
M 9
D 10
F 11
S 12
S 13
M 14
Kurs Dr. Gtlndisch
Lautenkurse
Kammerchor
Russisch f. fortg. Anfänger
Buchhaltg. u. Kalk.(Fortg.)
Buchhaltg. u. Kalk. (Anf.)
Kurs Gerber/Mende
Vortrag Theo Pirker
Gymnastik
Kurs Prof. Siedentopf
Ènglisch f. Anfänger
Englisch f. fortg. Anfänger
Engl. f. Fortg. (Frl. Ernst)
Sprecherziehung
Rel. Bild. Arb. Pf. Etzold
Raum Marktplatz 9 18 Uhr
Schuhhaussaal 20 Uhr
Ki_pierobcrschuie 20 uhr
Wagnerschule Zr. 33 20 Uhr
Wagnersch. Zeichens. 18 U.
Wagnersch. Zeichens. 19 U.
Sekretär. Marktpl. 9 20 U.
Wagnersch.Handarb.S. 20U,
Raum Marktplatz 9 18 Uhr
Wagnersch. Zeichensaal
17.30, 18.15 und 19.15 Uhr
Wagnersch. Zeichens. 20 U.
Wagnersch. Zr. 32 18.30 Uhr
Keplerobersch. 18.15 u.2'0 U.
Keplerobersch. 18.15 U.20U.
Raum Marktplatz 9 20 Uhr
Schuhhaussaal 20 Uhr
Raum Marktplatz 9 18 Uhr
Schuhhaussaal 18 Uhr
Wagnerschule Z. 32 19.30 U.
Wagnersch. Zr. 32	18.30	U.
Kepleroberschule 19.30 Uhr
Wagnerschule Zr. 33 20 Uhr
Raum Marktplatz 9 20 Uhr
S 5
Kurs Jürgen Uhde Schuhhaussaal 20 Uhr
M 7
Franz. f. fortg. Anfänger
Russisch f. Anfänger
Stenogr. f. Anf. (Beginn)
Stenographie f. fortg. Anf.
Zeichnen und Malen
Kurs Dr. König (Chemie)
Kurs Dr. König (Hormone)
Rel. Bild. Arb. Gg. Bischof
Gymnastik
Grundkurs Dr. Weismann
Mathematik f. fortg. Anf.
Französisch f. Anfänger
Technisches Rechnen
Ks. Hetfleisch (Maschinen)
Singkreis
Kurs Eisbet Reyhing
Kurs Herbert Wiegandt
Kurs Dr. Gündisch
Lautenkurse
Kammerchor
Russisch f. fortg. Anfäng.
Buchhaltg. u. Kalk.(Fortg.)
Buchhaltg. u. Kalk. (Anf.)
Kurs Gerber/Mende
Vortrag Prof. Hans Mayer
Gymnastik
Kurs Prof. Siedentopf
Englisch f. Anfänger
Engl. f. fortg. Anfänger
Engl. f. Fortg. (Frl. Ernst)
Sprecherziehung
Kammermusikstudio
Rel. Bild. Arb. Pf. Etzold
Wagnerschule Z. 33 19.30 U.
Wagnersch. Zr. 32 18.30 Uhr
Kepleroberschule 18.30 Uhr
Kepleroberschule 18.30 Uhr
W.-Sch. Zeichens. 18 U.20U.
Raum Marktplatz 9 18 Uhr
Raum Marktplatz 9 20 Uhr
Schuhhaussaal 20 Uhr
Raum Marktplatz 9 18 Uhr
Schuhhaussaal 20 Uhr
Keplerobersehule 20 Uhr
Wagnerschule Zr. 33 20 Uhr
Wagnersch. Zeichens. 18 U.
Wagnerschule Z. 32 19 Uhr
Sekretär. Marktpl. 9 20 U.
Wagnersch.Handarb.S.20U.
Raum Marktplatz 9 20 Uhr
Raum Marktplatz 9 18 Uhr
Wagnersch. Zeichensaal
17.30,18.15 und 19.15 Uhr
Wagnersch. Zeichens. 20 U.
Wagnerschule Z. 32 18.30 U.
Keplerobersch. 18.15 u.2'0 U.
Keplerobersch. 18.15u.2'0U.
Raum Marktplatz 9 20 Uhr
Schuhhaussaal 20 Uhr
Raum Marktplatz 9 18 Uhr
Schuhhaussaal 18 Uhr
Wagnerschule Z. 32 19.30 U.
Wagnersch. Zr. 32	18.30	U.
Kepleroberschule 19.30 Uhr
Wagnerschule Zr. 33 20 Uhr
Wagnersch. Zeichens. 18 U.
Raum Marktplatz 9 20 Uhr
Vortrag Richard Grob Raum Marktplatz 9 20 Uhr
Rel. Bild. Arb.
Prof. Gerhard Rosenkranz
Franz. f. fortg. Anfänger
Russisch f. Anfänger
Stenographie f. Anfänger
Stenographie f. fortg. Anf.
Zeichnen und Malen
Kurs'Dr. König (Chemie).
Kurs Dr. König (Hormone)
Schuhhaussaal 20 Uhr
Wagnerschule Z. 33 19.30 U.
Wagnersch. Zr. 32 18.30 Uhr
Kepleroberschule 18.30 Uhr
Kcpleroberschule 18.30 Uhr
W.-Sch. Zeichens. 18 u.2'0U.
Raum Marktplatz 9 18 Uhr
Raum Marktplatz 9 20 Uhr
M 16
D 17
F 18
S 10
S 20
M 21
Gymnastik
Grundkurs Dr. Weismann
Mathematik f. fortg. Anf.
Französisch f. Anf.änger
Technisches Rechnen
Ks. Hetfleisch (M -ehmen)
Singkreis
Kurs Elsb. Reyhing Schl.)
Kurs HerbCrt Wiegandt
Kurs Dr. Gündisch (Schluß)
Lautenkurse
Kammerchor
Russisch f. fortg. Anfäng.
Buchhaltg. u. Kalk. (Anf.)
Kurs Gerber/Mende
Vorleseabend Th. Pllevier
Gymnastik
Kurs Prof. Siedentopf
Englisch f. Anfänger
Englisch f. fortg. Anfänger
Engl. f. Fortg. (Frl. Ernst)
Kurs Dipl.-mg. Gabsdil
Rel. Bild. Arb. Pf. Etzold
Jürgen Uhde
D 22
M 23
D 24
F 25
S 26 ,
Rel. /Bild. Arb. Dr. Heinr.
Kahlefeld
Franz. f. fortg. Anfänger
Russisch f. Anfänger
Stenographie für Anfänger
Stenographie f. fortg. Anf.
Zeichnen u. Malen
Kurs Dr. König (Chemie)
Kurs Dr. König (Hormone)
Gymnastik
Mathematik f. fortg. Anf.
Französisch f. Anf.änger
Technisches Rechnen
Ks. Hetfleisch (Maschinen)
Singkreis
Ks. Elsb. Reyhing (Schrift)
Kurs Herbert wiegandt
Kurs Prof. Spiegler (Beg.)
Vortr.-Reihe d. Stadtverw.
:	Lautenkurse'
Kammerchor
Russisch f. fortg. Anfäng.
Buchhaltg. u. Kalk. (Anf.)
Kurs Gerber/Mende
Vortrag Arno Hennig
Gymnastik
Kurs Prof. Siedcntopf
Englisch f. Anf.
Englisch f. fortg. Anfänger
Engl. f. Fortg. (Frl. Ernst)
Kammermusikstudio
Kurs Dipl.-Ing. Gabsdil
Rel. Bild. Arb. Pf. Etzold
Kinderlicder
Raum Marktplatz 9 18 Uhr
Schuhhaussaal 2'0 Uhr
Kcpleroberschule 20 Uhr
Wagnerschule Zr. 33 20 Uhr
Wagnersch. Zeichens. 18 U.
Wagnerschule Z. 32 19 Uhr
Sekret. Marktplatz 9 20 U.
Wagnersch.H'arb.S. 20 Uhr
Raum Marktplatz 9 20 Uhr
Raum Marktplaz 9 18 Uhr
Wagnerschule Zeichensaal
17.30, 18.15 und 19.15 Uhr
Wagnersch. Zeichens. 20 U.
Wagnersch. Z. 32 18.30 Uhr
Keplerobersch. 18.15 u.2'0 U.
( Raum Marktplatz 9 20 Uhr
Schuhhaussaal 20 Uhr
Raum Marktplatz 9 18 Uhr
Schuhhaussaal 18 Uhr
Wagnerschule Z. 32 19.30 U.
Wägnerschule Z. 32 18.30 U.
Kcpleroberschule 19.30 Uhr
Wagnerschule Zr. 33 20 Uhr
Raum Marktplatz-9 20 Uhr
Schuhhaussaal 20 Uhr
Schuhhaussaal 20 Uhr
Wagnerschule Z. 33 19.30 U.
Wagnersch. Zr. 32 18.30 U.
Kepleroberschule 18.30 uhr
Kepleroberschule 18.30 Uhr
W.-Sch. Zeichens. 18 u.2'0U.
Raum Marktplatz 9 18 Uhr
Raum Marktplatz 9 20 Uhr
Raum Marktplatz 9 18 Uhr
Kepleroberschule 20 Uhr
Wagnerschule Zr. 33 20 Uhr
Wagnersch. Zeichens. 18 U.
Wagnerschule Z. 32 19 Uhr
Sekretär. Marktpl. 9 20 U.
Wagnersch. Zeichens. 20 U.
Raum Marktplatz 9 20 Uhr
Schuhhaussaal 20 Uhr
Schuhhaussaal 20 Uhr
Wagnerschule Zeichensaal
17.30, 18.15 und 19.15 Uhr
Wagnersch. Zeichens. 20 U.
Wagnerschule Z. 32 18.30 U.
Keplerobersch. 18.15 u. 20U.
Raum Marktplatz 9 20 Uhr
Schuhhaussaal 20 Uhr
Raum Marktplatz 9 18 Uhr
Schuhhaussaal 18 Uhr
Wagnerschule Z. 32 19.30 U.
Wagnersch. Zr. 32	18.30	U.
Kcpleroberschule 19.30 Uhr
Wagnersch. Zeichens. 18 U.
Wagnerschule Zr. 33 20 Uhr
Raum Marktplatz 9 20 Uhr
Wielandgalerie 20 Uhr
S 27 Rel. Bild. Arb. Geistl. Tag
M 28 Franz. f. fortg. Anfänger
Russisch f. Anfänger
Stenographie für Anfänger
Stenographie f. fortg. Anf.
Zeichnen und Malen
Kurs Dr. König (Chemie)
Kurs Dr. König (Hormone)
Rel. Bild. Arb. Gg. Bischof
Wagnerschule Z. 33 19.30 U.
Wagnersch. Zr. 32 , 18.30 U.
Kcpleroberschule 18.30 Uhr
Kcpleroberschule 18,30 Uhr
W.-Sch. Zeichens. 18 U.20U.
Raum Marktplatz 9 18 Uhr
Raum Marktplatz 9 20 Uhr
Schuhhaussaal 20 Uhr
D 29	Gymnastik
Mathematik f. fortg. Anf.
Französisch f. Anfänger
Ks. Hetfleisch (Maschinen)
Singkreis
Ks. Elsb. Reyhing (Schrift)
Kurs Herbert Wiegandt
Kurs Professor Spiegler
M 30 Vortr.-Reihe d. Stadtverw.
Lautenkurse
Kammerchor
Russisch f. fortg. Anfäng.
Buchh. u. Kalkulat. (Anf.)
Kurs Gerber/Mende
D 31 Vortrag Dr. Ernst Keßler
Gymnastik
Leseabend
Donnerstagvorträge
Raum Marktplatz 9 18 Uhr
Kcpleroberschule 20 Uhr •
Wagnerschule Zr. 33 20 Uhr
Wagnerschule Z. 32 19 Uhr
Sekretär. Marktpl. 9 2'0 U.
W..g.i_r: ch. Zeichens. 20 U.
Raum Marktplatz 9 20 Uhr
Schuhhaussaal 20 Uhr
Schuhhaussaal 20 Uhr
Wagnersch. Zeichens. 17.30,
18.15 u. 19.15 Uhr
Wagnersch. Zeichcnsanl
Wagnerschule Z. 32 18.30 U.
Keplerobersch. 18.15 u.20 U.
Raum Marktplatz 9 20 Uh)'
Schuhhaussaal 20 Uhr
Raum Marktplatz 9 18 Uhr
Sekret. Marktpl. 9 20 Uhr
D,ie Politik sieht gerne schwarz-weiß. Einst waren wir
die Engel und die ändern die Plutokraten. Heute sind
die Demokraten oder die Kommunisten die Engel, je
nachdem,, wo man steht, und die ändern sind Kapitalisten oder Kollektivisten. Bei solchen Überbetonungen
wird natürlich eine echte Auseinandersetzung und Betrachtung immer schwer sein.
So ist es nicht leicht, heute offen und unbefangen über
den Marxismus zu reden. Die hartnäckigen Bestrebungen an der politischen Oberfläche, besondere Interessen
und Argumente erschweren es, auf den Grund der aufgewühlten Wasser ku sehen.
Hier erweist sich die Einrichtung unserer Donnerstagvorträge, als günstig. Wir können Leute der verschiedensten Richtungen hören und erhalten im Ablauf eines
Monats eine Diskussion, die den Komplex wohl so plastisch darlegt, daß er uns zu einer sachlichen Stellungnahme anregt.
Mag also der Marxismus heute allzusehr in politische
Auseinandersetzungen hineinverflochten sein, so lohnt
es sich doch, für ein paar Abende die Tagespolitik ein
wenig zurückzustellen und uns die Sache selbst zu besehen. Der Marxismus ist mehr als eine politische Zielsetzung. Er hat sein eigenes Verhältnis zur Welt und
zum Menschen. Er" ist auf eine philosophische Grundlage
gestellt und will den Menschen nicht nur in seinem politischen Streben, sondern in’ seinem ganzen Dasein
formen. Er erhebt einen Anspruch wie ähnlich nur noch
das Christentum. In ihm steckt ein Weltbild, er greift
in die Breite und in àie Tiefe. Nun freilich gibt es heute
bald so viele marxistische Spaltungen und Gruppen, als
es christliche Sekten gibt. Und wir dürfen von einer
solchen Vortragsreihe kein vollständiges Bild erwarten.
Trotzdem bleibt es gerade heute eine wichtige Aufgabe,
zu untersuchen, ob hinter einer Strömung wie dem
Marxismus ein echtes Anliegen steckt, das sich unabhängig von politischen Entwicklungen durchsetzen wird,
oder ob sich eine Doktrin entfaltet hat, die sich einmal
totlaufen muß, weil sie der Welt und dem Menschen
ungenügend Rechnung trägt.
Für diese Vortragsreihe hat uns auch Prof. Steinbüchel
einen Beitrag zugesagt.
Inzwischen hat uns die Nachricht von seinem Tode erreicht. Unsere Volkshochschule verliert damit einen
freundschaftlichen Mitarbeiter, ganz abgesehen davon,
daß durch diesen Tod dem deutschen Geistesleben einer
seiner' lebendigsten Moralphilosophen und Sozialhistoriker genommen ^wurde. Er war einer der aufgeschlossensten und modernsten Katholiken der Gegenwart.
Wie er nach dem ersten Weltkrieg auch christliche
Kreise Marx gegenüber aufschloß, arbeitete er bis zuletzt an einem Versuch, die modernen philosophischen
Strömungen der Nachkriegszeit vor einer zu raschen
Verurteilung zu bewahren und in die christliche Philosophie einzuordnen.
Vortrag	1
Theo Pirker, München
„Sozialismus und Marxismus — Inhalt, Entwicklung
und Problematik“
Donnerstag, 3. März 20 Uhr
Schuhhaussaal
Noch vor hundert Jahren gehörte es allgemein zum
guten Ton, im Arbeiter feinen Menschen zweiter Klasse,
ein minderwertigeres Subjekt zu sehen. Während zu
früheren Zeiten solche Menschenschichten ihrem Schicksal überlassen blieben, weckte das Beispiel der französischen Revolution, in der sich ein bisher mißachteter
und unterdrückter Stand zum Träger des Staates erhoben hatte, auch unter der Arbeiterschaft revolutionäre
Kräfte, nur daß sie von Vornherein eine stark theoretische und philosophische Grundlage gewannen. Der
Sozialismus entstand. Unter seinen Vertretern nimmt
Marx die hervorragendste Stellung ein, da er über jede
augenblickliche Menschheitsromantik hinaus seiner Sache
ein festes, wissenschaftlich unterbautes System zu geben
versuchte und ihm bei allem revolutionären Temperament eine kühne theoretische Leistung gelang.
Dieser Vortrag will Sie in die Grundlagen der sozialistischen und marxistischen Gedankengänge einführen
und ihre Entwicklung aufzeigen.
Theo Pirker ist einer der aktivsten Leute der „christlichen Sozialisten“ und gehört zu dem Kreis um j.Ende
und Anfang“, einer Zeitschrift, deren Mut und Frische
Bewunderung verdient und manchmal an die französische Zeitschrift „Esprit“ erinnert.
Theo Pirker wird auch vom Standpunkt einer aufgeschlossenen deutschen Jugend aus Versuchen, zur
Problematik des Marxismus Stellung zu nehmen.
Vortrag
Professor Hans Mayer, Leipzig
„Marx und der sozialistische Humanismus“
Donnerstag, Ì0. März 20 Uhr
Schuhhaussaal	,
Im Urteil über die französische Revolution treten heute
allgemein , die Schrecken und Entgleisungen der Revolutionstage hinter die humanistischen und. demokratischen Beweggründe zurück, die sie entfacht haben.
Auch die christlichen Kreise lassen es auf sich beruhen,
daß damals die Kirche genau so verfolgt wurde wie der
Adel, und halten sich an den eigentlichen Inhalt der
Revolution. Gegenüber Marx scheinen die politischen
Entwicklungen zu sehr im Vordergrund zu stehen, als
daß man seine Beweggründe und den Quoll, aus dem
seine Anschauungen entsprungen sind, zu sehen verstünde. Und doch kann man den Marxismus erst richtig
verstehen, wenn man den lebendigen Faden seines sozialen Humanismus zu fassen bekommt, der sich durch )
seine ganzen Anschauungen h'indurchzieht.
Professor Hans Mayer gilt als einer der geistigsten Vertreter des Marxismus, die wir in Deutschland kennen.
Er wirkte bisher in Frankfurt und ist vor einiger Zeit
einem Ruf an die Universität Leipzig gefolgt.
Vortrag
Arno Hennig, Hannover
„Der Marxismus in seiner gestrigen und heutigen Bedeutung für den Sozialismus in Deutschland und in der
ganzen Welt“	1
Donnerstag, 24. März 20 Uhr
Schuhhaussaal
Der Marxismus hat sich in zwei Hauptrichtungen gespalten, in eine revolutionäre kommunistische und in
eine evolutionäre demokratische, den Marxismus der
Sozialdemokratie. Zwischen beiden zu entscheiden, wer
nun der eigentliche sei, dürfte über den'Rahmen unserer
Vortragsreihe hinausgehen.
Auf jeden Fall bringt es der evolutionäre Charakter des
sozialdemokratischen Sozialismus mit sich, daß seine
Stellung zum Marxismus keine strikt festgelegte ist,
sich vielmehr nach Zeit und Verhältnissen zu entwickeln
vermag. Daß daraus auch eine kritische Einstellung
wachsen kann, beweisen die Tendenzen, die man innerhalb der deutschen Sozialdemokratie beobachten konnte.
Es ist uns gelungen, für ein so wichtiges und keineswegs leichtes Thema Arno Hennig zu gewinnen. Er ist
ein führender Sozialdemokrat in Sachsen gewesen, hat
dort als Oberbürgermeister gewirkt, seine wesentlichen
theoretischen Kenntnisse durali mannigfache praktische
Erfahrungen geweitet und ist dann durch Schumacher
in das kulturpolitische Amt des sozialdemokratischen
Vorstandes berufen worden, wo er an der Prüfung der
marxistisch-theoretischen Grundlagen des deutschen
Sozialismus arbeitet.
Vortrag	'
Dr. Ernst Kessler, München
„Jenseits von Kapitalismus und Marxismus“
Donnerstag, 31. März 20 Uhr
Schuhhaussaal	1
Die starke theoretische Auseinandersetzung mit dem
Marxismus, die nach dem Krieg in Deutschland zu beobachten ist, läßt häufig die Tendenz erkennen, sich sowohl vom Kapitalismus als auch vom Marxismus zu
distanzieren. Das Vorbild für alle diese Bestrebungen
sind zweifellos die Fabier in England, aus denen die
englische Arbeiterpartei entstanden ist. Gewiß siedeln
sich in diesem Territorium zwischen Kapitalismus und
Marxismus gern all die zahlreichen Gruppen eines verwässerten Sozialismus, an, aber auch ernsthafte Auseinandersetzungen mit Marx sind bekannt geworden,
die man nicht übersehen darf, will man sich vom Marxismus ein Bild machen.
So soll zum Abschluß der Vorträge ein Redner zu Wort
kommen, der vom Christlichen her dem sozialen Gedankengut nahesteht. Dr. Ernst Kessler ist in letzter
Zeit durch seine Schrift „Jenseits von Kapitalismus
und Marxismus“ bekanntgeworden. Er ist Rechtsanwalt
in München und war längere Zeit in der Industrie tätig.
Sondervcranstaltungen
Vortrag
Richard Grob, Schweiz
„Warum hat sich die Schweiz so entwickelt?“
Samstag, 12. März 20 Uhr
I Raum Marktplatz 9
Bei uns hat man das unbestimnüc Gefühl, na ja, dem
„Ländli“ ist es in seiner Geschichte so gut ergangen,
weil es Glück hatte. Aber wenn man sich einmal die
Mühe nimmt, die Sache von der Nähe zu betrachten,
merkt man bald, daß das nicht ganz stimmt. Die Schweiz
hat aus eigenen Kräften einen Staat aufgebaut, der
Karl Jaspers zu sagen veranlaßte, er sehe nur in der
Helvetisierung der Welt eine politische Gesundung. Er
hält die Schweiz der ganzen Welt als Beispiel hin.
Und in der Tat, es ist ein imponierendes Werk, was da
aus dem unbändigen Freiheitsgefühl der alten Eidgenossen entstanden ist. /iber wie kam es dazu? Worin
besteht seine Grundlage?
Das möchte uns dieser Vortrag zeigen.
Richard Grob verwaltet ein Volkshochschulheim bei
Aarau und ist bei dessen Kursen, einer Art Akademie,
als Dozent tätig.
Vorleseabend
Theodor Plievier
Donnerstag, 17. März 20 Uhr	>
Schuhhaussaal
Würden(wir alle nicht so sehr'mit in der Sache drinhängen, könnten wir leichter über ein Buch wie „Stalingrad“ sprechen. So erschütternd es ist, so sehr man die
I	dichterische Leistung Plieviers bewundert, man kann
/	keine großen Worte machen. Immerhin möchte man es
fast als eine Fügung betrachten, daß ein Dichter, dessen
Kunst sich aus, einer lauschenden Nüchternheit und
exakten Sachlichkeit aufzubauen scheint, daß gerade
ein solcher Mann an Ort und Stelle war, als der Höhepunkt des Dritten Reichs, der Höhepunkt des Krieges,
der Höhepunkt des Erfolges, der Höhepunkt der politischen und militärischen Phantasterei in einen grauenerregenden Wendepunkt umschlug, der 'nicht nur verhinderte, daß die Bäume in den Himmel wachsen, in
dem auch der Tod und das Leiden in eine großtuerische,
heroisch sich aufspielende Welt wieder lAenschliche Züge
bringen. So handelt dieses Buch nicht nur von einem
äußeren Höhepunkt. Die Bedeutung dieses Werkes liegt
gerade darin, und die Kraft der Dichtung erweist sich
gerade dort, wo auch die innere Situation der Menschen in[page 2]
ihren zentralen Spannungen sichtbar und in einer Weise
auf ged eckt wird, die in kein Schema einer Kollektivschuld paßt. Und daß eine der Hauptgestalten, eine bewundernswerte Figur, gerade aus Ulm stammt, läßt uns
den Dichter hier besonders willkommen heißen.
Plieviers Stalingrad - Buch ist mit Riesenauflagen in
Deutschland aufgenommen worden und erlebt jetzt in
Amerika einen großen Erfolg.
Ulmer Kinder singen Kindcrlicder von heute: 1
„Die Kinder und die Tiere“
Texte von Ruth Schaumann / Vertonung Bernhard
Rövcnstrunck
Am Flügel: Bernhard Rövcnstrunck
Die Texte spricht Johanna Durach
Samstag, 26. März 20 Uhr 1 '
Wielandgalcrie (Olgastraße 129)
Die Hennen legen weder, die Staren kommen. Die
Katzen sonnen sich Ärm Fenster. Der Geißbock bekommt statt des staubigen Heu’s wieder grünes Gras.
Und zur selben Zeit malen die Kinder die Straßen voll,
spielen „Himmelreich“ und „Gluckern“. Das Rennauto
wird vom Boden geholt und der Kreisel hüpft vor knallenden Peitschen.
Kinder und Tiere bringen den Frühling. Wenn dann
Kinder von Tieren gar singen, sind ihre Stimmen selbst
Frühling. Ohne Kunst freuen sie sich am Ton wie der
Star im Baum, und ihre Stimme ist frei und unbeschwert.
Sie ist nicht beladen von den Gedanken um gestern und
morgen. Kinder singen aus’ dem Augenblick, so wie’s
ihnen ins Herz kommt. Und sie zaubern auch für uns
einen Frühling herbei.
Kurse und Arbeitsgemeinschaften
Kurs
Ingenieur Heinz Gerber / Joachim Mende
„Elektrische Meßverfahren“ (mit praktischer Anleitung
zum Selbstbau)
6—8 Abende • Mittwochs • Wöchentlich
Beginn: Dienstag, 1. März 18 Uhr
Raum Marktplatz 9
Dieser Kurs möchte den Bastler mit den einzelnen Meßverfahren der Funktechnik vertraut machen und ihm
.Anleitung zum Selbstbau ;der entsprechenden Geräte
geben.
Arbeitsgemeinschaft
Dr. Günter König (
„Chemie im Alltag“
g—10 Stunden • Montags • Wöchentlich
Beginn: Montag, 7. März 18 Uhr
Raum Marktplatz 9
Tag für Tag beobachten wir im Leben chemische und
physikalische Vorgänge, über die wir uns entweder
keine Gedanken machen oder aber keine Erklärungen
für sie finden, wenn wir einmal darüber nachdenken.
In der vorgesehenen Arbeitsgemeinschaft sollen nun
alle solche Vorgänge — so weit es geht — geklärt und
erläutert werden. Wir wollen uns gemeinsam klarmachen,
warum wir Brände gerade mit1 Wasser löschen, ob die
Bewertung unserer Nahrungsmittel nach Kalorien wirklich berechtigt ist, warum man Saccharin nicht mitkochen soll, warum erfrorene Kartoffeln süß schmecken,
weshalb wir so gern Bohnenkaffee trinken usw.
Chemische Vorkenntnisse sind für diese Arbeitsgemeinschaft nicht erforderlich, aber auch Teilnehmer mit
chemischen Kenntnissen" werden gebührend berücksichtigt werden.
Dr. Günter König ist Fachschriftsteller und beratender
Chemiker in der Industrie, daneben betätigt er sich als
Dozent an verschiedenen württembergischen Volkshochschulen.
Kurs
Dr. Günter König 1
„Das Wunder der Hormone“ *	,
6—8 Stunden • Montags • Wöchentlich
Beginn: Montag, 7. März 20 Uhr
Raum Marktplatz 9
In diesem Kurs sollen die geheimnisvollen Stoffe besprochen werden, die in winzigsten Konzentrationen
den normalen Ablauf der Lebensvorgänge regulieren.
So soll zum Beispiel vom Schilddrüsenhormon die Rede
sein, durch dessen Fehlen Idiotie ausgelöst wird und
das im Überschuß die Basedowsche Krankheit bedingt.
Eingehend werden die Sexualhormone behandelt, die
letzten Endes bei dem Manne das männliche Gepräge,
bei der Frau das Weibliche, Mütterliche hervorrufen.
Auch alle anderen wichtigen Hormone der Tiere und
des Menschen sollen besprochen werden und zum Abschluß wollen wir noch auf die Pflanzenhormone eingehen.
Kurs
Ingenieur Ernst Hetfleisch
„Von den einfachen Maschinen“
8 Abende • Dienstags • Wöchentlich
Beginn: Dienstag, 8. März 20 Uhr
Wagnerschule Zr. 32	1
Ein technisches Verständnis ist ohne die Kenntnis der
einfachen Maschinen nicht denkbar. Sie bilden gewissermaßen die Einlaßtür zur Technik. Im Hebel, in Rollen
und Flaschenzügen, in der schiefen Ebene, im Keil, in
der Schraube, in den Kraftübertragungen durch Räder,
Riemen, Seile und Ketten begegnen wir den Elementar.gesetzen der Mechanik. In diesem Kurs wollen wir sie
kennen und rechnerisch bewältigen lernen.
Kurs
Herbert Wiegandt
„Deutsche Dichtergestalten des 19. Jahrhunderts“
4 Abende • Dienstags • Wöchentlich
Beginn: Dienstag, 8. März 20 Uhr 1
Raum Marktplatz 9
Es war bis vor nicht allzu langer Zeit üblich, das Neunzehnte Jahrhundert gegenüber anderen Jahrhunderten,
vor allem dem Achtzehnten, der Goethezeit, herabzusetzen und als epigonenhaft zu schmähen. Das hat
sich gründlich geändert; wir erkennen, daß in diesem
Jahrhundert Kierkegaards und Marx’ und des Durchbruchs von Wissenschaft und Technik Entscheidungen
sich vollzogen, die den Lauf der Welt geändert haben.
Ist uns die Goethezeit unwiderbringlich fern, wen11
auch unersetzlich als Maß geistiger und humaner Erfüllung, so empfinden wir die großen Tragiker und die
realistischen Epiker der folgenden Zeit gerade in ihrer
Gebrochenheit wie unsere unmittelbaren Vorfahren.
Der Kurs will die großen Dichtergdfetalten zwischen
dem Ende der Romantik und dem Beginn "des Naturalismus darstellen und darin den Ausdruck jener Zeit
sehen, die man mit Recht die Brücke genannt haf
zwischen den Jahrhunderten der Bindungen und der
großen Formèn und dem unseren der großen Ungeborgenheiten.
1. Abend: Tragiker (Hebbel, Grillparzer, Grabbe,
Büchner)
2. Abend: Lyriker (Droste-HülshofC, Mörike)
3. Abend: Epiker (Keller, C. F. Meyer, Storm)
4. Abend: Adalbert Stifter.
Vogelkundlichc Führungen
Gerhardt Zink	\
Beginn: Sonntag, 20. März • 14tägig
Treffpunkt und Zeit wird bekanntgegeben
Die Sonne kommt wieder früher hoch und immer
mehr gefiederte Sänger kehren in ihre heimischen Reviere zurück — bis dann in den ersten Maitagen das
Orchester voll ist, das dem Unkundigen in verwirrender Vielzahl erklingt. Aber dem Kenner erschließt sich
ihre Fülle ganz. Deshalb wollen wir unsere Hörer einladen, mit einem Ornithologen hinauszuziehen, um die
Vögel unserer Heimat kennen zu lernen. Im Auwald
/ werden wir dann eine ganz andere Zusammensetzung
unseres Orchesters finden als in stadtnahen Gärten und
Parkanlagen, im .unberührten Ried wieder eine andere
als am schnellfließenden Wasser. Und zu manchen
Kenntnissen über Leben und,Treiben der Vogel werden wir ein neues Gefühl für unsere heimatliche Natur
gewinnen. Da die Teilnehmerzahl beschränkt ist, bitten
wir um Anmeldung zu den Führungen bis spätestens
15. März. Für die Wanderungen ist wetterfeste Kleidung ratsam, soweit möglich, sollen Ferngläser mitgenommen werden.
Kurs in Schriftzcichnen
Frau Eisbet Reyhing
Schriftzeichnen
8 Abende • Dienstags • Wöchentlich
Beginn: Dienstag, 22. März 20 Uhr
Wagnerschule Zeichensaal
Die Fertigkeit, kleine Anschriften, Plakate und Hinweise in einer klaren, sauberen Druckschrift schreiben
zu können, hat Vielfachen praktischen Nutzen. Darüber
hinaus ist die Beschäftigung mit der Kunst des Schreibens eine so umfassende Übung für die Hand, das Auge
und den Geist, daß sie sich um ihrer selbst willen lohnt.
Da der Umgang mit der Schreibfeder eine besondere
innere Sammlung erfordert, vermag er das Gefühl für
Form und, Fläche besser zu schulen als andere Betätigungen mit Bleistift und Pinsel.
Die Grundbegriffe des Schreibens einfacher Gebrauchsschriften werden in diesem Schriftkurs gelehrt. Vorbilder, Beispiele und Gegenbeispiele sollen die praktische Übung ergänzen und eine Besichtigung alter
Handschriften der Ulmer Stadtbibliothek den Kurs
abschließen.
Wir bitten die Interessenten, als Handwerkszeug Breitfeder, Tinte und kariertes Schreibpapier mitzubringen.
Kurs	'
Professor Dr. R. Spiegler
„Erläuterungen zu medizinischen Fragen, die die Frau
interessieren“	1
6 Abende • Dienstags • Wöchentlich
Beginn: Dienstag, 22. März 20 Uhr
Schuhhaussaal	1
Die Frau 1st stärker von ihrem Körper abhängig und
enger in sein Leben hineinverfiochten als der Mann.
Und doch beobachtet man, daß die Frau am allerwenigsten auf diese Verflochtenheit acht gibt. Es ist
auffällig: bei Krankheiten ist sie die Letzte, die nach
dem Arzt ruft. Umsomehr sollte sie wenigstens über
die Gesetzlichkeit ihres Körpers Bescheid wissen, sollte
sein Verhalten kennen.
Professor R. Spiegler, der Chefarzt der ( Städt. Frauenklinik, hat sich für diese Vortragsreihe zur Verfügung
gestellt. Er ist bereit, auch Fragen aus dem Zuhörerkreis zu beantworten. Auf schriftliche Anfragen wird
jeweils zu Beginn des darauffolgenden Abends eingegangen.
1. Abend: Anatomie
2. Abend: Physiologie
3. Abend: Schwangerschaft und Geburt
4. Abend': Sterilität
5. Abend: Krebs
6. Abend: § 218
Kurs
Dipl. Ing. Gabsdil (Städt. Aufbauamt) 1
„Einführung in die Bauwerkstoffkunde“
8 Abende • Freitags • Wöchentlich
Beginn: Freitag, 18. März 20 Uhr	1
Wagnerschule Zimmer 33
Alle Fragen des Wiederaufbaues hängen in vieler Hinsicht unmittelbar von den Baustoffen ab, von ihrem
örtlichen Vorhandensein, von ihren technischen Eigenschaften und damit ihren Anwendungsmöglichkeiten.
Die geschichtlich einmalige Größe unserer Bauaufgabe,
aber auch die materielle Notlage zwingt uns dazu,
neben den bisher bekannten neue, bessere und damit
letzten Endes auch billigere Baustoffe zu suchen, zu
finden und anzuwenden.
Allën am Wiederaufbau Interessierten soll eine leicht
verständliche und anschauliche Einführung in die Baustoffkunde geboten werden. Hierbei sollen die bisher
gebräuchlichen Baustoffe und die in letzter Zeit sich
immer mehr durchsetzenden neuen Baustoffe nach ihren
physikalischen und technischen Eigenschaften behandblt werden und gleichzeitig auf ihre Anwendungsmöglichkeit im Bauwerk hingewiesen werden.
Übersicht über den Vortragsstoff: 1. Natürliche Steine
und Erden / 2. Bindemittel, Mörtel, Betone und künstliche Steine / 3. Gebrannte Baustoffe / 4. Geschmolzene
Baustoffe / 5. Baumetalle / 6. Holz und andere pflanzliche Baustoffe / 7. Beläge und Kunststoffe / 8. Sperrstoffe und Klebemittel / 9. Farbenanstrichmittel und
Beizen / 10. Die neuen Baustoffe.
Vortragsreihe	'
„Unsere Stadt und wir“	1
3—4 Abende • Mittwochs • Wöchentlich
Beginn: Mittwoch, 23. März 20 Uhr
Schuhhaussaal
Wir alle, die wir einigermaßen heil aus dem Krieg gekomrrien sind, hatten irgendwie das Gefühl: so, jetzt
fangen wir neu an. Wenn wir es auch nicht direkt
sagen konnten: jeder spürte, das Leben müsse anders
werden. Vor allem bei der Jugend hatte man das
Empfinden, daß sich Kräfte gesammelt hatten, die sich
neuen Aufgaben einer menschlicheren Welt zuwenden
wollten. Manche hatten große Ideen. Aber baut sich
aus großen Programmen eine menschliche Welt auf?
Vielleicht ist es wichtiger und befriedigender, das
Naheliegende anzufassen und in Ordnung zu bringen.
Denken wir doch nur an unsere Stadt.
Wenn wir es recht überlegen, sind wir bloße Einwohner und leben in ihr wie in einem Hotel, ohne Beziehuhg, ohne lebendiges Verhältnis zu ihr. Und eine
Stadtverwaltung, so denkt man gewöhnlich, ist ein
Beamtenapparat, der einen eingefahrenen Mechanismus füttert.
Bald jeder von Uns hat sich einmal Gedanken über
Anliegen gemacht, die unsere Stadt angehen. Aber
man vergißt sie| wieder, läßtisie liegen, verkümmern,
weil es bisher keine Brücken zu den verantwortlichen
Stellen gab, weil jedes wirkliche Gespräch mit ihnen
fehlte. Nach dem Krieg beobachtet man vielerorts das
Bemühen, solche Brücken zu schlagen und sowohl die
Bevölkerung aus der Erstarrung als auch die Stadtverwaltung aus-ihrer geschäftlichen Isolierung herauszureißen.
Nun gibt uns die Ulmer Stadtverwaltung erneut eine
Gelegenheit, mit ihr in em solches Gespräch zu kommen. Und damit fängt das Leben an, menschlich zu
werden.
1. Abend: Oberbürgermeister Pfizer über „Stadtverwaltung — ein Stüde lebendiger Demokratie“
2. Abend: Stadtbaurat Guther/Dipl. Ing. Strobel (Direktor der Städt. Straßenbahn) über „Wiederr
auf bau und Verkehrsplanung“
3. Abend: Dipl. Ing. Eck (Direktor des Städt. Gas- und
Wasserwerks) / Dipl. Ing. Eisinger (Direktor
des Städt. Elektrizitätswerks) über „Gas,
Wasser, Elektrizität — Lebenselemente der
Stadt“
4. Abend: (Redner noch unbestimmt): „Kultur und Wirtschaft im Spiegel der Städt. Selbstverwaltung“
Herausgegeben mit Genehmigung d. Publications Control OMG Württ »-Baden
Verantwortlich : Inge Scholl • Aufl. 2200 • Druck: Dr. Karl Höhn KG., Ulm^Do.
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ulm€R Volkshochschule
März 1949
»Was ist Marxismus«