Oktober 2011 bis Juni 2014

Fragestellung

Das Projekt wird gemeinsam vom DIE, dem Institut für allgemeine Pädagogik und Bildungsforschung der Ludwig-Maximilians Universität München und dem Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Tübingen durchgeführt.

Das Projekt "CiLL" wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Einerseits handelt es sich bei CiLL um die Begleitstudie zu dem OECD-Programm PIAAC, das die Alltagsfertigkeiten Erwachsener in 25 Ländern untersucht. Das Projekt CiLL weitet das Forschungsprogramm auf die Altersgruppe der 66 bis 80-jährigen Menschen in Deutschland aus. Andererseits umfasst CiLL qualitative Forschungen zur Kompetenz Älterer im Kontext ihrer spezifischen Lebenssituation. Das Projekt trägt damit dem demografischen Wandel in Deutschland Rechnung und wird wichtige Forschungsergebnisse zur Bildung und Kompetenz im Alter liefern.

PIAAC ist ein Projekt der OECD: (http://www.oecd.org/els/employment/piaac). In Deutschland ist das BMBF unter Beteiligung des BMAS federführend für die Durchführung von PIAAC verantwortlich. Das nationale Projektmanagement für PIAAC liegt bei GESIS – Leibniz Institut für Sozialwissenschaften (http://www.gesis.org/forschung-lehre/programme-projekte/drittmittelprojekte/projektuebersicht-drittmittel/piaac/).

Aktuell: Auf der Homepage der OECD finden Sie die aktuellen internationalen PIAAC Ergebnisse. Auf der Homepage von GESIS die wichtigsten Ergebnisse von PIAAC aus deutscher Sicht.

Folgende Fragen werden im Projekt CiLL bearbeitet:

- Welche Alltags-Kompetenzen lassen sich bei älteren Menschen feststellen?

- In welchem Maße setzen Ältere ihre Kompetenzen mit Blick auf Lesen, Schreiben, Rechnen und Problemlösen ein?

- Wie lassen sich die Kompetenzen Älterer in ausgewählten Domänen optimal erfassen?

- Welche Rolle spielen Weiterbildungsprozesse bei der Ausformung spezifischer Kompetenzen?

Im ersten Projektabschnitt (Dezember 2009 bis November 2011) hat CiLL qualitative Fallstudien zur Kompetenz älterer Menschen erstellt und den Feldtest von PIAAC für Ältere begleitet und ausgewertet.

Der zweite Teil des Projekts (CiLL 2) hat Ende 2011 begonnen und umfasst vor allem die Vorbereitung, Begleitung und Auswertung der PIAAC-Erweiterungsstudie für die 66 bis 80-Jährigen sowie die Fortsetzung der qualitativen Forschungsarbeit. Die Erhebung der Studie PIAAC-Ältere wurden in der Zeit von Mai bis September 2012 durchgeführt. Das Untersuchungs-Sample wurde in Absprache mit Infratest und GESIS gebildet und bestand aus 120 Samplepoints in 111 Gemeinden. Die Orte und Adressen der Bruttostichprobe wurden ausgelost. Um den Zugang zum Haushalt älterer Menschen zu erleichtern, wurden die Interviewer mit der vom Projekt erstellten Informationsbroschüre, mit einem Begleitschreiben des zuständigen Bundesministeriums sowie mit einem Incentive ausgestattet. Das Projekt CiLL startete außerdem eine Informationskampagne in der Tagespresse der Gemeinden aus der Stichprobe. In der Feldphase konnten insgesamt 1.339 gültige Interviews realisiert werden. Die Ausschöpfung betrug fast 40%. Während der Feldzeit und der anschließenden Bereinigung der Daten wurden verschiedene Maßnahmen durchgeführt, die die Qualität der Datengewinnung sicherstellten. So wurden Daten in Bezug auf mögliche Inkonsistenzen oder Verzerrungen geprüft und anschließend einem Strukturvergleich mit Daten des Mikrozensus unterzogen.

Es wurden vier Fokusthemen ausgewählt, die für die Lebenssituationen Älterer besondere Bedeutung haben: Migration und Alter, ehrenamtliches Engagement, Erwerbstätigkeit im Alter und ältere Menschen als pflegende Angehörige.

Die Fokusthemen im Einzelnen:

• Migration: Aufgrund der vorhandenen Daten musste erwartet werden, dass Migrantinnen und Migranten, die als so genannte „Gastarbeiter“ nach Deutschland gekommen sind, eher weniger als Personen deutscher Herkunft in der Stichprobe erreicht werden. Gleichzeitig gehören Menschen mit Migrationshintergrund zu den in der Weiterbildung deutlich unterrepräsentierten Gruppen, wobei in diesem Befund auch multiple Benachteiligungen dieser Gruppe wirksam werden.

• Ehrenamt und gesellschaftliches Engagement: Ehrenamtlich engagierte Ältere und das zivilgesellschaftliche Engagement sind für das Zusammenleben in Deutschland unverzichtbar und gerade bei der Zielgruppe der 66 bis 80-Jährigen von großer Bedeutung. Der deutsche Alterssurvey gibt an, dass die gesellschaftliche Teilhabe in der zweiten Lebenshälfte konstant hoch ist. Dabei kann ehrenamtliches Engagement Lerngelegenheiten schaffen und Bildungsprozesse erfordern.

• Erwerbstätigkeit im Alter: Erwerbstätige ältere Menschen bekommen im demografischen Wandel eine immer wichtigere Funktion. Die Erwerbsarbeit kann im Alter auch teilweise erfolgen, etwa im Rahmen eines 450 Euro Jobs. Bislang war die Erwerbstätigkeit im Alter auf wenige Berufsgruppen beschränkt (Selbständige, Freiberufler, Wissenschaftler/innen). Doch die Minderungen der Altersrenten, der Fachkräftemangel und die zunehmende Zahl der Ruheständler, die sich noch gesundheitlich fit fühlen, bewirkt, dass immer mehr Rentner/innen hinzuverdienen wollen.

• Pflegende Angehörige: Pflegende Angehörige und pflegende Bezugspersonen/Zugehörige haben große Bedeutung bei der Bewältigung von Krankheit, Einschränkungen der Mobilität, der sozialen Kontakte und der kognitiven Veränderungen im Alter. Gleichzeitig stellt die häusliche Pflege für Angehörige und andere Bezugspersonen einen intensiven Lernanlass dar. Pflegende müssen bestimmte Fertigkeiten erlernen, den Haushalt neu organisieren und sich selbst vor Überlastung schützen.

Alle Fokusthemen werden im Rahmen der geplanten Exploration mit drei unterschiedlichen Forschungsansätzen untersucht: Experten – Interviews, Einzelinterviews mit älteren Menschen und Gruppendiskussionen.

Projektziel

Competencies in Later Life (CiLL) ist ein Forschungsprojekt und nationales Begleitprojekt von PIAAC, das zum Ziel hat, die Kompetenzen älterer Menschen zu ermitteln und die Forschungsverfahren von PIAAC auf die Altersgruppe der 66 bis 80-Jährigen zu übertragen und zu ergänzen. Damit können Grundlagen für Weiterbildungsaktivitäten Älterer gelegt und international vergleichende Studien zur Kompetenz von Erwachsenen unterstützt werden

Das Projekt CiLL verfolgt die Ziele:

Grundlegende Kompetenzen älterer Menschen ermitteln

Bildungsbiografische und soziale Hintergründe der Untersuchungsgruppe analysieren

Kenntnisse über die Kompetenzentwicklung älterer Erwachsener verbessern

Grundlagen für die Gestaltung von Bildungsangeboten bereitstellen

Die Gesamtergebnisse der Untersuchungen der Studie PIAAC-Ältere sind 2014 veröffentlicht worden. Es zeigten sich folgende Einzelergebnisse:

• Das PIAAC Erhebungsverfahren ist grundsätzlich auch bei der Gruppe der über 66-Jährigen anwendbar.

• Die Teilnahmequote lag in der erweiterten Stichprobe bei ca. 40%.

• Der Hintergrundfragebogen lieferte zahlreiche soziodemografische Daten.

• Die Kompetenztests wurden von den Älteren zu 70% mithilfe der Testhefte (Paper-and-Pencil) und zu 30% am Computer absolviert.

• Die qualitativen Interviews erbringen eine Fülle von Informationen, die Auskunft über Bildungsbiografie, das Bildungsverhalten und die Lebenssituation der Alterskohorte geben.

Auch wenn CiLL keinen internationalen Vergleich ermöglicht, so ist die Studie dennoch anschlussfähig an die Ergebnisse von PIAAC. In der PIAAC Studie wird beispielsweise festgestellt, dass die erreichten Werte der Lesekompetenz und der alltagsmathematischen Kompetenz in den älteren Geburtskohorten geringer ausfallen als bei den jüngeren Gruppen. Im Vergleich der Geburtskohorten erreichen die 25- bis 34-Jährigen die höchsten Kompetenzleistungen im Bereich Lesen (282 Punkte), während die Geburtskohorte der 55- bis 65-Jährigen nur 256 Punkte erreicht (vgl. Rammstedt u.a. 2013, S. 81). Dieses Ergebnis findet sich gleichermaßen bei den Mittelwerten der Geburtskohorten 66 bis 70 Jahren (244 Punkte), 71 bis 75 Jahren (237 Punkte) und 76 bis 80 Jahren (221 Punkte) in CiLL.

PIAAC und CiLL erlauben aber als Querschnittsuntersuchungen keine Rückschlüsse auf die Gründe der geringeren Kompetenzwerte der älteren Geburtskohorten. Zudem können hier vielfältige Einflussfaktoren wirksam sein, über die weder PIAAC noch CiLL Aufschluss geben können (vgl. Rammstedt u.a. 2013, S. 78). Es ist davon auszugehen, dass das biologische Alter nicht der Hauptgrund für unterschiedliche Kompetenzwerte der Geburtskohorten ist, sondern dass Generations- und Sozialisationseffekte stärker zum Tragen kommen. Dies wird insbesondere deutlich, wenn man sich die historische Situation der Kriegs- und Nachkriegszeit vergegenwärtigt, in der Personen zwischen 66 und 80 Jahren geboren sind (Geburtsjahrgänge 1932 bis 1946). Deren schulische Ausbildung war zumeist extrem unzureichend. Dementsprechend verfügen 56 Prozent der 66- bis 80-Jährigen über eine mittlere Qualifikation (ISCED 3/4), 18 Prozent haben ein niedriges Qualifikationsniveau, aber nur 12 Prozent verfügen über eine hohe berufliche Qualifikation und 13 Prozent über eine hohe akademische Qualifikation (ISCED 5a/6). Bezüglich des Bildungsabschlusses der Untersuchten zeigt sich, dass mit einem steigenden Bildungsniveau auch die Lesekompetenz signifikant zunimmt. Interessant sind auch Ähnlichkeiten zu PIAAC, wo diese nicht vermutet wurden. Beispielsweise hat der Bildungshintergrund der Eltern nicht nur in PIAAC sondern auch noch in den Geburtskohorten von CiLL einen entscheidenden Einfluss auf die Kompetenzwerte. Personen mit Eltern, die einen hohen Bildungsabschluss haben, verfügen über einen um 30 Punkte höheren Lesekompetenzwert als Personen, deren Eltern einen niedrigen Bildungsabschluss haben. Die Bildungs- und die familiäre Biographie scheinen nicht nur die Möglichkeiten zur Kompetenzentwicklung in jungen Jahren zu prägen, sondern haben einen entscheidenden Einfluss auf den Erhalt und Ausbau von Kompetenzen über die gesamte Lebensspanne. Dies gilt insbesondere auch für die Weiterbildungsteilnahme Älterer.

Zudem bestätigt CiLL Ergebnisse von PIAAC auch dahingehend, dass ältere Geburtskohorten seltener an Weiterbildung teilnehmen als jüngere. Weiterbildungsaktivität geht jedoch oft mit anderen gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Aktivitäten einher, die gerade für Ältere, die nicht mehr erwerbstätig sind, wichtige Impulse und Motivation für eine aktive Lebensgestaltung geben können. Auch wenn die Kompetenzmessung im Projekt CiLL gut funktioniert hat, kann gefragt werden, ob die erhobenen drei Kompetenzdomänen die zentrale Rolle im Alltag älterer Menschen einnehmen. Welche Kompetenzen im Alter benötigt werden und welche Lerngelegenheiten sich für Ältere bieten, lässt sich vor allem aus den in der sozialen Umwelt eingelagerten Anforderungsstrukturen an Ältere ableiten. Hier kann der qualitative Teil der CiLL-Studie mehr Aufschluss geben, der mit Fallstudien ältere Menschen in ihren spezifischen Lebenskontexten erfasst. Für die Nachhaltigkeit der Forschungen im Projekt CiLL ist es wichtig im Blick zu behalten, dass die Ergebnisse zielgerichtet und entsprechend aufbereitet an Weiterbildungspersonal vermittelt werden. Auf Grundlage der CiLL-Ergebnisse können neue Bildungsangebote für und mit älteren Menschen entwickelt werden, die ein aktives Altern unterstützen und die helfen, die Eigenständigkeit im Alter möglichst lange aufrechtzuerhalten.

Literatur:

Friebe, J./Schmidt-Hertha, B./Tippelt, R. (Hrsg.) (2014): Kompetenzen im höheren Lebensalter - Ergebnisse der Studie "Competencies in Later Life" (CiLL), WBV Bielefeld.

Overview of the first results http://www.die-bonn.de/cill/pdf/DIE_CILLResultsOVERVIEW.pdf

Weitere Information finden sich auf der Homepage des Projekts: http://www.die-bonn.de/cill/

Kontakt

  • Knauber, Carolin (Projektkoordination, Wissenschaftliche Bearbeitung)
    • Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE)

Beteiligte Personen

  • Friebe, Jens, Dr. (Leitung)
  • Gebrande, Johanna (Wissenschaftliche Bearbeitung)
  • Knauber, Carolin (Projektkoordination, Wissenschaftliche Bearbeitung)
    • Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE)
  • Schmidt-Hertha, Bernhard, Prof. Dr. (Leitung)
  • Setzer, Bettina (Wissenschaftliche Bearbeitung)
  • Tippelt, Rudolf, Prof. Dr. (Leitung)
    • Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Weiß, Christina (Wissenschaftliche Bearbeitung)

Beteiligte Institutionen

Publikationen

Veranstaltungen

Zuordnung zum Forschungsmemorandum für die Erwachsenen- und Weiterbildung

Das Forschungsmemorandum für die Erwachsenen- und Weiterbildung ist ein Koordinatensystem um Schwerpunkte der Bildungsforschung zu identifizieren.

Datenerhebung

  • Gruppendiskussion
  • Qualitatives Interview
  • Standardisierte Befragung (face to face, telefonisch, schriftlich, online)
  • Sekundäranalyse (Individualdaten, Aggregatdaten)

Datenauswertung

  • analytisch
  • rekonstruktiv

Forschungsart

  • Geförderte Forschung

Förderung

  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Kooperationspartner

  • DPC-IEA Data Processing and Research Center, Hamburg
  • Educational Testing Service (ETS), Princeton, US
  • Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Tübingen
  • Institut für Pädagogik der Luwig-Maximilians-Universität München
  • Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften (GESIS), Mannheim
  • TNS Infratest Sozialforschung, München

Forschungsdaten

In unserem Datenarchiv steht jetzt der Forschungsdatensatz des Projektes CiLL zur Verfügung. Erhältlich sind die Daten und weitere Materialien der standardisierten Dokumentation. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an per Mail an forschungsdaten@die-bonn.de, wir helfen Ihnen gerne bei Fragen zum Datenzugang. Außerdem hat die OECD internationale Ergebnisse des PIAAC-Programms und Tools zur Analyse der Daten bereitgestellt. http://www.oecd.org/site/piaac/publicdataandanalysis.htm