Ausbildungsabbrüche

Von den Jugendlichen, die mit einer Ausbildung beginnen, entschließen sich einige nach gewisser Zeit (insbesondere in der Anfangsphase) dazu, die Ausbildung abzubrechen.

" Ein Abbruch stellt für den betroffenen Auszubildenden stets eine belastende Konfliktsituation dar (vgl. BIaschke/ Plath/Nagel 1997: 321). So dürfte eine Vertragslösung zur Erhöhung der eigenen Chancen ebenso einem bedeutsamen Einschnitt in die individuelle Ausbildungs- und Berufsbiographie gleichkommen wie ein ‘echter Abbruch’. Insofern kann eine vorzeitige Ausbildungsbeendigung als eine Veränderung der Lebenssituation angesehen werden und damit im Sinne der Lebensereignisforschung als ‘kritisches Ereignis’ gelten, dem sich das betroffene Individuum stellen muss. Da dieser Zustand zumeist als emotional belastend erlebt wird, richtet sich das Bewältigungsverhalten des Betroffenen darauf, durch Anpassung an die neue Situation das eigene Wohlbefinden und die eigene Handlungsfähigkeit wiederzugewinnen. Denkbar sind problemzentrierte, etwa durch Informationssuche und -verarbeitung gekennzeichnete Reaktionsweisen, aber auch eher unangemessene, wenngleich nicht unbedingt weniger effektive Bewältigungsstrategien wie hektisches Agieren, Rückzug aus sozialen Verpflichtungen, grüblerische Sinnsuche, Leugnen von Verantwortlichkeit oder Minimalisieren der Bedrohung (vgl. Filipp 1989:40)"

Aus: Informationen für die Beratungs- und Vermittlungsdienste der Bundesanstalt für Arbeit, 34/1998, S. 3213.




Aus: Informationen für die Beratungs- und Vermittlungsdienste der Bundesanstalt für Arbeit, 34/1998, S. 3218.


An dieser Stelle ist es wichtig, zu reflektieren, worin die Gründe liegen, die für die Jugendlichen ausschlaggebend sind, eine Ausbildung vorzeitig zu beenden.
Im Berufsbildungsbericht 1999 wird dies folgendermaßen veranschaulicht:


Aus bmb+f: Berufsbildungsbericht 1999. Bonn 1999, S. 93.



Insbesondere die Gründe "Schwierigkeiten mit Ausbildern/Vorgesetzten" und "Ausbildung entspricht nicht den Vorstellungen" geben Anlass zum Nachdenken.

Ersteres zeigt, wie wichtig das soziale Klima innerhalb eines Betriebes/einer Institution für die Lernerfahrungen der Auszubildenden ist. Schwierigkeiten mit Ausbildern und Vorgesetzten müssen nicht notwendigerweise mit Schwierigkeiten fachlicher Art verbunden sein. Das bedeutet, ein Teil der Jugendlichen scheitert in der Ausbildung aufgrund von zwischenmenschlichen Differenzen. Der ebenfalls oft genannte Grund "Ausbildung entspricht nicht den Vorstellungen" kann Folgendes bedeuten:

  • Die vermittelten Vorstellungen einer Ausbildung weichen stark von der erlebten Realität der Jugendlichen ab.

  • Die eigentlich erwünschten Inhalte einer Ausbildung gestalten sich anders als das, was die/der Jugendliche während der Ausbildung vermittelt bekommt.

  • Die/der Jugendliche hatte nicht ausreichend Möglichkeiten, um sich über ihre/seine Ausbildungswünsche klar zu werden.

  • Druck von Seiten der Eltern, Lehrer/innen oder Maßnahmeleiter/innen drängt die/den Jugendlichen in eine Ausbildung, ohne dass diese wirklich gewollt war.


Wichtig ist deshalb:

  • Jugendlichen soziale Kompetenzen zu vermitteln, um ihnen Sicherheit im Umgang mit Ausbildern, Vorgesetzten und Kollegen zu geben.

  • Jugendlichen Möglichkeiten einzuräumen, sich umfassend über verschiedene Ausbildungen zu informieren, d. h. unter anderem auch, persönliche Beratung anzubieten, um auf individuelle Anfragen reagieren zu können.

  • Jugendlichen Sicherheit zu geben und sie zu befähigen, sich aktiv an Entscheidungen, die ihre Zukunft betreffen, zu beteiligen und ihre Sorgen und Ängste diesbezüglich ernst zu nehmen.