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„M. ist am 10. August 1889 als Sohn eines jüdischen Bankiers in Berlin geboren. Er besucht das Kaiser-Wilhelm-Gymnasium in Charlottenburg, macht dort 1908 sein Abitur und nimmt dann ein Studium der klassischen Philologie, Philosophie, Psychologie und Pädagogik an den Universitäten Freiburg, Kiel und Berlin auf, das er 1914 mit einer Promotion über Schopenhauer abschließt. Den 1. Weltkrieg macht er als Freiwilliger im Sanitätsdienst mit. 1918 übersiedelt er nach Dresden, arbeitet dort seit 1919 als Dozent an der Volkshochschule und wird von 1923-1933 ihr Leiter (Nachfolger von Fritz Kaphan).

1927 ist M. zusammen mit R. Buchwald, Th. Bäuerle u. a. maßgeblich an der Gründung des 'Reichsverbandes der Deutschen Volkshochschulen' beteiligt; er engagiert sich neben Buchwald in der Vorstandsarbeit (2. Vorsitzender) und hat 1931 bei einer gemeinsamen Arbeitstagung der 'Deutschen Schule für Volksforschung und Erwachsenenbildung' und des 'Reichsverbandes der Deutschen Volkshochschulen' in Prerow starken Anteil an der Formulierung der 'Prerower Formel'. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigriert M. zunächst nach Dänemark, wo er an verschiedenen Heimvolkshochschulen des Landes als Dozent lehrt, und dann im Frühjahr 1937 nach Schweden, wo er ebenfalls in der Erwachsenenbildung eine Tätigkeit findet. Er gehört dort dem 'Arbeitskreis demokratischer Deutscher' unter -+ Willy Strzelewicz sowie dem 'Sonntagskreis', einem philosophischen Diskussionszirkel in Stockholm um den Soziologen Walter A. Berendsohn, an und er arbeitet eng zusammen mit dem 'Samarbetskommitten för demokratiskt uppbyggnatsarbete' (SDU), einem Komitee für den demokratischen Wiederaufbau Deutschlands. Nach Kriegsende nimmt M. 1946 im Auftrage des SDU am Wiederaufbau der Erwachsenenbildung in der Britischen Zone teil und kommt auch danach mehrfach als Vortragsredner nach Deutschland. Seinen Wohnsitz behält er in Stockholm, wo er am 7. Juli 1962 stirbt.

M.s Bedeutung für die Entwicklung der Erwachsenenbildung ist unter zwei Aspekten zu sehen: Zum einen hat sich M. im 'Reichsverband der Deutschen Volkshochschulen' für eine stärkere Institutionalisierung und organisatorische Verbindung vor allem der neutralen Volksbildungsbestrebungen eingesetzt. Eine dauerhafte Wirksamkeit der Erwachsenenbildung, die er durch eine konfessionelle und politische Bildungsarbeit zunehmend gefährdet sieht, ist für ihn grundsätzlich nur innerhalb der bestehenden Ordnung und durch gemeinsame Interessenvertretung gegenüber den Reichsbehörden sowie in Abgrenzung von den weltanschaulichen Einrichtungen garantiert. Zum anderen ist M. nach dem Kriege von Schweden aus am Wiederaufbau der Erwachsenenbildung beteiligt. Durch praktische Lehrtätigkeit, Vorträge und Publikationen hat er am Beispiel seiner Wahlheimat Schweden immer wieder darauf hingewiesen, wie durch die dortige demokratische Verankerung der Erwachsenenbildung eine Wechselwirkung von Bildung und Politik realisiert wird. Er hat damit die kulturpolitische Diskussion im Nachkriegsdeutschland nachhaltig beeinflusst."

G. Wolgast, in: Günther Wolgast, Joachim H. Knoll (Hrsg.), Biographisches Handwörterbuch der Erwachsenenbildung, Stuttgart 1986, S. 279-280

Nachlass

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