Die englischen Debattier-Clubs waren durch ihren öffentlichen Charakter geprägt. Die Mitgliedschaft stand für jeden offen. Im 18. Jahrhundert waren die Debating Clubs weit verbreitet und schufen den öffentlichen Raum, der für das Aufkommen der Aufklärung entscheidend war. Allein in London sind 18 solcher Debating Clubs überliefert. Auch Frauen konnten Mitglied sein und die Debatten über Erziehung, insbesondere auch von Frauen, war ein zentrales Thema. Die meisten Mitglieder gehörten der neu entstandenen Mittelschicht an. Die männlichen Mitglieder waren oft Anwaltsgehilfen, kleine Kaufleute und Mechaniker. Nach jeder Diskussionsrunde wurde abgestimmt, welche Positionen die überzeugendsten waren. Der erste öffentliche Debating-Club, über den es genauere Informationen gibt, ist die Robin Hood Society, die sich wahrscheinlich seit 1742 in Essex in der „Head Tavern“ traf. Wöchentlich wurden die Themen der Diskussion bestimmt, zum Beispiel: „Whether the Doctrine of the Trinity can be justified either by Reason or by Scripture?” oder ein anderes Thema: “Whether the Power lodged in a Prime Minister, be not too great to encrusted with any Subject?” Die Beiträge pro Diskussionsveranstaltung waren gering und umfassten oft auch ein Glas Portwein oder Limonade.

Auch John Locke nahm an einem solchen Debating-Club in London teil. Er schrieb in einen posthum veröffentlichten Beitrag unter dem Titel „Rules of a Society“ über die Ziele, Zwecke und Arbeitsweisen. Darin schreibt er:

“Which met once per week for their improvement in useful knowledge and for the promoting of Truth and Christian Charity? This rules provided that the Society should meet from six to eight in the evening and that those only should be admitted who were prepared to confirm that they loved all men, of what profession or religion soever, that no man should suffer harm for his opinions or way of worship; and that they loved and sought truth for truth’s sake and would endeavor to communicate to others. Members were to take in turn to preside, and at each meeting each member in turn was to give his opinion on question proposed for the evening and no weighty Question to be quitted, till a majority of two-thirds be satisfy’d and are willing to proceed to a new one.” (Locke zitiert nach Kelley 1992, 57)

Ein berühmter Vorläufer der Debating-Clubs war der Rota Club, der von 1659 bis 1660 in der kurzen Zeit einer starken parlamentarischen Machtstellung in London existierte. Hier waren die Themenstellungen noch ganz eng an die Interessen des Begründers James Harrington (1611-1677) gebunden. Er interessierte sich insbesondere für antike Geschichte und die Bedingungen eines republikanischen Staates. Der Rota-Club hatte auch schon feste Regeln für die Debatten, die den Statuten der späteren Debating-Clubs ähnelten. Diese Debattenkultur diente auch als Vorbild für den von Benjamin Franklin gegründeten Juno-Club in den USA.

Literatur:

Israel, Jonathan (2001) Radical Enlightenment. Philosophy and the Making of Modernity 1650-1750. Oxford

Kelly, Thomas (1992): A History of Adult Education in Great Britain. From the Middle Ages to the Twentieth Century, Liverpool, S.55-57

Hales, John (Hg.) (1720): A Collection of several Pieces of Mr. John Locke. London; Online-Text unter: https://archive.org/details/acollectionseve01desmgoog

Internetquellen:

Kurze Geschichte des Rota-Clubs, unter: http://en.wikipedia.org/wiki/Rota_Club

Kurze Einführung in London Debating Societies, unter: http://en.wikipedia.org/wiki/London_Debating_Societies

Kurzlink zu dieser Seite:
die-bonn.de/li/563

Letzte Änderung: 23.05.2017

Klaus Heuer