Die Pädagogische Arbeitsstelle des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (PAS/DVV, heute Deutsches Institut für Erwachsenenbildung Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen), wurde Ende 1957 gegründet. Die Hauptaufgabe war die systematische Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter der Volkshochschulen.

Die „Einführungsseminare“ hatten für die erste Generation der hauptamtlichen pädagogischen Mitarbeitenden an Volkshochschulen sowohl eine initiierende als auch eine gemeinschaftsstiftende Funktion. Sie wurden auch „Falkenstein-Seminare“ genannt, als Hinweis auf die Heimvolkshochschule bei Frankfurt am Main, an dem die Seminare über mehrere Jahre stattfanden. Es gab durch die Veranstalter eine soziale und berufsbiographische Vorauswahl der Teilnehmenden, wodurch eine Homogenität der Gruppe aufgebaut wurde. Zudem gab es eine spezifische Vorbild- und Peerfunktion, die Hans Tietgens (1922-2009) ausstrahlte sowie stark auf Selbststudium ausgerichtete Seminarmodule, in denen auch praktische Übungen angelegt waren. Entscheidend für die Wirkung war auch, dass das Seminarprogramm selbst ein „Work in Progress“ war und sich im Verlaufe der Jahre veränderte bzw. modifizierte.

Belege dafür sind im methodisch-didaktischen Bereich: die Abkehr von Prominenten-Vorträgen hin zu Gesprächen mit Praktikern und die Abkehr von Unterrichtshospitationen in benachbarten Volkshochschulen zu eigenen praktischen Seminarübungen. In der Theorieentwicklung machte sich das insbesondere am Paradigmenwechsel von der „Gruppenpädagogik“ hin zur „Gruppendynamik“ und in der immer stärkeren Kürzung des Themenfelds „Geschichte der Erwachsenenbildung“ bemerkbar. Diese Veränderungen waren Folge der intensiven Seminarauswertung und Kritik der Teilnehmenden, die in die Weiterentwicklung des Seminartyps aufgenommen wurden. Insgesamt haben ungefähr 200 Personen an den Seminaren teilgenommen. Die Seminare fanden zwischen 1959 und 1967 statt.

Das SESTMAT-Projekt (Selbststudienmaterial) der 1970er Jahre entwickelte das Seminarkonzept in einer offeneren und ausdifferenzierten Weise des Selbststudiums modular weiter. Das Spektrum der einzelnen Heftthemen stellte ein berufsbezogenes Curriculum der Aus-und Weiterbildung für Mitarbeitende der Erwachsenenbildung dar und wurde, in Teilen, Anfang der 1990er Jahren noch einmal völlig überarbeitet herausgegeben. In gewisser Weise stellen auch die Studientexte, die heute vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung veröffentlicht werden, noch eine Fortsetzung dar.

Archive:

Deutsches Institut für Erwachsenenbildung Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen, Bonn: Bestand PAS/DVV Einführungsseminare; Professionalisierung; Volkshochschule

Literatur:

Gieseke, Wiltrud (2007): Zwischen Verberuflichung und Professionalität. 50 Jahre Support für die Profession Erwachsenenbildung; in: Nuissl, Ekkehard (Hrsg.): 50 Jahre für die Erwachsenenbildung. Das DIE – Werden und Wirken eines wissenschaftlichen Service-Instituts. Bielefeld, S.45-62

Heuer, Klaus (2010): Die Einführungsseminare für Erwachsenenbildner der PAS/DVV von 1959-67 – innovative Beiträge zur Professionalitätsentwicklung der Erwachsenenbildung; in: Hof, Christiane, u.a. (Hrsg.): Professionalität zwischen Praxis, Politik und Disziplin. Baltmannsweiler, S. 144-157

Tietgens, Hans (1972): Erfahrungen mit Vorbereitungsseminaren; in: Schulenberg, Wolfgang (Hrsg.): Zur Professionalisierung der Erwachsenenbildung. Braunschweig, S.175-200

Internetquellen:

Kurzbiografie Hans Tietgens, unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Tietgens

Kurzlink zu dieser Seite:
die-bonn.de/li/511

Letzte Änderung: 20.04.2017

Klaus Heuer