Das Gutachten gilt als die erste bildungspolitisch bedeutsame Darstellung der Erwachsenenbildung nach 1945. Es hatte im Sinne der Systematisierung des Aufgabenfelds und der Sichtbarkeit von Erwachsenenbildung eine längerfristige Bedeutung.

Als graue Eminenz im Hintergrund, der dieses Gutachten veranlasste, gilt Hellmut Becker. Als verantwortliche Redakteure konnte er Walter Dirks und Willy Strzelewicz gewinnen. Sie stellten die Umbruchsituation immer noch geltender Bindungen an die demokratische Erwachsenenbildung der Weimarer Republik und der sich auch in der Erwachsenenbildung ankündigenden „realistischen Wende“ der 1960er Jahre dar.

Wirth charakterisiert das „Gutachten" folgendermaßen:

„Die EB wurde damit zum ersten Mal in ein, wenn auch relativ traditionsorientiertes Reformmodell der Bildungsorganisation einbezogen. Ausgehend von dem Gedanken des wechselseitigen aufeinander Angewiesen seins von demokratischen Staat und EB empfahl das Gutachten die staatliche Anerkennung und Förderung der EB unter Verzicht auf staatliches Aufsichtsrecht, das über die Kontrolle der ordnungsgemäßen Verwendung öffentlicher Gelder hinausgreift [...] Hinsichtlich der Tätigkeit des Erwachsenenbildners (Volksbildners) plädierte der Deutsche Ausschuss dafür, dieses Amt als einen neuen Beruf zu konstituieren [...]“ (Wirth 1978, 146)

 Zum ersten Mal werden in diesem Dokument:

  1. Profil
  2. Öffentliche Anerkennung
  3. Aufstiegswege
  4. eine Ausbildung zum Volksbildner in Verbindung mit den wissenschaftlichen Hochschulen und mit den Möglichkeiten des Zweiten Bildungsweges
  5. Lehrgänge zur Weiterbildung an einem zentralen Institut

systematisierend angesprochen. Damit werden entscheidende Stichworte für die Professionalisierung der Erwachsenenbildung Tätigen festgeschrieben, wenn auch noch mit der paternalistischen Zuschreibung „Volksbildner“.

Im 6. Kapitel steht im Gutachten geschrieben: „Struktur und Aufgaben der freien Erwachsenenbildung im heutigen Deutschland" und unter 7.:

„Die Qualität jeder Bildungsarbeit hängt entscheidend von den Menschen ab, die sie leisten. Es kommt darauf an, einen guten Typus Volksbildner zu entwickeln und ihm den richtigen Platz im öffentlichen Leben zu sichern. […]

Lehrgänge zur Weiterbildung werden die sachliche und methodische Bildung der Volksbildner auf dem Laufenden halten, ihr Verständnis für die Probleme der Gegenwart vertiefen und mit der gemeinsamen Sache stärken. Für die Volkshochschullehrer erwachsen daraus dem vorgesehenen zentralen Institut ständige Aufgaben.“ (Gutachten...1960, S.452-453)“

Archive:

Deutsches Institut für Erwachsenenbildung Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen, Bonn: Teilnachlass Hellmut Becker, Präsident des Deutschen Volkshochschulverbandes von 1956 bis 1974

Literatur:

Deutscher Ausschuss für das Erziehungs- und Bildungswesen (Hrsg.) (1960): Gutachten des Deutschen Ausschusses für das Erziehungs- und Bildungswesen „Zur Situation und Aufgabe der Erwachsenenbildung. Bonn

Otto, Volker (2007): Zur Situation und Aufgabe der deutschen Erwachsenenbildung (1960). Das Gutachten des deutschen Ausschusses für das Erziehungs- und Bildungswesen; in: Koerrenz, Ralf [Hrsg.]: Wegweisende Werke zur Erwachsenenbildung. Jena, S.365-378

Wirth, Ingeborg (1978): Deutscher Ausschuss für das Erziehungs-und Bildungswesen; in: Wirth, Ingeborg (Hrsg.):Handwörterbuch der Erwachsenenbildung. München, S.146-147

Kurzlink zu dieser Seite:
die-bonn.de/li/514

Letzte Änderung: 20.04.2017

Klaus Heuer