Das Lernen im Mittelalter war gebunden an das christliche Bildungsmonopol und den normativ dominanten Bildungsinhalten – und zielen des Christentums. Das bezog sich auf die Bildungsinstitutionen, die fast ausschließlich in klerikaler Hand waren, auf die Sprache – Latein – in der gelehrt wurde und auf die christliche Inspiration und Heilserwartung unter deren Prämissen gelernt werden sollte.

Demnach galt die kaufmännische Gewinnerzielung als unlauter, und körperliche Arbeit als minderwertig. Diese Maxime waren auf dem Land stärker ausgeprägt als in den auf Handel, Gewerbe und Handwerken ausgerichteten großen Städten, wie Nürnberg, Augsburg oder Köln. Eine dauerhafte Sesshaftigkeit der Kaufleute setzte allerdings erst im 13. Jahrhundert ein. Insbesondere der Fernhandel der Kaufleute führte zu differenzierten Anforderungen, was die Kenntnisse der Schriftsprache sowie von Sprachen, Rechtsrahmen und der Buchhaltung anbelangten. In der Auslandslehre wurden diese eigenständigen Qualifizierungsstrukturen zuerst eingeübt und im Spätmittelalter auf heimische „Deutsche Stadtschulen“ übertragen.

Gesamtgesellschaftlich war das Mittelalter landwirtschaftlich geprägt. In den sich entwickelnden Städten, die als Kulturzentren betrachtet werden können, gab es allerdings auch Handel und Handwerk. Die Städte waren gekennzeichnet durch: verdichtete Bauweise, berufliche Differenzierung, soziale Schichtung, zentrale Funktion für die Region, Marktrecht, Bürgerrecht und durch eine Verfassung.

Eine generalisierende Aussage über die soziale Stellung der Handarbeiter und damit auch über die Wertung der körperlichen Arbeit zu treffen, ist schwierig. „Im allgemeinen scheint sich im Merowingerreich die traditionelle antike Verachtung der Handarbeit fortgesetzt zu haben, die sich erst viel später unter dem Einfluß einer neuen christlichen Arbeitsethik gemildert hat.“ (Prinz 2001, 557)

Insbesondere über die arbeitende Tätigkeit der Mönche kam es zu einer Aufwertung der Handarbeit.

Nach Ulrich Nonn stieg in den aufstrebenden Handels- und Gewerbestädten „im 15. Jh. das Bedürfnis nach verbesserten Lese- und Schreibfähigkeiten, die die weitgespannten und mit ausgedehnter Korrespondenz verbundenen Geschäftsbeziehungen erst ermöglichten. Ebenso wuchs die Nachfrage nach Fähigkeiten im Rechnen und anderen praxisbezogenen Kenntnissen. Neben den städtischen Schreibschulen entstanden jetzt auch „teutsche Schreib- und Rechenschulen als freies Gewerbe.“ – wurden auch als Winkelschulen bezeichnet.“ (Nonn 2012, 142)

In Nürnberg „waren die deutschen Schulen keine städtischen Einrichtungen, sondern entsprechend der Gewerbeverfassung der Reichsstadt ein freies Gewerbe, dessen Qualität durch die bestehende Konkurrenz sowie mittels der Konzessionierung durch den Rat gewährleistet wurde.“ (Bruchhäuser 1989, 299)

Das Curriculum der kaufmännischen Ausbildung im Mittelalter umfasste:

  • Sprachen
  • Die Rechenkunst (doppelte Buchführung)
  • Auslandslehre
  • Wissen um rechtliche Rahmenbedingungen
  • Vermittlung von Warenkenntnissen
  • Vermittlung der Handelstechnik
  • Vermittlung der Fähigkeit zum gewinnorientierten Handeln
  • Aneignung von Berufstugenden

Archive :

Helmarshausen, Roger von (um 1125): De diversis artibus (Über die verschiedenen Künste). 3 Bde. Lateinisches Digitalisat unter: http://www.hs-augsburg.de/~harsch/Chronologia/Lspost12/Theophilus/the_da00.html (15.11.2012)

Kammann, Johann (1928): Der Nürnberger Patrizier Christoph Fürer der Ältere und seine Denkwürdigkeiten 1479-1533 (hierin Beschreibung einer Auslandslehre; Digitalisat der Autobiographie unter: http://periodika.digitale-sammlungen.de/mvgn/Blatt_bsb00001011,00235.html (15.11.2012)

Literatur:

Bruchhäuser, Hanns-Peter (1989): Kaufmannsbildung im Mittelalter. Determinanten des Curriculums deutscher Kaufleute im Spiegel der Formalisierung von Qualifizierungsprozessen. Köln

Buhlmann, Michael: Bildung und Mittelalter. Bildungsformen und –träger – Bildungsinhalte http://www.michael-buhlmann.de/PDF_Texte/mbhp_va41_pdf.pdf (11.11.2014)

Helmarshausen, Roger von (um 1125): De diversis artibus (Über die verschiedenen Künste). 3 Bde. Lateinisches Digitalisat unter: http://www.hs-augsburg.de/~harsch/Chronologia/Lspost12/Theophilus/the_da00.html  (15.11.2014)

Kammann, Johann (1928): Der Nürnberger Patrizier Christoph Fürer der Ältere und seine Denkwürdigkeiten 1479-1533 (hierin Beschreibung einer Auslandslehre; Digitalisat der Autobiographie unter: http://periodika.digitale-sammlungen.de/mvgn/Blatt_bsb00001011,00235.html  (15.11.2014)

Nonn, Ulrich (2012):   Mönche, Schreiber und Gelehrte : Bildung und Wissenschaft im Mittelalter. Darmstadt

Prinz, Friedrich (2001) Europäische Grundlagen deutscher Geschichte (4-8. Jahrhundert); in: Gebhardt Handbuch der deutschen Geschichte, Band 1. Stuttgart

Kurzlink zu dieser Seite:
die-bonn.de/li/583

Letzte Änderung: 04.07.2017

Klaus Heuer