Die Gründung der „Hamburgischen Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe (Patriotische Gesellschaft)“ erfolgte nach englischem und französischem Vorbild. In London gab es z.B. die „Society for Encouragement of Arts, Manufactures and Commerce”.

Einen Vorläufer hatte die Patriotische Gesellschaft in der 1724 begründeten Wochenschrift der „Patriot“. Zentrales Anliegen dieser Zeitschrift war es „Mitmenschen in angenehmer erzählender Unterhaltung geistig zu beschäftigen, ihren Sinn, ohne dass sie es selbst merkten, auf vernünftige Ideen zu bringen und sie nach rationellen Nützlichkeitsprinzipien ganz unmerkbar zu erziehen.“ (Kowalewski 1897, 6)

Die in der Vereinssatzung festgehaltenen Ziele der Patriotischen Gesellschaft waren es:

„unsere Künstler und Handwerker, durch Anleitung, Beispiel und Belohnung zweckmäßiger, leichter, wohlfeiler und geschmackvoller Arbeiten zu lehren, praktisch nützliche Erfahrungen zu veranlassen, zu verbreiten und inländischen Kunstfleiß zum Wetteifer mit dem auswärtigen aufzumuntern.“

Der Verein bildete vier Arbeitskreise:

  1. Die Technische Sektion
  2. Die Merkantilische Sektion
  3. Die Landwirtschaftliche Sektion
  4. Die Kunst- und Gewerksektion

Die Arbeitsmethoden des Vereins waren vielfältig, es lassen sich folgende Typen hervorheben:

  • Öffentliche Preisausschreiben
  • Vergabe von Stipendien
  • Versuchsprojekte
  • Vorschläge für kommunale Projekte
  • Ausstellungen
  • Fachgebundene Publikationen
  • Gründung von Einrichtungen: Zeichenschule, Gewerbeschule, Navigationsschule
  • Unterhaltung der öffentlichen Bibliothek

Aus der Vereinsgeschichte sind folgende Projekte und Erfolge besonders zu erwähnen:

„Bereits zwanzig Jahre nach ihrer Gründung hatte sie folgende Projekte verwirklicht: die Einführung des Blitzableiters, die Verbesserung der Gasbeleuchtung, die Errichtung einer Zeichenklasse, die Errichtung einer Gewerbeschule, die Gründung für die Rettungsanstalt der im Wasser verunglückten Personen, die Beschaffung besserer Feuerlöschspritzen, die Verbesserung des Straßenpflasters, die Anlegung von Schraubwindmühlen zur Entwässerung der Marschgegenden sowie die Gründung der ersten Sparkasse Europas.“ (Endres 1996, 403)

In Kowalewskis Geschichtsdarstellung der Hamburgischen Patriotischen Gesellschaft von 1897 werden die Jahresberichte der Gesellschaft seit ihrer Gründung zusammenfassend dargestellt. Hieraus die folgenden Zitate über das Spektrum der Aktivitäten.

Für 1793:

„Die Navigationsschule hatte während des verflossenen Winters zwar 24 Zuhörer aufzuweisen, doch hatte Niemand sich zum Examen gemeldet. Obwohl, wie schon seit Jahren, für diejenigen Preise ausgesetzt waren, die als die Besten daraus hervorgingen, war der Erfolg nur mäßig. Wahrscheinlich calculierten die Seeleute so, daß, wenn aus dem Schifferexamen eine dauernde Institution würde, es bald auch obligatorisch würde. Jedenfalls wurde bei der Anmusterung jetzt schon denjenigen der Vorzug gegeben, welche mit einer Empfehlung der Gesellschaft versehen waren, und es scheint ein gewisser Corpsgeist die Seeleute davon zurückgehalten zu haben, dem Examen sich zu unterziehen.“ (Kowalewski 1897, 47)

„Um auch die Landbevölkerung an den Segnungen der Aufklärung teilnehmen zu lassen, waren schon seit längerer Zeit Broschüren vertheilt worden, wie Beckers Noth- und Hilfsbüchlein und der Faustsche Gesundheits-Katechismus. Die auswärtige Correspondenz mit Gelehrtenn und gleichartigen Gesellschaften gewann kosmopolitische Gepräge; sogar auf Erfindungen in Amerika richteten sich die Blicke.“ (Kowalewski 1987, 50)

Für 1804:

„Die Pockenimpfung wurde durch praktische Aufsätze dem Volke erklärt. Die Sammlungen und das Vortragswesen erweiterten sich, und für die Aufklärung der Massen sorgte man durch Gratisvertheilung neuer verschiedener kleiner Schriften.“ (Kowalewski 1897, 59)

Im Laufe ihrer fast 250 jährigen Geschichte haben die Patriotische Gesellschaft und ihre Mitglieder eine große Zahl von Innovationen und Gründungen angeregt. So gehen etwa die Einführung des Blitzableiters und des Kartoffelanbaus in Hamburg ebenso auf Initiativen der Patriotischen Gesellschaft zurück wie die Gründung der ersten Sparkasse in Europa 1778 (im Zusammenhang mit der Gründung der Allgemeinen Versorgungsanstalt, 1810 aufgelöst) und der Hamburger Öffentliche Bücherhallen sowie das Hamburger Armenwesen und der Arbeitsnachweis für Hafenarbeiter (ein Vorläufer des Arbeitsamtes).

Aus den von der Patriotischen Gesellschaft begründeten Zeichenschulen entwickelten sich das Berufsschulwesen und die Fachhochschule Hamburg (heute Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg). Ebenfalls mit Unterstützung der Patriotischen Gesellschaft wurden das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg und das Hamburgmuseum (Museum für Hamburgische Geschichte) gegründet. 1767 gründete die Patriotische Gesellschaft eine Schule für Kunst und Gewerbe, die Vorläuferin der heutigen  Hochschule für bildende Künste Hamburg.

Literatur:

Hubrig, H. (1957): Die patriotischen Gesellschaften im 18. Jahrhundert. Weinheim

Kowalewski, G. (1897): Geschichte der Hamburgischen Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe. Patriotische Gesellschaft gestiftet im Jahr 1765. Hamburg

Nehls, Margrit (1996): Hamburgensien. Hamburg

Schambach, Sigrid (2004): Aus der Gegenwart die Zukunft gewinnen: die Geschichte der Patriotischen Gesellschaft von 1765. Hamburg

Internetquellen:

Homepage der Patriotischen Gesellschaft, unter: http://www.patriotische-gesellschaft.de/geschichte.html

Illustrationsmaterial:

Wolfgang Meinhart, Haus der Patriotischen Gesellschaft von 1765, Zugriff am 02.06.2017. Verfügbar unter: http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Patriotische_Gesellschaft_von_1765?uselang=de

 

 

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Letzte Änderung: 04.07.2017

Klaus Heuer