Einleitung:

Emil Adolph Roßmäßler kann als erster freier Dozent der Erwachsenenbildung gelten. Sein Schwerpunkt war die emanzipativ ausgerichtete Popularisierung naturwissenschaftlicher, insbesondere naturgeschichtlicher, Erkenntnisse. In seiner nachträglich erschienen Autobiographie gibt E.A. Roßmäßler Auskunft darüber, warum er Volksschriftsteller und Wanderredner wurde, und was ihn dazu qualifizierte.

Quelle:

„Wer sich also berufen fühlt, an der Freiheitszukunft Deutschlands mitzubauen, der helfe sorgen für allgemeine Verbreitung einer menschenwürdigen Kenntnis von der Natur: der lehre alle Welt, daß die Natur weder eine Vorrathskammer, noch eine Studirstube, noch ein Betschemel, sondern unser aller gemeinsame Heimath ist, in der ein Fremdling zu sein, Jedermann Schande und Schaden bringt. Schon diese meine Auffassung der Natur wird mich bei jedem Nachdenken vor dem Tadel sichern, der mir schon einmal von den vor der Zeit Urtheilenden gemacht worden, als wollte ich „die Menschen zu Naturforschern machen.“

Ich bin so kühn zu sagen: ich fühle mich berufen, und muß also hinzufügen: ich fühle mich dazu verpflichtet.

Daß die Wahl und Erfüllung dieses Berufes von der Noth der Zeit gebothen ist, das lehren jene uns entgegengeschleuderten, bezeichnenden Worte der Berline -Kreuz-Zeitung: „Schulmeister und Bücherschreiber sollte man am eifrigsten ausrotten.“

Es ist ein kühnes Selbstvertrauen, welches ich ausgesprochen. Aber wenn nicht alle Beurtheilungen meiner dieser Aufgabe gewidmeten Schriften lügen, wenn nicht alle meine Freunde, mit welchen ich mich hundertmal über meine Auffassung dessen, was der Volksbildung noth thut, besprochen habe, die erste Freundespflicht , die Aufrichtigkeit, wissentlich verletzt haben; wenn nicht der Beifall meiner Zuhörer in meiner langjährigen Amtsthätigkeit; wenn namentlich die warme Zustimmung vieler urtheilsberechtigter Männer, namentlich Volksschullehrer, mich nicht getäuscht habe, mit denen ich das Kapitel über naturgeschichtlichen Volksunterricht oft und in großem Kreis durchsprochen - so darf ich glauben, dass ich den Beruf in mir trage, meine schwache Kraft an die Lösung dieser großen Aufgabe zu setzen.

[…] Es fehlt namentlich an einem Leitfaden für den Volkslehrer und den damit verbundenen Anschauungs-Hilfsmitteln, welche auch den nicht dafür besonders vorgebildeten Volkslehrer sofort in den Stand setzen, einen fruchtbringenden Unterricht zu ertheilen […]“

 

Aus: Roßmäßler, Emil Adolf (1874): Mein künftiger Lebensplan; in: ders.: Mein Leben und Streben im Verkehr mit der Natur und dem Volke. Hannover; zitiert nach Horst Dräger (1979): Volksbildung in Deutschland im 19. Jahrhundert, Bd. 1. Braunschweig, S.311-312.

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Letzte Änderung: 20.04.2017

Klaus Heuer