Herausgeber
Nuissl von Rein, Ekkehard
Titel
Adult Education and Learning
Zeitschrift
DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung
Ausgabe
3/1998
Ort
Frankfurt/M.
Verlag
DIE
Zitierlink
http://www.die-bonn.de/id/43
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Abstract
Wir haben festgestellt ..., daß es ein schwieriges Unterfangen ist, sich Europa zu nähern. Schon das, was mit Europa gemeint ist, zerfasert bei genauerem Blick: Weder geographisch noch politisch noch kulturell hat Europa klare Grenzen. So stand es im Editorial des Themenheftes Europa und Bildung, das wir vor drei Jahren als Nr. IV/1995 dieser Zeitschrift veröffentlichten. Erst drei Jahre, und nun wieder das gleiche Thema? Welch einfallslose Redaktion! Sogar so einfallslos, diesen beiden Europa-Heften jeweils ein Heft mit einem Medien-Thema voranzustellen (Medienwelten 1995, Multimedia 1998)! Nun, Einfallslosigkeit ist es nicht. Beide Themen - Medien und Europa - haben in diesen drei Jahren an Bedeutung nicht verloren, sondern gewonnen. Und in beiden Themenbereichen hat sich - trotz der Kürze der Zeit - ungeheuer viel geändert, konkretisiert, zugespitzt - und auch teilweise erledigt. Und es ist kein Zufall, daß beide Themenfelder eng verbunden sind mit zwei zusätzlichen Kulturtechniken (Medienkompetenz und Mehrsprachigkeit), die zu den traditionellen Kulturtechniken des Lesens, Schreibens und Rechnens hinzukommen. Anders, als dies bei dem Europa-Thema vor drei Jahren noch mitgedacht war, hat ein Abschied von Europa nicht stattgefunden. Im Gegenteil: Europa ist mehr und mehr überall präsent, es wird nicht mehr lange dauern, dann erinnert uns unser alltägliches Zahlungsmittel an die Zugehörigkeit zur Europäischen Union. Sind wir aber wirklich in Europa angekommen? Es gibt einige P's, an denen man das genauer überprüfen kann:
- in der Politik werden Systemunterschiede von Bildung deutlicher, und politische Ziele nähern sich an, auch wenn dies noch keine unmittelbare Auswirkung zeitigt;
- bei den Personen, die im europäischen Raum mit Erwachsenenbildung und Erwachsenenlernen zu tun haben, wird immer deutlicher, wer was wo mit welcher Kompetenz macht und für welche Frage er oder sie jeweils ansprechbar ist;
- die Probleme, wie sie vor drei Jahren bestanden, sind nicht alle gelöst (z.B. Subsidiarität, European Citizenship, regionale Bildungskulturen), aber sie sind heute wesentlich klarer als Probleme zu beschreiben und zu diskutieren;
- Positionierungen haben Institutionen und Personen, teilweise auch Bildungssysteme im europäischen Diskurs vorgenommen. Es lassen sich starke und schwache Systeme ausmachen, starke und schwache Impulse für perspektivische europäische Bildungskonzepte;
- viele Projekte hat es in den letzten Jahren gegeben, im berufsbildenden Bereich (v.a. LEONARDO), im allgemeinen Bildungsbereich (SOKRATES), verstärkt auch in anderen Programmen. Die meisten dieser Projekte haben an konkreten Stellen internationale Zusammenarbeit verstärkt (wenn sie auch bislang noch eher die weißen Flecken betonen als bestehende Strukturen nachweisen);
- die Praxis von Weiterbildung und Erwachsenenlernen ist in ihren nationalen Grenzen - dies muß man nüchtern feststellen - bislang noch wenig beeinflußt von den europäischen Vorgängen;
- es zeichnet sich aber ab, daß in zukünftigen Perspektiven in bezug auf nationale Erwachsenenbildung die europäischen Normen, Konzepte und Theorien nicht weiter vernachlässigt werden können;
- bereits heute ist in der Programmatik vieler Bildungsanbieter, Politiker und Wissenschaftler der europäische Aspekt enthalten.

Heute haben sich mit dem Europäischen Verband für Erwachsenenbildung (EAEA), dem Verbund Europäischer Institute für Forschung und Entwicklung zur Erwachsenenbildung (ERDI) und der Vereinigung von Wissenschaftlern im Bereich der Erwachsenenbildung (ESREA) drei Organisationen gebildet, die zusammen mit den administrativen und bildungsverwaltenden nationalen Strukturen eine gewisse Kontinuität von europäischer Erwachsenenbildungspolitik und Fortentwicklung sicherstellen. Diese drei Organisationen werden in diesem Heft vorgestellt (vgl. die Beiträge von Timo Toiviainen, Anne Slej Kristensen und Peter Alheit/Barry Hake). Um welche Punkte die europäische Weiterbildungsdiskussion kreist, zeigen das Interview mit Klaus Draxler, dem Direktor für Berufliche Bildung in der Europäischen Kommission, die Themen-Beiträge von Joachim Knoll und von mir selbst sowie der Bericht über die jüngste europäische Weiterbildungskonferenz in einer nun schon traditionellen Reihe, die im Mai in Manchester stattfand und in der die ökonomische und soziale Relevanz von Bildung für die Zukunft der Gesellschaft herausgehoben wurde (vgl. Magazin-Beitrag von Peter Krug). Nach wie vor, dies zeigt sich, ist das Schisma zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung nicht überwunden, sondern konzeptionell und praktisch vorhanden. Aber auch andere Problem europäischer Weiterbildung werden angesprochen; so die Frage des European Added Value, der Möglichkeiten und Grenzen von Transfer guter Praxis, der Nachhaltigkeit von Entwicklungsarbeiten und der Verbreitung entwickelter Konzepte und Materialien. Auch Osteuropa hat - gemessen an der Diskussion von vor drei Jahren - eine klarere Zuordnung und Perspektive erhalten; einige Aspekte beschreibt Bettina Strewe. Vielleicht wird es in drei Jahren wiederum ein Schwerpunkt-Thema Europa geben - dann bereits auf der Basis einer gemeinsamen Währung und der Erfahrung mit neuen, auf Integration zielenden europäischen Programmen. Das Bildthema dieser Ausgabe behandelt Tibet.

Inhalt

23

Nuissl, Ekkehard

Lernende Gesellschaft Europa

Erwachsenenlernen in Europa
26

Toiviainen, Timo

EAEA: New Constitution decided

European Association for the Education of Adults
27

Alheit, Peter; Hake, Barry J.

Wissenskooperation

ESREA – Die Europäische Gesellschaft für Erwachsenenbildungsforschung
30

Kristensen, Anne Sley

ERDI: A European Network

European research and development Institutes for Adult Education
31

Knoll, Joachim H.

Zwischen Euphorie und Skepsis

Erwachsenenbildung in europäischer Dimension
34

Strewe, Bettina

Lernen von Mittel- und Osteuropa

Beobachtungen und Reflexionen der 90er Jahre

Dialog mit dem Autor/den Autoren

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