Das „DIE-Forum Weiterbildung 2016“, das am 5./6. Dezember in Bonn stattfindet, befasst sich mit dem Thema „Erwachsenenbildung in der Einwanderungsgesellschaft“.

Die große Zahl von Flüchtenden, die seit dem letzten Jahr zu uns gekommen sind, hat die Erwachsenenbildung in ihrer Nothilfe-Funktion in einer Weise gefordert, wie es in der Geschichte der Bundesrepublik ohne Beispiel ist. Dabei sind die gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Herausforderungen nicht auf Flucht und Vertreibung beschränkt, sondern weit grundlegender auf den Bedarf an (erwachsenen-)pädagogischen Hilfen in einer Einwanderungsgesellschaft gerichtet.

Eine besondere Herausforderung ergibt sich für die Erwachsenenbildung aus der Tatsache, dass viele ihrer Aktivitäten projektförmig organisiert sind und verlässliche institutionelle Regelungen fehlen. Dies führt zu einer gewissen Kurzatmigkeit des Handelns nicht nur bei neuen, sondern auch bei andauernden Herausforderungen. Dazu gehören die interkulturelle Öffnung von Weiterbildungseinrichtungen, die Entwicklung bedarfsgerechter Programme und Angebote in Kooperation mit Akteuren der Zivilgesellschaft, die Vermittlung sprachlicher Kompetenzen an Lernende mit heterogener Vorbildung aus ganz unterschiedlichen Sprachfamilien, die Anerkennung arbeitsmarktrelevanter Kompetenzen und Zertifikate sowie die lernende Bewältigung interkultureller Differenzen und Konflikte.

Dies sind Themen und Fragestellungen, die den Praktikerinnen und Praktikern der Erwachsenenbildung auf den Nägeln brennen und auf dem DIE-Forum 2016 kritisch diskutiert werden sollen. Konkret wird es um die Interkulturelle Öffnung von Weiterbildungseinrichtungen, den Spracherwerb und die Sprachförderung bei Erwachsenen, die Feststellung von Kompetenzen und die Förderung der Arbeitsmarktintegration sowie den Umgang mit Wertkonflikten gehen. Zudem sollen die Herausforderungen für die deutsche Zivilgesellschaft thematisiert werden.

Neben frühkindlicher Bildung, Schulbildung, beruflicher Ausbildung und Hochschulbildung ist es die Erwachsenenbildung, die einen wesentlichen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration von Migrantinnen und Migranten leisten kann.

Date/Termin: 05.-06. Dezember 2016
Venue/Ort: GSI Bonn
Fee/Kosten: 120€

Zur Anmeldung

Informationen zu den geplanten Arbeitsgruppen:

Arbeitsgruppe 1: Interkulturelle Öffnung von Weiterbildungseinrichtungen

Die interkulturelle Öffnung von Weiterbildungseinrichtungen gilt vielen als unverzichtbare Voraussetzung für eine gleichberechtigte Beteiligung von Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Werten, Regeln und Handlungsorientierungen an Lehr- und Lernprozessen. Wir beschäftigen uns u.a. mit der Frage, welche Herausforderungen sich aus der Anerkennung von kultureller Diversität für die Einrichtungen der Weiterbildung ergeben. Welche aktuellen Anforderungen sind zu bewältigen? Auf welches Wissen und auf welche Erfahrungen können sich die Einrichtungen heute stützen?

Arbeitsgruppe 2: Spracherwerb und Sprachförderung bei Erwachsenen

Die Beherrschung der Sprache des Einwanderungslandes ist eine unverzichtbare Voraussetzung für gesellschaftliche Integration von Zuwandernden. Daher ist es nicht überraschend, dass auch in Deutschland die Diskussion auf den Erwerb von Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache konzentriert ist. Dabei gerät gelegentlich aus dem Blick, dass Mehrsprachigkeit auch eine individuelle und gesellschaftliche Ressource darstellt, unabhängig von der Frage, ob sie den Erwerb der Landessprache fördert oder behindert. Die Arbeitsgruppe befasst sich daher mit Konzepten des Spracherwerbs, ausgehend von der Frage, wie sich sprachliche Kompetenzen und ihre Entwicklung diagnostizieren und fördern lassen. Dabei sollen auch Erfahrungen aus dem Schulkontext aufgearbeitet werden.

Arbeitsgruppe 3: Anerkennung von Kompetenzen und Arbeitsmarkintegration

Neben dem Spracherwerb bildet die Integration von Zugewanderten in das Erwerbssystem einen Schwerpunkt der aktuellen gesellschaftlichen und bildungsbezogenen Debatte. Neben dem Bedarf an Aus- und Fortbildung geht es dabei auch um die Frage, wie bereits vorhandene Kompetenzen und Zertifikate sichtbar gemacht und anerkannt werden können. Wir stellen u.a. die Frage, wie arbeitsmarktrelevante Kompetenzen schnell und zuverlässig festgestellt und anerkannt werden können. Dabei stehen insbesondere erwerbsfähige Flüchtlinge im Fokus, denen zu großen Teilen formale Kompetenznachweise fehlen, die eine wesentliche Voraussetzung für den Zugang zu qualifizierter Arbeit sind. Dieses Desiderat wird aus der Perspektive arbeitssuchender Migrantinnen und Migranten sowie aus der Perspektive von Arbeitgebern thematisiert.

Arbeitsgruppe 4: Wertkonflikte in Veranstaltungen der Erwachsenenbildung

Die öffentliche Debatte über Einwanderungsgesellschaften ist von Wertkonflikten geprägt. Diese reichen von Differenzen im Verständnis von Menschen- und Bürgerrechten, von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, von Meinungs- und Religionsfreiheit bis hin zu Konventionen des alltäglichen Zusammenlebens. Es soll diskutiert werden, welche Wertkonflikte in Veranstaltungen der Erwachsenenbildung entstehen (können). Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Anforderungen sich an Lehrkräfte stellen und welche berufsethischen Standards bei der Bewältigung helfen können.

Arbeitsgruppe 5: Fremdenfeindlichkeit begegnen: Politische Bildung und interkulturelle Trainings

Die aktuelle Zuwanderungsdebatte ist auf die Zuwandernden, die Geflüchteten und Vertriebenen fokussiert. Sie sollen „gefordert“ und „gefördert“ werden. Doch in Zuwanderungsgesellschaften müssen nicht nur Migrantinnen und Migranten neue Kompetenzen erwerben. Auch die Mitglieder der aufnehmenden Gesellschaft benötigen zusätzliches Wissen und zusätzliche Kompetenzen, um Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass vorzubeugen. In der Arbeitsgruppe soll die Frage diskutiert werden, welche Aufgaben politische Bildung und interkulturelle Trainings vor diesem Hintergrund übernehmen können.

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