Prof. Dr. Gernot Bauer
Institut für Gesellschaft und Digitales, FH Münster University of Applied Sciences
Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) gestaltet im Rahmen des BMBF-geförderten Metavorhabens „Digitalisierung im Bildungsbereich“ einen regelmäßigen Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis der Erwachsenenbildung. Im „dialog digitalisierung“ werden aktuelle Probleme und Strategien zur Digitalisierung vor dem Hintergrund von Befunden der empirischen Bildungsforschung diskutiert.
Die kommende Online-Ausgabe des dialog digitalisierung thematisiert die Potenziale der Digitalisierung in der Grund- und Basisbildung. Die Forschung geht davon aus, „dass insbesondere Erwachsene mit geringer Lese- und Schreibkompetenz auch weniger Computererfahrung und geringere Medienkompetenz besitzen“ (Wolf & Koppel, 2017). Daher blicken wir insbesondere auf die Gruppe der gering literalisierten Erwachsenen.
Es hat sich zudem gezeigt, dass die digitale Kluft zwischen denjenigen, die über die erforderlichen Kompetenzen für den Umgang mit digitalen Anwendungen verfügen und jenen, die sie nicht haben, pandemiebedingt größer geworden ist (siehe Ergebnisse der Studie "Lesen im digitalen Wandel"). Um diese Kluft nicht weiter zu vergrößern und auch Menschen mit geringer Bildung zu ermöglichen, an der „digitalen Transformation“ teilzuhaben, wird es umso wichtiger sein, digitale (Bildungs)Technologien nicht nur als (Förder-)Instrument und Vermittlungswerkzeug beim Erwerb von Sprache z. B. zu verstehen, sondern auch die Entwicklung von Kompetenzen für den Umgang mit digitalen Anwendungen und Medien sowie die damit verbundene Kritikfähigkeit des Einzelnen als Inhalt und gesellschaftspolitisches Ziel in der pädagogischen Arbeit mit Erwachsenen zu definieren. Auf diesem Komplex von Anforderungen gründen die Begriffe der „digitalen Grundbildung“ und der „Digital Literacy“.
Im Zuge dieser die Medien- und Digitalkompetenzen der/des Einzelnen betreffenden Fragen, mit denen sich die Erwachsenenbildung zunehmend auseinandersetzt, stellen Jun.-Professorin Ilka Koppel und Lisa Burkard (beide PH Weingarten) den „Digital Inclusion Pathway“ (Reder, 2015) vor, der erst durch Überwinden einiger Hindernisse schließlich zur „digital literacy“ führt. Die Ausführungen werden gestüzt durch aktuelle Befunde aus der empirischen Bildungsforschung, namentlich dem BMBF-Projekt GediG, sowie durch Perspektiven aus der Bildungspraxis in Person der Organisationsberaterin Corinna Waffender ergänzt.
Am zweiten Tag blicken wir auf das Spannungsfeld, das sich mit der Diskussion um Kompetenzorientierung in der Grundbildung auftut. Ilka Koppel und Sandra Langer (PH Weingarten) stellen ein Kompetenzmodell auf Grundbildungsniveau zur Diskussion.
An beiden Tagen werden außerdem in den Workshops einschlägige Initiativen und Projekte aus Forschung und Praxis vorgestellt. Die Workshopangebote nehmen die Digitalkompetenzen auch der Lehrenden in Grund- und Erwachsenenbildung in den Blick.
Der dialog digitalisierung#06 findet online an den Vormittagen des 4. und 5. November 2021 über Zoom statt und richtet sich an alle Interessierten aus der Grund- und Erwachsenenbildungspraxis sowie Wissenschaft. Wir freuen uns auf einen regen Austausch mit Ihnen und setzen für ein interaktives Miteinander die Tools Mentimeter und Miro ein.
4. November 2021
08:45 Uhr: Ankommen & Begrüßung in Zoom
09:00 Uhr: Veranstaltungsbeginn
09:15 Uhr: Impulsbeitrag
Der 'Digital Inclusion Pathway' auf dem Weg zur 'digitalen Grundbildung' und gesellschaftlichen Teilhabe?!
Juniorprofessorin Ilka Koppel & Lisa Burkard, beide PH Weingarten
Der Digital Inclusion Pathway zeigt auf, welche Abschnitte zu durchlaufen und welche Barrieren auf dem Weg zu einer "digitalen Grundbildung" zu überwinden sind. Anhand der Abschnitte werden aktuelle Daten zu Gelingensbedingungen für den Einsatz digitaler Medien aus dem Forschungsprojekt GediG vorgestellt.
09:35 Uhr: Beitrag mit anschließender Diskussion
Digitales Empowerment in der Lehre: Was brauchen Lehrende in der Praxis wirklich?
Corinna Waffender
Coach und Organisationsberaterin Corinna Waffender greift den Faden auf und identifiziert ihrerseits Hindernisse und Perspektiven für Lehrende in der Bildungsprapxis. Die Teilnehmenden sind eingeladen mit Ilka Koppel und Corinna Waffender in den Dialog zu treten.
10:10 Uhr: Pause
10:20 Uhr: Workshops, Abstracts
11:10 Uhr: Ergebniszusammenführung
12:00 Uhr: Veranstaltungsende
ab 13:00 Uhr Gelegenheit zum informellen Austausch & Netzwerken (Optional)
5. November 2021
08:45 Uhr: Ankommen & Begrüßung in Zoom
09:00 Uhr: Veranstaltungsbeginn
09:15 Uhr: Impulsbeitrag
Digitale Grundbildungskompetenz - ein Konzept zwischen Individualisierung und Standardisierung
Juniorprofessorin Ilka Koppel & Sandra Langer, beide PH Weingarten
Anknüpfend an den Impulsbeitrag des Vortages wird ein Konzept für eine "digitale Grundbildung" vorgeschlagen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie das Spannungsverhältnis zwischen individuellen Bedürfnissen, Voraussetzungen und Zielen und den normativen Anforderungen in der Bildungsarbeit konstruktiv gelöst werden kann.
09:35 Uhr: Was können Praxis und Politik mit dem Modell anfangen?
Wird es mit Blick auf bildungspraktische und -politische Perspektiven möglich sein, bei individuellen Voraussetzungen, Ansprüchen und Anwendungsszenarien ein konkretes und möglichst messbares Lernziel zu definieren? Wir diskutieren mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Praxis und Politik:
10:10 Uhr: Pause
10:20 Uhr: Workshops, Abstracts
11:10 Uhr: Ergebniszusammenführung
12:00 Uhr: Veranstaltungsende
*Änderungen im Programmablauf vorbehalten