Wie in allen Bereichen des Bildungssystems werden auch an die Erwachsenen- und Weiterbildung immer konkretere Erwartungen an die effektive Gestaltung von Bildungsangeboten formuliert und Nachweise für deren Wirksamkeit eingefordert (Kuper & Schrader, 2013; Bromme, Prenzel & Jäger, 2014). Damit rücken zugleich die konkreten Lehr-Lernsituationen und die auf dieser Handlungsebene maßgeblichen Akteure – Lehrende und Lernende – in das Zentrum der öffentlichen und wissenschaftlichen Aufmerksamkeit. In Orientierung an Befunden der Schulforschung muss auch für die Weiterbildung davon ausgegangen werden, dass den Qualifikationen, professionellen Kompetenzen und dem beruflichem Engagement der Lehrenden eine hohe Bedeutung für Gestaltung der Lehr-Lernsituation und darüber vermittelt auch für den Lernerfolg zukommt (Hattie, 2009). Für den Bereich der Erwachsenen- und Weiterbildung sind diese Zusammenhänge bislang allerdings noch kaum untersucht.
Vor diesem Hintergrund soll die Längsschnittstudie sowohl die ursächlichen Faktoren und Kontextbedingungen der Entwicklung einer professionellen Tätigkeitsausübung als auch konkrete Interventionen zur Entwicklung und Förderung professioneller (Teil-)Kompetenzen identifizieren und deren Effektstärken bestimmen. Ziel ist es, wirksame und praktische Handlungsansätze zur Professionalisierung des lehrenden Personals in der Weiterbildung zu bestimmen und die Kontinuität der Bildungsberichterstattung zum Personal in der Weiterbildung auf einem neuen Niveau mittelfristig sicherzustellen. Dazu soll eine kombinierte Längsschnittstudie mit einer standardisierten Panelerhebung und daran anknüpfenden Interventionsstudien durchgeführt werden.
Das Personal in der Weiterbildung ist der wichtigste Faktor der Professionalisierung der Weiterbildung. Die geplante Panelstudie soll eine nachhaltige Grundlage für Forschung und Bildungsberichterstattung liefern und so anwendungsorientierte Grundlagenforschung zu diesem Gegenstand ermöglichen.
Zu diesem Zweck werden im Forschungsdesign zwei Komponenten miteinander verbunden: eine standardisierte Panelerhebung mit drei Wellen in einem Abstand von jeweils zwei Jahren und drei randomisierte Interventionsstudien. Die standardisierte Erhebung erfasst die sozioökonomischen Standards, die Erwerbsbiografie, die Qualifizierung, die Kompetenzen und Einstellungen im Zeitverlauf und ermöglicht so die Beantwortung von Fragen zu Erwerbs- und Einkommenschancen und deren Abhängigkeit von Kompetenzentwicklung und Professionalität.
Die Interventionsstudien zielen darauf ab, konkrete Innovationen zur Verbesserung der Kompetenzen Lehrender zu identifizieren und zu testen.
Die Verknüpfung der standardisierten Panelerhebung und der Interventionsstudien erhöht die externe Validität der Interventionsstudien, reduziert deren Selektionsbasis, verbessert die Power und ermöglicht es, längerfristige Effekte der Treatments auch in weiterreichenden Kontexten der Panelerhebung zu erfassen.
Im Zuge der Panelerhebung sollen durch einen privaten Anbieter mehrere tausend Personen in allen Kontexten der Weiterbildung in einem two-stage cluster sampling Verfahren ausgewählt werden, ergänzt um die Ansprache der Lehrkräfte über Berufs- und Trägerverbände und andere Kanäle. Die Zielpersonen werden in drei Wellen über einen Zeitraum von sechs Jahren mit CATI- und CAWI-Instrumenten befragt. Zwischen der ersten und zweiten Welle finden die Interventionsstudien statt. Die Probanden werden durch ein randomisiertes Losverfahren aus dem repräsentativen Pool des Panels gezogen und unter kontrollierten Settings randomisierten Treatments ausgesetzt.
Die Daten werden der Wissenschaft als Scientific Use File zugänglich gemacht. Das DIE kooperiert in diesem Projekt mit dem LIfBi.