Die Einrichtung wurde 1961 mit einem, für seine Zeit, modernen Neubau in der Nähe von Frankfurt am Main im Vordertaunus eröffnet. Entscheidende Wegbereiter waren Reinhard Wilke und Gerd Kadelbach. Die Trägerschaft lag bis 1978 bei der vom Hessischen Landesverband der Volkshochschulen verantworteten Adolf-Reichwein-Stiftung, dann übernahm das Land Hessen diese Funktion und 1997 bis zur Schließung 2001 war es das Hessische Landesinstitut für Pädagogik mit dem Schwerpunkt der Lehrerfortbildung.

Aus dem Konzeptpapier von 1960 geht hervor, dass die Heimvolkshochschule Falkenstein die Aufgabe hatte, „jüngste gesellschaftswissenschaftliche, insbesondere industriesoziologische Untersuchungen für die Praxis der Erwachsenenbildung auszuwerten und aufzubereiten und den in hessischen Volksbildungsorganisationen tätigen Personen als zentrale Stätte der Mitarbeiterbildung zur Verfügung zu stehen.“ Weiter heißt es: Diese Heimvolkshochschule „bietet die Möglichkeiten und entwickelt Formen gemeinsamer Arbeit in Fragen, die über die Grenzen der Interessengruppen, Parteien und Konfessionen alle angehen. Sie soll nicht nur eine Übungsstätte der Toleranz, sondern auch der demokratischen Integration sein.“ (Vieser 2001, 2)

Innerhalb der Erwachsenenbildung steht die Heimvolkshochschule, insbesondere für die überregionale und regionale Mitarbeitenden Fortbildung von, in den Volkshochschulen beschäftigen, haupt- und nebenamtlich Lehrenden. Seit 1961 fanden hier z.B. die mehrwöchigen „Einführungsseminare“ der Pädagogischen Arbeitsstelle des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (PAS/DVV, heute DIE)  statt. Schon in den 1960er Jahren war ein wichtiger Programmpunkt die „Einführung in die Gruppendynamik“. Dieses psychoanalytisch ausgerichtete Konzept von Tobias Brocher löste das gruppenpädagogische Paradigma, wie es z.B. von Magda Kelber und Theodor Wilhelm in der Nachkriegszeit vertreten worden war, ab, und beförderte neue, die Subjektivität der Teilnehmenden ernster nehmende, politische Veranstaltungsformen – und inhalte. Die undogmatisch linken Positionen, die von Mitarbeitenden der Einrichtung, z.B. Edgar Weick, vertreten wurden, führten Ende der 1970er Jahre zu teilweise auch heftigen Anfeindungen der Arbeit durch die konservative Presse und im Landesverband der hessischen Volkshochschulen. Streitpunkt war hierbei insbesondere das sog. „Synthesekonzept“, indem eine kritisch-emanzipative Integration politisch-allgemeiner und beruflicher Bildung, mit einem Primat kritischer Sozialwissenschaften, vertreten wurde. In diesem Kontext kam es zu ersten, auch mit der Finanzlage begründeten, Schließungsdrohungen. Diese Drohungen begleiteten die Arbeit bis zur tatsächlichen Schließung des Instituts 2001.

Zwischen 1975 und 2000 fanden mehr als zwanzig internationale Fachtagungen statt. Zu erwähnen sind hierbei insbesondere die über viele Jahre stattfindenden deutsch-sowjetischen  und deutsch-israelischen Veranstaltungen.

Verwandte Begriffe:

Heimvolkshochschule, Gruppendynamik; Hessischer Volkshochschul-Verband, Synthesediskussion; Professionalisierung; Brocher, Tobias;  Weick, Edgar; Vieser, Günther; Einführungsseminare der PAS/DVV

Literatur:

Brocher, Tobias (1967): Gruppendynamik und Erwachsenenbildung. Braunschweig

Scholz-Rüger, Cornelia/ Vieser, Günther/ Weick, Edgar (Hrsg.) (2003): Nach Falkenstein Rufe und Informationen zu einem Lehrstück über Politik und Bildung. Falkenstein

Vieser, Günther (2001): Eröffnungsansprache „40 Jahre Falkenstein Jubiläumsveranstaltung, in: hvv-Rundschreiben vom 25.05.2001, S.1-7

Archive:

Deutsches Institut für Erwachsenenbildung Leibniz Zentrum für Lebenslanges Lernen, Bonn:

  • Nachlass Rudi Rohlmann
  • Ungeordneter Bestand Heimvolkshochschule Falkenstein von Edgar Weick

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Letzte Änderung 20.04.2017

Klaus Heuer