Karl Benjamin Preusker (1786-1871) war ein bedeutender Vordenker und Wegbereiter des öffentlichen Bibliothekswesens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit privaten Vereinsmitteln gründete er 1828 die erste deutsche Stadtbibliothek in Großenhain. Seit 1995 erinnert der „Tag der Bibliotheken“ an dieses Ereignis. Er arbeitete auch an einer „systematischen Betrachtung der Probleme der gesamten Volksbildung“ (Dräger 1979, 25) und entwickelte ein Modell, das Gewerbebildung und Volksbildung umfasste.

In einer Handwerkerfamilie aufgewachsen, gelang ihm, auf Basis autodidaktischer und lebenspraktischer Bildung, der soziale Aufstieg in das Bildungsbürgertum. K.B. Preusker war gelernter Buchhändler und hatte bei Joachim Heinrich Campe gearbeitet. Später verdiente er sein Geld als Zahlmeister im Range eines Offiziers in der sächsischen Armee. Die bildungsreformerischen Bemühungen von K.B. Preusker fanden in seinen späteren Jahren auch öffentliche und staatliche Anerkennung.

K..B. Preusker arbeitete insbesondere an einer systematischen Betrachtung der Probleme der gesamten Volksbildung“ (Dräger 1979, 25) und entwickelte ein Modell, das Gewerbebildung und Volksbildung umfasste.

Dieses berufspraktische und allgemeinbildende Modell hat folgende Struktur:

I. Gewerbebildung

a) Ausbildung der Gewerbetreibenden durch:

  1. Gewerbewissenschaftliche Unterrichtsanstalten
  2. Selbststudium durch Lektüre, Reisen, Wandern,

b) Fortbildung der Gewerbetreibenden durch öffentliche Vorlesungen, Schriften, Lesezirkel, Bibliotheken,      Gewerbemuseen und Ausstellungen…

II. Volksbildung

  1. Jugendbildung durch Unterrichtsanstalten und Erziehung
  2. Fortbildung aller Stände in Bezug auf alle freien Geistesrichtungen, vornehmlich auf die Wissenschaft, die Kunst und die allgemeinen Sitten (DRÄGER 1979, 46)

Es war die enge Beziehung zwischen Theorie-Entwicklung und exemplarischen praktischen, und erfolgreichen Umsetzungsversuchen, die das Schaffen von Preusker in besonderer Weise charakterisiert. Das gilt für seine Bemühungen für das Bibliothekswesen, aber auch für die Gründung eines Gewerbevereins und einer gewerblichen Sonntagsschule, die er zum Teil jahrzehntelang selbst leitete.

Der von ihm 1832 begründete Gewerbeverein hatte mehr als 50 Mitglieder. Das Programm hatte nach Wilkening folgende Struktur:

„Im Winterhalbjahr traf man sich alle zwei Wochen. Ein gewählter Vorstand hatte sich um die Themen zu kümmern, die an den Abenden zur Sprache kommen sollten… Die Abende liefen nach folgendem Muster ab: Zunächst wurde ein neuer Zeitschriftenartikel oder Bücher vorgestellt, die Preusker erhalten hatte und die von Interesse für Gewerbetreibende waren. Dann folgten kurze Vorträge über neue Erfindungen, manchmal ein physikalisches Instrument. Oft wurden auch nur geeignete Beiträge aus Fachzeitschriften vorgelesen. Am Ende trug man Humoristisches vor, so dass alle fröhlich nach Hause gehen konnten.“ (WILKENING 2005, 31)

Lebenspraktische Wissensvermittlung, heimatkundliche Kenntnisse, Gemeinwohlorientierung und Hilfe zur Selbstbildung waren zentrale Bestandteile seines Volksbildungsbegriffs.

Archive:

Stadtarchiv Löbau: Preusker-Nachlass, enthält u.a. Preusker-Bibliothek (347 Bände), Briefwechsel, unveröffentlichte Werke

Sächsische Landesbibliothek – Staats-und Universitätsbibliothek Dresden: Handschriftenabteilung/Sondersammlung: Nachlass Preusker

Literatur:

Dräger, Horst (1979): Volksbildung in Deutschland im 19. Jahrhundert. Bd. 1.. Braunschweig

Gedrath, Volker (2003): Vergessene Traditionen der Sozialpädagogik. Weinheim

Preusker, Karl Benjamin (1828) Die Stadtbibliothek in Großenhain. Großenhain

Preusker, Karl Benjamin (1832): Nachricht von dem Fortgang und der jetzigen Einrichtung der Sonntagsschule. Großenhain

Preusker, Karl Benjamin (1835): Bausteine. 2. Bde. Leipzig

Preusker, Karl Benjamin (1835): Andeutungen über Sonntags,- Real- und Gewerbeschulen, Cameralstudium, Bibliotheken, Vereine. Leipzig

Preusker, Karl Benjamin (1836): Förderungsmittel der Volkswohlfahrt, in Bezug auf Wissenschaft, Kunst und Leben. Haus- und Handbuch für Jeden, welcher für sein und Anderer Wohl zu wirken wünscht. Leipzig

Preusker, Karl Benjamin (1840): Gutenberg und Franklin. Eine Festgabe zugleich mit Antrag auf Gründung von Stadt- und Dorfbibliotheken. Leipzig

Preusker, Karl Benjamin (1837-1842): Über Jugendbildung, zumal häusliche Erziehung, Unterrichtsanstalten, Berufswahl, Nacherziehung und Nachschulen. 5. Bde.. Leipzig

Preusker, Karl Benjamin (1847-1850): Bürgerhalle. Anstalten und Einrichtungen sowie allgemeine Fortbildung des Bürgerstandes: für ältere und jüngere Gewerbetreibende, städtische Behörden und Lehrer, Vorstände gewerblicher Bildungsanstalten, Lesevereine, usw.. 2 Bde.. Meißen

Preusker, Karl Benjamin (1855): Historischer Überblick der gewerblichen Sonntagsschule zu Großenhain. Großenhain.

Preusker, Karl Benjamin (1871): Lebensbild eines Volksbildungsfreundes ;(Hg.) H. Ernst Stötzner; Leipzig

Smolnik, Regina (Hrsg.) (2011): Preusker, Karl Benjamin. Archäologe – Reformer – Netzwerker. Beucha-Markkleeberg

 Wilkening, Ilka (2005): Karl Benjamin Preusker. 1786-1871. Ehrenbürger der Stadt Großenhain. Leben und Werk. Großenhain

Internetquellen:

Kurzbiografie von K.B. Preusker, unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Benjamin_Preusker

Illustrationsmaterial:

Karl Benjamin Preusker, in: Sächisches Landesamt für Archäologie, Zugriff am 13.04.2017. Verfügbar unter: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Preusker_1840.jpg?uselang=de

 

Kurzlink zu dieser Seite:
die-bonn.de/li/516

Letzte Änderung: 20.04.2017

Klaus Heuer