Die antike Gesellschaft (1500 v. Chr. – 500 n. Chr.) war ständisch-patriarchalisch aufgebaut. Diese Struktur galt als gottgegeben. Arbeit galt als nicht-tugendhaft und war Kennzeichen der unfreien Bevölkerung. Die Ökonomie des „Ganzen Hauses“ (oikos) war das ökonomische und mentale Organisationsprinzip der Gesellschaft. Nur ein Prozent der Bevölkerung galten als freie Bürger. Sie lebten meistens in den Städten. Diese kleine Gruppe bestimmte das politisch-kulturelle Leben und bildete den Fokus des kulturellen Gedächtnisses. Ihre Überlieferung dominiert bis heute die Geschichtsdarstellung.

Das alltägliche Lernen, das Lernen zur Reproduktion und in der Gemeinschaft, aber auch das berufliche – insbesondere das handwerkliche – Lernen sind bislang weitgehend unerforscht. Die Sozialisation in das Vorgegebene, die Bewahrung der Traditionen, die Stabilität der Sozialbeziehungen und die Bestätigung der gesellschaftlichen Immobilität waren zentrale auf fragloses Wiederholen ausgerichtete Lernaufgaben. Individualität galt wenig. Das intergenerationelle Lernen im Familien- und Hausverband ist bislang nicht erforscht. Die Bewältigung der jeweiligen konkreten gesellschaftlichen Realität war den bisherigen Quellenfunden, bzw. ihrer bisherigen Deutung nach als allgemeines Wissen nicht erfahrungsbildend.

Inwieweit das Wissen der Hochkultur von den sog. Kleinen Leuten geteilt wurde, ob und wie sie sich dieses Wissen aneigneten und in ihren sozialen Praxen einen Platz fanden, lässt sich bislang nicht nachweisen. Dass sie damit konfrontiert waren, lässt sich an ihrer alltäglichen Unterdrückung, aber auch in den Kunstwerken – ihrer Herstellung und Ausstrahlung – und an ihrer funktionalen Teilhabe an der Lebenswelt der Oberschicht als Bedienstete festmachen.

So gab es Sklaven, die unter der Bezeichnung Pädagoge, die Kinder der freien Bürger zur Schule brachten und mit Erziehungsaufgaben betreut wurden.

Die Rhetorik, das dialogisches Lernen, wie es sich in der Sokratischen Methode manifestierte, oder auch der Wahrheitsbezug als leitendes Erkenntnisinteresse, wie er sich im Höhlengleichnis von Platon ausdrückte, sind Belege für didaktische und philosophische Errungenschaften in der Antike, die bis heute als Bezugspunkte unseres Denkens Geltung beanspruchen können. Mit dem Unterschied, dass ihr Ziel damals das Wiedererkennen des schon Bekannten und die bestätigende Wiederherstellung der alle Zeit gültigen Traditionen umfasste.

Diese Methoden wurden z.B. an der von Platon gegründeten Akademie gelehrt und richteten sich an ein erwachsenes Publikum.

Literatur:

Ballauff, Theodor (1969): Pädagogik. Eine Geschichte der Bildung und Erziehung. Band I: Von der Antike bis zum Humanismus. Freiburg

Internetquellen:

Platon belehrt Aristoteles (Relief von Lucca de Robbia um 1438), unter: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Plato_Aristotle_della_Robbia_OPA_Florence.jpg&filetimestamp=20060717080735  (14.11.2014)

Kurzdarstellung Paideia (Bildung, Erziehung), unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Paideia  (22.09.2014)

Illustrationsmaterial:

Die Schule von Athen, Wandfresko von Raffael 1509-1510, Zugriff am 06.06.2017. Verfügbar unter: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/31/La_scuola_di_Atene.jpg

 

 

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Letzte Änderung: 06.06.2017

Klaus Heuer