Publikation

Architektur für Erwachsenenbildung

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Dr. Peter Brandt
wbv
Architektur für Erwachsenenbildung
DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung
7/2012
Bielefeld

Abstract

Der Raum und das Lernen erwachsener Menschen stehen in einem engen, jedoch von Wissenschaft und Praxis der Erwachsenenbildung bislang weitgehend vernachlässigten Verhältnis. Dies hat zur Folge, dass die Architektur von Weiterbildungseinrichtungen Lehr-/ Lernprozesse oft nicht ausreichend unterstützt. Pädagogen und Architekten, so der Tenor der auf den folgenden Seiten versammelten Beiträge, müssen deshalb bereits bei den ersten Planungsprozessen bessere Dialog- und Kooperationsformen entwickeln. Das Heft bietet hierfür eine Art Verständigungshilfe, indem es bildungstheoretische Sichtweisen und architektonische Perspektiven zusammenführt und auf diesem Weg die räumlichen Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen aufzeigt.

Inhalt

apl. Prof. Dr. Karin Dollhausen; Hans-Joachim Schuldt; Prof. Dr. Richard Stang

Dr. Thomas Vollmer; Prof. Dr. Richard Stang

Der Beitrag liefert eine bildungstheoretische Reflexion des Lehr/-Lernraums in Bildungshäusern. Dabei wird Erwachsenenbildung als »lebensweltlicher Erkenntnisprozess« definiert, der besondere Anforderungen an die Architektur stellt. Joachim Ludwig macht in diesem Zusammenhang insbesondere darauf aufmerksam, dass Architektur stets mehr als ein Arrangement von Baumaterialien ist. Raumstrukturen enthalten vielmehr »Sinnangebote«, welche einen großen Einfluss auf die »Lebenshaltung« von Lernenden wie Lehrenden hat. In dieser Perspektive wird die Lernförderlichkeit von Räumen gewährleistet, indem diese als Experimentierfelder für die Selbst- und Weltverständigung gestaltet werden.

Der Beitrag konzentriert sich auf Innovationen des Schulbaus, die als Inspirationsquelle für erwachsenenbildnerische Bauvorhaben dienen. Anhand der Beispiele des Orestad College, der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Lünen, der Privatschulgruppe »SBW-Lernhäuser« und der dänischen Munkegaard Skole verdeutlicht Frauke Burgdorff, wie unterschiedlich Architektur auf das jeweilige pädagogische Konzept eingeht.

Der Autor liefert Good-Practice-Beispiele und definiert Kernaufgaben und -prozesse der modernen Bibliothek, die als zentraler Lernort für Erwachsene begriffen wird. Anhand der Kriterien »Mangel–Überangebot«, »Konsum–Kokreation« und »Produkt–Prozess« werden die für Bibliotheken und Erwachsenenbildung relevanten gesellschaftlichen Herausforderungen beschrieben. Hierdurch wird deutlich, dass sich Bibliotheken und Erwachsenenbildung in einem Umbruch befinden, für den geeignete architektonische Lösungen zu entwickeln sind.

Kulturmuster prägen die Architektur, in der wir leben und lernen. Die Ausführungen von Urs Maurer helfen dabei, diese nur unbewusst wahrgenommen Muster als eine Architektursprache zu entdecken und auf den Bildungsbau anzuwenden. Grundlegend ist hierbei die Idee, dass die architektonische Sprache durch Polaritäten gekennzeichnet ist, wobei insbesondere der von Ernst Bloch geprägte Antagonismus zwischen »Todeskristall« und »Lebensbaum« herangezogen wird.

Der Beitrag zeigt und beschreibt eine Auswahl von Fotos aus dem Nachlass von Franz Pöggeler, die aus dem Archiv des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung entstammen. Die historischen Bilder, die zwischen sakral-monumentaler Architekturfotografie und Schnappschuss changieren, illustrieren, wie unterschiedlich Lern-/Lehrarrangements im Verlauf der Geschichte der Volkshochschulen aussahen. Obwohl der Autor in den Fotos Belege für eine mentalitätsgeschichtlich überholte Zeit sieht, machen sie dennoch deutlich, dass die Volkshochschulen in ihrem innenarchitektonischen Auftreten seit jeher einen eigenen Stil hatten, der auch für die heutige Weiterbildungslandschaft inspirierend ist.

Rita Weißenberg; Hubert Hummer; Wolfgang Eckart; Prof. Dr. Richard Stang; Anne-Kathrin Lindner

Hans Georg Rosenstein beschreibt Ziele und Prioritäten der erneuerten europäischen Agenda für die Erwachsenenbildung, die 2011 vom Europäischen Rat entschlossen wurde. Dabei wird die Rolle der europäischen Kommission ebenso in den Blick genommen wie die Instrumente und das Budget zur Umsetzung der Agenda. Der Beitrag schließt mit einer kritischen Einordnung des neuen EU-Programms für die allgemeine und berufliche Bildung: »Erasmus für alle«.
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