Publikation

DIE Analysen für Erwachsenenbildung

DIE Analysen für Erwachsenenbildung

Abstract

Mit der Reihe „DIE Analysen für Erwachsenenbildung“ werden wichtige Ergebnisse aus der Erforschung der Realität von Erwachsenenbildung einer größeren Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Bände dieser Reihe geben Einblicke in bislang weniger bekannte Felder der Erwachsenenbildung: in Überlegungen und Mentalitäten von Planenden, Lehrenden und Lernenden sowie in den konkreten Ablauf von Bildungsveranstaltungen. Gleichzeitig werden mit der Darstellung gelungener Anwendungen bekannter und neuer Methoden Impulse für eine (nicht nur) wissenschaftliche Diskussion gegeben.

Inhalt

Immer mehr sind Einrichtungen der Erwachsenenbildung sehen sich vor die Notwendigkeit gestellt, ihr eigenen Selbstverständnis, ihr Position auf dem „Markt“ und ihrer Beziehungen zu den realen und potentiellen TeilnehmerInnen zu überdenken. Dazu gehört zunächst eine Bestandsaufnahme, die das interne Selbstverständnis mit der externen Fremdwahrnehmung abgleicht. Das Interesse richtet sich nicht nur auf die sozio-demographische und ökonomische Teilnehmerstruktur, auf Teilnahmemotive und das bisherige und/oder generelle Weiterbildungsverhalten. Immer wichtiger werden auch spezielle Programmwünsche, die Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit mit den besuchten Veranstaltung, die Wirkung von Rahmenbedingungen und vor allem das Image der Einrichtung. Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung präsentiert mit diesem Band zwei Teilnehmerbefragungen, die hinsichtlich der sorgfältigen Durchführung, der unvoreingenommene Auswertung und der Möglichkeit der Überprüfung der getroffen Aussagen als Qualitätsmaßstab für künftige Untersuchungen dienen können. Zugleich machen die Analysen deutlich, dass hier nicht einfach nach einem gegebene Raster vorzugehen ist, sondern dass die Spezifik der Einrichtung - im ersten Beispiel eine Volkshochschule, im zweiten eine Evangelische Akademie - die Fragebogenkonstruktion bestimmt.
Claudia Tintelnot; Gunda Voigts

Es ist unbestritten, daß die Lebensgeschichten von Teilnehmerlnnen eine wichtige Rolle bei der Gestaltung von Alphabetisierungskursen spielen. In dieser Untersuchung geht es deshalb auch nicht darum, die Notwendigkeit von entsprechenden Kursangeboten zu legitimieren, sondern um die Präsentation und Anwendung einer speziellen Methode der Generierung und Interpretation von lebensgeschichtlichen Interviews, die in der Erwachsenenbildung erstaunlich selten angewandt wird – die Methode des narrativ-autobiographischen Interviews. Es ist das Verdienst der Arbeit, auf empirischer Basis Differenzierungen plausibel zu machen, die auch auf andere Zielgruppen der Erwachsenenbildung zutreffen dürften: So wird klargemacht, daß Befragte nicht nur hilflose Opfer sind, sondern durchaus über Expertenschaften verfügen, die sie sich selbst im Laufe ihres komplizierten Lebens, aber auch durch organisiertes Lernen „nebenbei“ angeeignet haben. Die Untersuchung zeigt die Brauchbarkeit einer bestimmten Methode und vor allem einer Forschungshaltung für die Erwachsenenbildung – gerade auch in Zeiten, in denen der Effizienz- und Legitimationsdruck stärker wird.

Welche Haltung nehmen Teilnehmerlnnen zu den von ihnen besuchten Bildungsveranstaltungen ein? Wie gestalten sie ihren Bildungsprozeß im Rahmen eines bestehenden Bildungsangebotes? Wo liegen die Beweggründe für den Abbruch der Kursteilnahme, und wie werden sie von den Betroffenen gedeutet? Diesen Fragen geht die qualitative Untersuchung auf der Basis themenzentrierter offener Interviews nach. Ausgewählt wurden Studienbegleitzirkel, die im Medienverbund des Funkkollegs "Literarische Moderne" von einer Volkshochschule und der benachbarten Hochschule angeboten wurden. Unter anderem werden Fallbeispiele von Drop-outs vorgestellt und interpretiert. Ergänzt werden die Fallinterpretationen durch Interpretationen von Interviews mit den jeweiligen Kursleiterlnnen, Beobachtungsprotokolle der beiden Kurse sowie durch die Darstellung einer überregionalen Kursleitervorbereitung.

Warum nehmen Erwachsene an Veranstaltungen der allgemeinen Bildung teil? Wie verlaufen Vermittlung und Aneignungsprozesse in der gegenwärtigen Bildungspraxis? Was bedeutet dies für die Aufgabenbestimmung und Definition von Erwachsenenbildung? Diesen Fragen wird in der qualitativen Studie auf der Basis von Interaktionsprotokollen aus über 20 Kursen der sozio-kulturellen Erwachsenenbildung nachgegangen. Die konkreten Untersuchungsergebnisse beziehen sich auf die Problembereiche - Reaktionen auf institutionelle Machtlosigkeit - Ablauforganisation - Kursinteraktion - Umgang mit Kurswissen - Kursunabhängiges Wissen - Selbstdarstellung und Wir-Identität. Die zusammenfassende Diskussion der Befunde unter den für die Analyse grundlegenden Kategorien Interaktion und Wissen stellt den Leistungen der Beteiligten die Lenkungen durch externe Vorgaben entgegen. Sie führt auf die zentrale These, daß Autonomie nicht ein erst in der Lebenspraxis zu realisierendes Ziel von Bildungsbemühungen ist, sondern in den untersuchten Veranstaltungen von den Beteiligten gemeinsam inszeniert wird. Der Umgang mit Wissen wird dabei zum Medium, in dem Autonomie als Antizipation oder Kompensation im Interaktionsprozeß erfahren und dargestellt werden kann.
Prof. Dr. Sigrid Nolda
Drucken:
Link in die Zwischenablage kopiert!

Suchen