Publikation

Sprache und Sprechen in der Erwachsenenbildung

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Prof. Dr. Josef Schrader
wbv
Sprache und Sprechen in der Erwachsenenbildung
DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung
7/2016
Bielefeld

Abstract

Sprache ist ein zentrales Medium von Kultur und Kommunikation. Bildung lehrt Sprache(n) und verwendet Sprache(n). Im Diskurs über Bildung und Spracherwerb, zumal unter den Vorzeichen des Literacy-Begriffs, dominiert ein schriftkultureller Fokus. Hier setzen wir bewusst einen anderen Schwerpunkt und nehmen das gesprochene (und gehörte) Wort in den Blick. Im »Mitreden« vollzieht sich Teilhabe – auch und gerade für die vielen Geflüchteten im Lande.

Inhalt

Dr. Peter Brandt; Gerhard von der Handt

Erfolgreiche Kommunikation – im Sinne eines Verständnisses zwischen Sprecher und Zuhörer – hängt mit den Inhalten und ihrer Aufbereitung, der Persönlichkeit des Sprechers, aber auch mit der Form und der Präsentation der Inhalte zusammen. Gerade in Lehr-Lern-Situationen spielt die Stimme des Sprechers bei der Präsentation eine herausgehobene Rolle. Bestimmte Sprechmuster können ungewünschte Wirkungen entfalten und als störend und lernhinderlich empfunden werden. Aber: All diese Sprechmuster sind erlernt und können mit entsprechender Übung verändert werden.
Marita Pabst-Weinschenk

Lehrende in der Erwachsenenbildung werden intensiv in ihren kommunikativen Kompetenzen gefordert. Der Lernerfolg hängt maßgeblich von Vermittlungsaspekten des Lernstoffs ab: Rhetorische und stimmliche Prozesse erweisen sich als bedeutsam für die Lernatmosphäre, die Gruppendynamik, die verständliche Wissensvermittlung und das Anstoßen von Gruppen- und Feedbackprozessen. Deshalb ist für Lehrende in der Erwachsenenbildung ein möglichst fundiertes und umfassendes Repertoire kommunikativer Kompetenzen wichtig, das in enger Bezugnahme auf Sprechwissenschaft und Sprecherziehung erworben werden kann.

Lernende von DaF und DaZ sehen sich vor die Schwierigkeit gestellt, dass sich Lehrwerke auch in den dargestellten Dialogen eher an schriftlichem als an mündlichem Deutsch orientieren. Gesprochensprachliche Phänomene werden wenig, vor allem aber nicht systematisch dargestellt. Dies trifft auch auf neuere Online-Lehrwerke zu. Hier wird eine Chance vertan, da es gerade in multimedialen Angeboten leicht wäre, formelle und informelle Ausdrucksweisen einander gegenüberzustellen.
Helga Kotthoff; Moses Mielke

Im Zuge der aktuellen Wanderungsbewegungen mit mehreren Hunderttausend Flüchtlingen allein in Deutschland werden Konzepte erfolgreicher Sprachvermittlung immer wichtiger. Dem vom BAMF geförderten Integrationskurs kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Der Beitrag greift auf Daten einer qualitativen Untersuchung der Autorin zurück, bei der in 51 Interviews mit Integrationskursteilnehmenden Erfolgsfaktoren des Sprachenerwerbs erhoben wurden. Aus Sicht der Betroffenen ist mangelnde Sprachpraxis das größte Hindernis. Die Ergebnisse werden unter Einbezug der aktuellen politischen Entwicklungen diskutiert.

Vor dem Hintergrund allgegenwärtiger Bekenntnisse zur Bedeutung des lebenslangen Lernens beleuchtet der Beitrag den Rückgang der öffentlichen Weiterbildungsfinanzierung in den letzten 20 Jahren um 41 Prozent. Die niedrigen Teilnahmequoten von Geringqualifizierten und atypisch Beschäftigten an Weiterbildung geben Anlass, wieder mehr öffentliche Investitionen zu tätigen. Diese sollten für Bildungsberatung, Qualifikation und Professionalität des Personals und ein Anerkennungssystem für Kompetenzen aufgewendet werden.
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