Publikation

Religion, Ethik und Erwachsenenbildung

Joachim H. Knoll
wbv
Religion, Ethik und Erwachsenenbildung
REPORT Zeitschrift für Weiterbildungsforschung
1/2009
Bielefeld

Abstract

Religion und Ethik sind nicht selten Gegenstand von Angeboten in der Erwachsenenbildung. Sie dienen als Herausforderung zur Selbstklärung und bieten Raum zur Beteiligung am Zeitgespräch. Es gilt, die Dimensionen von Religion und Ethik in einer Verbindung aus Reflexion und Praxisbezug herauszuarbeiten. Dabei wird insbesondere auf diejenigen Aspekte von Ethik und Religion eingegangen, deren gesellschaftliche Relevanz einer aktuellen Klärung bedürfen.

Inhalt

In der deutschen Erwachsenenbildungslandschaft hat die Kombination „Religion und Erwachsenenbildung“ besonders in der Praxis auffällig viele verschiedene Facetten. Religiöse Erwachsenenbildung ist deshalb in ihrer christlichen, aber auch in ihrer islamischen und jüdischen Ausprägung zu sehen. Religion ist jedoch auch Gegenstand säkularer Bildung Erwachsener und wird in diesem Zusammenhang gesondert betrachtet. Im Fokus steht außerdem die sich aus aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen ergebende Notwendigkeit einer Thematisierung des religiösen Aspekts interkultureller Erwachsenenbildung. Daraus abgeleitet sind Arbeitsperspektiven für Erwachsenenpädagogen und Forschungsbedarfe in diesen Bereichen aufzuzeigen.

Der vorliegende Beitrag stellt die gut 2.500 Jahre alten Wurzeln eines Konzepts lebenslangen (religiösen) Lernens vor, das im Buch Deuteronomium der hebräischen Bibel entfaltet ist. Lernen wird dort als existenzieller Selbstvollzug des Gottesvolkes verstanden, das nicht nur Ethik, sondern auch Geschichte und Verfassungslehre umfasst. Im Blick auf die erfolgreiche Wirkungsgeschichte dieser Lernverpflichtung des Gottesvolkes im Judentum lotet der Autor Perspektiven für eine christliche Rezeption aus. Sie ist durch das Anliegen motiviert, eine zum Lerner hingewendete Begründung konfessioneller Erwachsenenbildung biblisch-theologisch zu fundieren.

Wir berichten über Ergebnisse eines DFG-Vorprojekts1 zur Genese von Weiterbildungsinteressen. Dabei fokussieren wir auf die Interessegenese während einer Weiterbildungsteilnahme. Als theoretische Eckpunkte werden die Münchner Interessetheorie und die pragmatistische Theorie kurz skizziert. Empirisch erkunden wir, wie Interessegenese mit qualitativen Analysen erforscht werden kann. Auf Basis vorangegangener Forschung stellen wir Charakteristika der drei Interessephasen Latenz, Expansion und Kompetenz dar. Es zeigt sich, dass freiwillig Teilnehmende innerhalb der Expansionsphase stagnieren, während Teile der unfreiwilligen Klientel von der Latenz zur Expansion übergehen.
Prof. Dr. Anke Grotlüschen; Judith Krämer

In der gegenwärtigen bildungspolitischen wie wissenschaftlichen Argumentation zur Frage von Inklusion/Exklusion ist eine zirkuläre Begründungslogik aus den Segmenten Demokratie – soziale Inklusion – Bildung zu beobachten. Der Beitrag untersucht die Wechselwirkungen der Segmente und im Besonderen die ambivalente Position der Erwachsenenbildung in diesem Spannungsfeld. Davon ausgehend sind anhand der Thesen eines französischen Vertreters der politischen Philosophie, Jacques Rancière, die zugrunde liegenden Prämissen der zirkulären Logik infrage zu stellen. Dies eröffnet eine veränderte Perspektive auf die Aufgabe von Erwachsenenbildung im Kontext von Inklusion/Exklusion, und zwar als Praxis des Streits über die Gestaltung des öffentlichen Raumes.

Univ.-Ass. Mag. Dr. Eveline Christof

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