Publikation

Vertikale und horizontale Durchlässigkeit im System Lebenslangen Lernens

Prof. Dr. Christiane Schiersmann; Dr. Carola Iller
wbv
Vertikale und horizontale Durchlässigkeit im System Lebenslangen Lernens
REPORT Zeitschrift für Weiterbildungsforschung
3/2010
Bielefeld

Abstract

Die Programmatik des Lebenslangen Lernens ist eng verbunden mit der Forderung nach vertikaler und horizontaler Durchlässigkeit und Transparenz im Bildungssystem. Nach wie vor ist ein durchlässiges Bildungssystem für alle Lebensphasen und Lebenslagen jedoch nicht realisiert, sondern allenfalls programmatisch aktualisiert worden. Gegenwärtig sind vor allem verschiedene Rahmensetzungen im Gespräch, die auf europäischer Ebene die Vergleichbarkeit und Anschlussfähigkeit von Bildungsgängen unterstützen sollen. Es steht zu vermuten, dass diese Steuerungsverfahren die zukünftige Ausgestaltung der Weiterbildung nachhaltig beeinflussen werden. Deshalb ist es das Anliegen dieses Heftes, die Diskussion über die Konsequenzen dieser „Neujustierungen“ für das Lernen im Erwachsenenalter anzuregen, Perspektiven für die Weiterbildungswissenschaft und -praxis zu diskutieren und mögliche Konsequenzen für die Weiterbildung aufzuzeigen. Mit dem Schwerpunktthema greift der Report also ein hoch aktuelles Thema auf. Die Recherchen zeigten jedoch, dass es bislang nur wenig empirisch fundierte Forschung gibt, geschweige denn publikationsreife Forschungsergebnisse. Es freut uns deshalb außerordentlich, in diesem Heft zwei Beiträge zur vertikalen und horizontalen Durchlässigkeit im System lebenslangen Lernens präsentieren zu können.

Inhalt

Migrant/inn/en stehen vor besonderen Herausforderungen, wenn sie gesellschaftliche Anerkennung für ihre im Herkunftsland erworbenen Qualifikationen erlangen wollen. Sie könnten von einer umfassenden Umsetzung der Strategie des Lebenslangen Lernens profitieren. Die Wertschätzung individuell vorliegender Kompetenzen soll unabhängig davon erfolgen, wo und wie Lernen stattgefunden hat. Für Inhaber/innen ausländischer Abschlüsse ist Erfolg am Arbeitsmarkt ein wichtiges Ziel. Daneben spielen die Verortung im deutschen Bildungssystem und Zugang zu Weiterbildungen eine zentrale Rolle für Migrant/inn/en.

Mit dem Europäischen und Deutschen Qualifikationsrahmen sollen zwei angebotsorientierte Referenzinstrumente in das deutsche Bildungs- und Beschäftigungssystem implementiert werden, die in ihren Auswirkungen für Transparenz, Durchlässigkeit und Mobilitätsunterstützung schwer einzuschätzen sind. Sie stoßen auf ein Feld, in dem Unternehmen und Bildungsinstitutionen - unterschiedlichen Handlungslogiken folgend - sich bezüglich ihrer gesellschaftlichen Bildungs- und Qualifizierungsleistungen mit großer Skepsis begegnen. Um unter diesen Bedingungen die Nachfrageseite im weiteren Prozess der DQR-Konstruktion stärker zu Wort kommen zu lassen, werden das pragmatisch ausgerichtete Kompetenzverständnis in der Wirtschaft und die mit dem Entwicklungsprozess verbundenen Einschätzungen des Bildungspersonals zu Reformoptionen, individualisierter Selbststeuerung, Punktesystem etc. empirisch in den Blick genommen.

Ob die berufliche Aus- und Weiterbildung einander ersetzen können, also in einer substitutiven Beziehung stehen, oder ob es sich bei diesen Bildungsformen vielmehr um komplementäre Aktivitäten handelt, ist nicht unumstritten. Die vorliegende Arbeit nähert sich dieser Frage aus der betrieblichen Perspektive unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses der Betriebsgröße und liefert empirische Ergebnisse auf Basis des IAB-Betriebspanels. Die Schätzungen eines bivariaten Probitmodells zeigen, dass die Frage, ob es sich eher um eine komplementäre oder um eine substitutive Beziehung handelt, auch von der Betriebsgröße abhängt.
Elisabeth M. Krekel; Jens Stegmaier; Dr. Lutz Bellmann

Die Europäische Union und der Europarat spielen für die europäische Bildungspolitik eine wesentliche Rolle. Sowohl europäische Identität als auch der Europäische Wirtschaftsraum sollen mithilfe von Bildung gestärkt werden. In diesem Text werden die Bildungskonzeptionen von Europarat und EU im Zeitraum 1994-2003 anhand des Gesellschaftsbilds, des Umgangs mit Diversität in Europa und innerhalb einer Gesellschaft untersucht. Es wird der Frage nachgegangen, wie die Bildungskonzeptionen von Europarat und EU im Spannungsfeld von Kultur- und Wirtschaftsorientierung einzuordnen sind. Beim Europarat, gegründet als zwischenstaatliche Institution zur Sicherung des Friedens, ist eher eine kulturorientierte, bei der EU, gegründet als supranationales Wirtschaftsbündnis, eine wirtschaftsorientierte Sicht auf Bildung festzustellen. Eine Annäherung wird in der sozialpolitischen Funktion von Bildung deutlich. Aufgrund der abnehmenden Bedeutung des Europarats stellt sich die Frage nach der Zukunft der kulturorientierten Perspektive für Bildung in Europa.

Das Forschungsmemorandum für die Erwachsenen- und Weiterbildung (2000) stellt mit seiner Systematik der zentralen Forschungsfelder und -schwerpunkte einen wichtigen Beitrag dar, die Forschungslandschaft zu systematisieren, mögliche Kooperationen zu fördern und eine Übersicht über die Forschungsleistungen der Disziplin für Forschungsförderer wie für die Öffentlichkeit zu geben. Seit dem Jahr 2007 können sich erwachsenenpädagogische Forschungsprojekte nach der Systematik des Memorandums in eine Datenbank eintragen. Die Beobachtung, dass die Projekte zunehmend mehreren Forschungsfeldern zugeordnet werden, gab den Anlass, dies genauer zu analysieren. Der nun erstmals mögliche Einblick in die Forschungslandschaft bietet die Chance für Differenzierungsvorschläge der vorliegenden Systematik.
Prof. Dr. Joachim Ludwig; Kristine Baldauf-Bergmann

Prof. Dr. Dr. h.c. Ekkehard Nuissl von Rein
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