Publikation

Zukunftsfelder der Weiterbildung

Prof. Dr. Dr. h.c. Ekkehard Nuissl von Rein
wbv
Zukunftsfelder der Weiterbildung
DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung
1/2001
Bielefeld

Abstract

Weichenstellungen von heute werden die Zukunft von morgen mitgestalten. Welchen Beitrag kann die Erwachsenenbildung leisten und was werden die Themen sein, die in die Zukunft weisen? Die Beiträge des Heftes beschäftigen sich mit aktuellen Tendenzen: Medienkompetenz (Lehmann, Grube u.a.), Veränderungen in Berufsbiografien (Pongratz), Leben mit Anderen (Hafeneger), Erwachsenengrundbildung (Kamper) und künftige Aufgaben im institutionellen Gefüge von Weiterbildung (Schneider). Alfred Grosser (Paris) bezeichnet im DIE-Gespräch über die Zukunft von Bildung und Lernen, Politik und politischer Bildung "Distanznehmen zu sich selbst" als das wichtigste Bildungsziel.

Inhalt

Der Autor sieht zwei wichtige Prozesse als zentrale Zukunftsthemen der politischen Bildung: Zum einen nimmt die Internationalisierung und Globalisierung von Problemen und deren Lösung zu. Zum anderen werden kulturelle Identitäten zunehmend in Frage gestellt und zwingen, das Leben mit Anderen neu zu bestimmen. Politik und Gesellschaft müssen ihren Bürgerinnen und Bürgern eine „Grundausstattung“ von politischem Reflexions- und Orientierungswissen zur Bewältigung dieser Fragen ermöglichen. Hafeneger nennt solche Schlüsselqualifikationen, die ein friedliches Zusammenleben erst ermöglichen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Ekkehard Nuissl von Rein

Alfred Grosser ist Soziologe, Politikwissenschaftler, Publizist und politischer Kolumnist. 1933 emigrierte er nach Frankreich. Lange Jahre war er Professor am Institut d’études politique in Paris und erhielt für seine Mittlerrolle zwischen Franzosen und Deutschen, Gläubigen und Ungläubigen diverse Auszeichnungen, so auch den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Alfred Grosser diskutiert mit Klaus Meisel über die Zukunft von Bildung und Lernen, Politik und politischer Bildung in der Wissensgesellschaft. Für ihn ist „Distanznahme zu sich selbst“ das wichtigste Bildungsziel.
Prof. Dr. Klaus Meisel; Prof. Alfred Grosser

Neue Medien verändern Wirtschafts- und Privatleben und bieten neue Chancen für die Erwachsenenbildung. Wichtig für die Zukunft ist die Erlangung von Medienkompetenz. Die Autoren beschreiben wichtige Komponenten, auf die pädagogisches Handeln gerichtet sein muss: technische Kompetenz, Kompetenz zur Informationsbewältigung und kommunikative Kompetenz. Sie zeigen auch Problemfelder auf wie restriktiven und selektiven Zugang und interindividuelle Differenzen bei der Nutzung der neuen Medien. Schließlich fordern neue Medien auch neue Kompetenzen bei den Lehrenden.
Prof. Dr. Hans Gruber; Birgit Hawelka; Prof. Dr. Christian Harteis

Die Transformation von Bildung zum „E-Learning“ fordert von Lehrenden und Lernenden, sich in dem babylonischen Sprachgewirr neuer Begriffe zurechtzufinden. Burkard Lehmann benennt einige der wichtigsten Begriffe, die heute im „digitalen Klassenzimmer“ unabdingbar sind. Er stellt aber auch die Frage, ob damit schon ein Paradigmenwechsel im Lehren und Lernen vollzogen wird.

Die veränderten Anforderungen der Betriebe an ihre Arbeitnehmer bringen neue Muster der Erwerbsverläufe mit sich. Hans Pongratz macht mit seiner These vom Arbeitskraftunternehmer deutlich, dass zunehmend Fähigkeiten wie Selbst-Kontrolle, Selbst-Ökonomisierung und Selbst-Rationalisierung gefragt sind. Damit einher gehen Fragmentarisierungs- und Biografisierungstendenzen von Erwerbsverläufen. Erwachsenenbildung muss daher Konzepte entwickeln, die dabei unterstützen, den eigenen Lebensverlauf deuten und reflektieren zu lernen.

Eine OECD-Studie weist aus, dass in Deutschland der Anteil von Erwachsenen mit sehr niedrigem Literaritätsniveau um die 10 Prozent und von Erwachsenen mit niedrigem Literaritätsniveau um die 30 Prozent schwankt. Gertrud Kamper warnt, dass damit die Grundvoraussetzung für Lebenslanges Lernen, die ausreichende Grundbildung, nicht mehr gegeben ist. Daher diskutiert sie Definitionen und Dimensionen von Grundbildung für Erwachsene und fordert Konzepte, die Voraussetzungen schaffen, selbständiges Lernen zu ermöglichen.

Institutionen der organisierten Weiterbildung müssen einen Ausgleich schaffen zwischen den individuellen Nachfragen ihrer Kunden, den Herausforderungen durch neue Medien und Technologien sowie den Interessen von Auftraggebern und Kooperationspartnern. Heinrich Schneider betrachtet die notwendigen Maßnahmen in diesem Prozess: Veränderungen im Angebot, in der Programmentwicklung, im Selbstverständnis und in der Rolle der Lehrenden und in der institutionellen Entwicklung hin zu einem Dienstleistungsverständnis.

Historischer Längsschnitt zu den Entwicklungstendenzen in der Erwachsenenbildung von 1960 bis heute.

Im Zusammenhang mit dem DIE-Forum 2000 stellt Christoph Ehrmann wesentliche Zukunftsfelder zur Diskussion: neue Medien, Internet, diskontinuierliche Erwerbsbiographien und das Leben mit anderen im wachsenden Europa.

Die rumänische Gesellschaft ist einem umfassenden radikalen Veränderungsprozess unterworfen, der bis in dieTiefen des individuellen Lebens ausstrahlt, bis hin zur Mentalität der Menschen, ihrer Art zu denken, fühlen und zu leben. Ungureanu beschreibt die spezifischen Probleme einer kommunistischen Gesellschaft auf ihrem Weg zu einer kapitalistischen Gesellschaft und die Bedeutung der Erwachsenenbildung in diesem Prozess.

Kooperationen unterschiedlicher Akteure sind in Lernenden Regionen wesentliche Voraussetzung, innovative Entwicklungen voranzutreiben. Dabei übernimmt die berufliche Weiterbildung die Funktion eines Katalysators, da die Entwicklung der Human Ressources ein wesentlicher Standortvorteil ist. Die Autorinnen berichten über das Projekt Nettex A in Oberfranken und im sächsischen Vogtland, in dem internetgestützte Weiterbildungsangebote im Mittelpunkt der Regionalentwicklung stehen.
Brit Uschner; Gudrun Schmalhofer
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