Dr. Elke C. Bongartz
wiss. Leitung
Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE)
Das am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) beheimatete Volkshochschul-Programmarchiv umfasst Programmhefte deutscher Volkshochschulen von den 1950er Jahren bis in die Gegenwart. Damit ist es eine zentrale Primärquelle für die Erwachsenen- und Weiterbildungsforschung und bietet bislang kaum genutztes Potenzial für Forschung zu Kultur-, Sozial- und Bildungsgeschichte, für die Linguistik und für die Digital Humanities.
Die digitalen Bestände des Archivs liegen bislang in zwei getrennten Infrastrukturen vor. Im Digitalen Programmarchiv (DiPA; dipa.die-bonn.de) stehen rund 4.800 Programmhefte von 41 Volkshochschulen aus den Jahren 1957 bis 2003 zur Verfügung, die in den DFG-Projekten RetroPro und RetroPro2 retrodigitalisiert und umfassend mit Metadaten erschlossen wurden; im Projekt DiPA+ wurde das DiPA in das NFDI-Konsortium Text+ integriert. Die seit 2004 gesammelten born-digital Programmhefte von 50 Volkshochschulen sind dagegen nur als PDF- und Textdateien mit wenigen Metadaten zugänglich. Im Projekt DiPA-AI werden beide Bestände zu einem einheitlichen, maschinenlesbaren und für KI-gestützte Forschung optimierten Korpus zusammengeführt und angereichert.
Wie kann das Digitale Programmarchiv zu einem qualitativ hochwertigen, umfassenden Datenkorpus für KI-gestützte Forschung ausgebaut werden, um
Volkshochschulen sind die größten Anbieter öffentlich geförderter Erwachsenen- und Weiterbildung in Deutschland. Ihre Programmhefte zeigen, welche Themen von welchen Einrichtungen, zu welcher Zeit, in welchen Regionen und für welche Zielgruppen angeboten wurden. Zugleich lassen sie sich als Interpretationen gesellschaftlicher Veränderungsprozesse lesen – etwa zu Themen wie Nachhaltigkeit, Geschlechterbilder, Migration, Demokratie oder technologischer Wandel. Obwohl Programmanalysen in der Erwachsenenbildungsforschung eine lange Tradition haben, werden Text-as-Data- und KI-Methoden hier bislang kaum eingesetzt – auch weil frei zugängliche, bereinigte und sorgfältig mit Metadaten ausgezeichnete Korpora fehlen. DiPA-AI baut das DiPA deshalb zu einem KI-fähigen Datenkorpus aus. Dies umfasst drei wesentliche Projektziele:
Das erweiterte Korpus wird in die Text+-Registry und die Federated Content Search (FCS) von Text+ eingebunden und u. a. im Verbund Forschungsdaten Bildung, im BERD-Datenportal und im SSH Open Marketplace nachgewiesen. Eine anonymisierte Fassung ist frei zugänglich; registrierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erhalten Zugang zum vollständigen Datenbestand. Der im Projekt entwickelte Quellcode wird als Open Source veröffentlicht.