Weiterbildung für alle? Bildungsungleichheiten als politische Herausforderung

Wie kann das Ziel „Weiterbildung für alle!“ eingelöst werden?

Diese Frage stand im Mittelpunkt der 27. Weiterbildungskonferenz des Landtags Nordrhein-Westfalen am 28. September in Düsseldorf. Diskutiert wurde, wie allen Menschen in NRW unabhängig von Herkunft, sozialer Stellung, Alter und Geschlecht die Teilhabe am lebenslangen Lernen ermöglicht werden kann und vor welchen Herausforderungen Landespolitik und Weiterbildung dabei stehen.

Der Wissenschaftsausschuss des Landtags hatte vor der Konferenz zu einer öffentlichen Anhörung eingeladen. Eröffnet wurde die Konferenz von Landtagspräsident André Kuper und Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Den ersten fachlichen Impuls zum Thema „Grundlagen und aktuelle Entwicklungsthemen der Weiterbildung in NRW“ gab Prof. Dr. Michael Schemmann von der Universität zu Köln.

Das Thema des Impuls von Prof. Dr. Hannes Schröter, Wissenschaftlicher Direktor des DIE, lautete: „Bildungsungleichheiten als Herausforderung“. Er stellte aktuelle Befunde zur Bildungsungleichheit in Deutschland vor, die auch im Nationalen Bildungsbericht 2026 eine wichtige Rolle spielen. Das DIE verantwortet darin das Kapitel „Weiterbildung und Lernen im Erwachsenenalter“.

Die Befunde zeigen: Bildungsungleichheiten, die bereits im Kindes- und Jugendalter entstehen, setzen sich im Erwachsenenalter fort. Der in der Bildungsforschung bekannte Matthäus-Effekt beschreibt dabei einen zentralen Mechanismus: Wer bereits über höhere Bildungsabschlüsse verfügt, nimmt häufiger an Weiterbildung teil und kann dadurch seine Bildungsvorteile weiter ausbauen.

Schröter zeigte dies unter anderem am Beispiel von Integrations- und Berufssprachkursen. Wissenschaftliche Erkenntnisse über deren Wirkung fänden bislang nicht immer Eingang in politische Entscheidungen. Auch die Rolle der Betriebe nahm er in den Blick: Betriebliche Weiterbildung kann Bildungsaufstiege ermöglichen, erreicht Beschäftigtengruppen jedoch nicht gleichermaßen und kann damit bestehende Ungleichheiten auch verfestigen.

Bildungspolitik braucht weitere Politikfelder

Aus Sicht des DIE lassen sich Bildungsungleichheiten nicht allein durch Maßnahmen innerhalb des Bildungssystems abbauen. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel mit anderen Politikfeldern – sowohl mit Blick auf die Teilnahme an Weiterbildung als auch auf den Nutzen, den Menschen daraus ziehen können.

Ein wichtiger Ansatzpunkt ist die Finanzierung: Wenn Betriebe oder der Staat Weiterbildungskosten übernehmen, kann dies dazu beitragen, Unterschiede in der Weiterbildungsbeteiligung zwischen Beschäftigtengruppen zu verringern. Auch bei Deutschsprachförderung, Alphabetisierung und Grundbildung braucht es einen breiteren Blick. So können etwa Angebote, die Eltern und ihre Kinder gemeinsam erreichen, dazu beitragen, Bildungsbarrieren frühzeitig zu adressieren.

Für den Abbau geschlechtsbezogener Ungleichheiten sind zudem verlässliche Kinderbetreuungs- und gute Beratungsstrukturen eine wichtige Voraussetzung. Beim zweiten Bildungsweg können sozialpädagogische Unterstützungsangebote insbesondere Menschen aus sozioökonomisch benachteiligten Haushalten den Zugang und die erfolgreiche Teilnahme erleichtern.

Schröter machte damit deutlich:

'Weiterbildung für alle!' ist nicht allein eine Frage des Zugangs zu Bildungsangeboten. Damit Weiterbildung tatsächlich zu mehr Bildungsteilhabe und Bildungsaufstieg beitragen kann, müssen auch die sozialen, finanziellen und strukturellen Bedingungen berücksichtigt werden.

Prof. Dr. Hannes Schröter Wissenschaftlicher Direktor / Vorstand des DIE

Foto:
Mitwirkende der 27. Weiterbildungskonferenz (v.l.): Prof. Dr. Michael Schemmann (Universität zu Köln), Rainer Schmeltzer (1. Vizepräsident des Landtags NRW), Ina Brandes MdL (Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW), Celia Sokolowsky (Sprecherin der Landesorganisationen der Weiterbildung in NRW), Antje Rösener (Moderatorin der WBK und Geschäftsführerin des Ev. Erwachsenenbildungswerks Westfalen-Lippe), Prof. Dr. Hannes Schröter (Wiss. Direktor des DIE).

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