Publikation

Lernorte

Prof. Dr. Dr. h.c. Ekkehard Nuissl von Rein
wbv
Lernorte
DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung
10/2006
Bielefeld

Abstract

Der Begriff »Lernort« nimmt in der Erwachsenenbildung ständig breiteren Raum ein – im lebenslangen Lernen wird immer und überall gelernt, und immer neue Plätze werden als Lernorte deklariert. Dennoch ist der Begriff nicht klar definiert und beinhaltet zahlreiche Facetten. Die »DIE Zeitschrift« trägt zur Klärung bei, wirft einen Blick auf die Geschichte des Lernortbegriffes in der Berufs- und Erwachsenenbildung, erinnert an antike Lernorte, benennt die Aufgaben von Lernorten im lebenslangen Lernen und stellt erlebnisorientierte und innovative Lernorte wie den Linzer »Wissensturm« vor. In den Beiträgen des Heftes wird die »Lehrseite« immer mitbedacht, die in der Lernortdiskussion oft übersehen wird.

Inhalt

Prof. emer. Horst Siebert

Der Beitrag stellt erlebnisorientierte Lernorte vor wie Museen, Science Center, Zoos, Themenparks, aber auch Brandlands und Urban Entertainment Center. Diese Lernorte ergänzen formales Lernen und bieten Raum für selbstgesteuertes und stark emotional fundiertes Lernen. Es werden Anforderungen an derartige hybride Ansätze aus Bildung und Unterhaltung formuliert. Die Einschätzungen beruhen auf den Ergebnissen eines vom Bundesbildungsministerium geförderten Forschungsprojektes, das auf die Aktivierung und Qualifizierung erlebnisorientierter Lernorte zielte. In dessen Rahmen hat sich gezeigt, dass die Lernangebote innerhalb von Erlebniswelten eine hohe Akzeptanz erfahren und im Hinblick auf nachhaltiges Lernen ausgebaut werden können.

Menschen konstituieren Lernorte selbst, wenn eine relationale Raumperspektive den Ausgangspunkt ihres Handelns bildet. Raum kann im Lernort Unternehmen durch Weiterbildungsprozesse relational strukturiert werden. Spacings, Synthesen und die daraus erfolgende Dynamisierung von Lernorten eröffnen Möglichkeiten, die zum verstärkten Austausch von Erfahrungen beitragen. Diesen Erfahrungsaustausch bewerten Weiterbildungsteilnehmern positiv, weil er in der Nähe des Arbeitsplatzes, über einen längeren Zeitraum hinweg, mit anderen Teilnehmern zusammen stattfindet, Routinen durchbricht und in die Unternehmenskultur eingebunden ist. Die Teilnehmenden gewinnen aus dem relationalen Lernprozess einen Kompetenzzuwachs und das Unternehmen erhält neue produktive Ergebnisse zur Lösung einer betrieblichen Fragestellung.

Henning Feldmann; Emanuel Hartkopf

Prof. Dr. Richard Stang

Der Begriff Lernort wurde vom Deutschen Bildungsrat 1974 in die pädagogische Fachsprache und den bildungspolitischen Sprachgebrauch eingeführt. Die von der Bildungskommission genannten Lernorte (Schule, Betrieb, Lehrwerkstatt und Studio) erhalten durch ihre unterschiedlichen pädagogischen Funktionen im Lernprozess ihre Spezifität. Zunächst im Bereich der beruflichen Bildung beheimatet wurde der Begriff später auch in der Erwachsenenbildung rezipiert. Dort gibt es eine Fülle von Lernorten, gerade im Bereich des informellen Lernens. Eine Pointe des Textes ist: Wurden Lern- und Arbeitsort im Zuge der Entstehung des dualen Berufsbildungssystems getrennt, treten sie durch die Neuen Medien vermehrt wieder zusammen.
Günter Pätzold; Deborah Goerke

Für den Autor ist der Lernortbegriff wie ein Omnibus: Im lebenslangen Lernen wird immer und überall gelernt. Dennoch ist der Begriff als Betrachtungsperspektive und als heuristischer Schlüssel wichtig. Der Autor geht den unterschiedlichen Facetten des Begriffes nach und formuliert Aufgaben von Lernorten, gerade im entgrenzten Lernraum des lebenslangen Lernens. Er verweist durchaus kritisch auf einzelne Auswüchse der Lernortentwicklung, bei denen die didaktische Gestaltung hintangestellt wurde.
Prof. Dr. Dr. h.c. Ekkehard Nuissl von Rein

Ausgehend von konstruktivistischen, neurophysiologischen und lernpsychologischen Überlegungen muss als eigentlicher Lernort der Mensch bezeichnet werden, denn nur in ihm findet Lernen statt. Zugleich aber erfolgt Lernen immer im Wechselspiel mit kontextuellen Faktoren. Die äußere Umgebung – und damit auch lokale Gegebenheiten – beeinflussen die Verarbeitung von Informationen. Hierzu werden drei Beispiele genannt: (1) Die Loci-Methode verknüpft Gedächtnisinhalte mit Orten. (2) Die Ähnlichkeit eines Lernraums mit einem Prüfungsraum befördert den Wissensabruf bei Prüfungen. (3) Generell positive Atmosphäre befördert den Lernerfolg. Die Autorin plädiert dafür, Sorgfalt auf die Auswahl und Gestaltung von »Orten der Lernermöglichung« zu verwenden, und spricht zukünftigen Forschungsbedarf an.

Etymologisch betrachtet bezeichnet »Validierung« einen Prozess, durch den einer Sache Robustheit oder Wert verliehen wird. Im Bildungsbereich zielt das – hier in der Serie »Glossar« zur Diskussion stehende – Wort auf den Prozess der Anerkennung und des Verwertbar-Machens informell erworbener Kompetenzen. Der Begriff »Validierung« ist damit das Pendant im Bereich des informellen Lernens zur »Zertifizierung« in Zusamenhängen der formalen Bildung

Eine Glosse über Podiumsdiskussionen als meist unerfreulichem Teil von Tagungen und Konferenzen. Wegen unprofessioneller Moderation, einem übergroßen Harmoniebedürfnis und mangelnder Sprachbegabung der Diskutanten bleibt das Format in der Wahrnehmung des Autors hinter seinen Ansprüchen zurück, die da lauten: ein »spannendes« Gespräch zu inszenieren, Gegner zusammenzubringen, Unterschiede sichtbar zu machen oder Konsens herzustellen.
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