Publikation
Populismus und Bildung
Springer VS
Populismus und Bildung
Zeitschrift für Weiterbildungsforschung
12/2020
Wiesbaden
Inhalt
Prof. Dr. Dr. h.c. Ekkehard Nuissl; Prof. Dr. Katarina Popovic
Populismus und Bildung 3/2020, S. 339–355
Editorial
Populismus und Bildung 3/2020, S. 339–355
Editorial
Prof. Dr. Dr. h.c. Ekkehard Nuissl; Prof. Dr. Katarina Popovic
Lukas Otterspeer; Christoph Haker
Neither demarcation nor confrontation. Finding a critical position towards right-wing populism 3/2020, S. 357–376
Neither demarcation nor confrontation. Finding a critical position towards right-wing populism 3/2020, S. 357–376
Rechtspopulismus polarisiert in Politik, Bildung und Wissenschaft. Anstatt sich an dieser Polarisierung zu beteiligen und eine Abgrenzung zwischen Wissenschaft und Bildung auf der einen Seite und Rechtspopulismus auf der anderen Seite vorschnell zu markieren, fokussieren wir zunächst auf Kontinuitäten. Zugleich geht es uns darum, eine kritische Distanz zum Rechtspopulismus zu finden. Deshalb analysieren wir einen Fall rechtspopulistischer Bildungsarbeit und Bemühungen um Wissenschaftlichkeit mit dem theoretischen Rahmen des boundary-work. Diese Grenzarbeit kann sich in einer institutionellen, inhaltlichen und epistemischen Dimension vollziehen. Während wir starke Kontinuitäten auf der institutionellen und inhaltlichen Ebene herausarbeiten, zeigt sich der Hauptunterschied in der epistemischen Dimension. Schlussfolgernd verwenden wir die Ergebnisse unserer Analyse, um eine kritische Position als Wissenschaftler und Lehrende gegenüber dem Rechtspopulismus zu entwickeln. Dabei ziehen wir erste Konsequenzen auf der epistemischen, inhaltlichen und institutionellen Dimension.
Thomas Wendt; Sebastian Manhart
Komplexe Organisation und organisierte Komplexität 3/2020, S. 377–393
Die Pädagogik partizipativer Organisationsgestaltung im Zeitalter des Populismus
Komplexe Organisation und organisierte Komplexität 3/2020, S. 377–393
Die Pädagogik partizipativer Organisationsgestaltung im Zeitalter des Populismus
Organisationen sind die zentralen Komplexitätsgeneratoren der modernen Gesellschaft. Sie regulieren und steigern die Möglichkeiten gleichzeitiger Handlungsvollzüge immer weiter. Der Beitrag konzipiert Populismus als gesellschaftsweit verbreitete Form der Kritik an dieser organisierten Komplexität und grenzt ihn systematisch von Fundamentalismen und Verschwörungstheorien als weiteren wichtigen komplexitätsreduzierenden Deutungen der Moderne ab. Die Strukturlogik von Organisationen und ihre Rolle in der Gesellschaft wird im Verhältnis zu den gesellschaftlichen Ansprüchen auf individuelle Teilhabe analysiert. Die pädagogischen Potenziale partizipativer Organisationsgestaltung werden im Blick darauf diskutiert, dass dieser Modus systematisch erzeugter Komplexität sich damit selbst populistischer Kritik aussetzt.
Gregor Dutz
Geringe Literalität und politische Grundbildung: Die Bedeutung schriftsprachlicher Fähigkeiten für die Selbsteinschätzung politischer Grundkompetenzen 3/2020, S. 395–411
Geringe Literalität und politische Grundbildung: Die Bedeutung schriftsprachlicher Fähigkeiten für die Selbsteinschätzung politischer Grundkompetenzen 3/2020, S. 395–411
Politische Grundbildung hat sich inzwischen als ein inhaltlicher Pfeiler in der Diskussion um Grundbildung etabliert, wobei über die politikbezogenen Grundkompetenzen gering literalisierter Erwachsener bisher wenig bekannt ist. Basierend auf den Ergebnissen der Studie LEO 2018 und mithilfe logistischer Regressionsmodelle wird die These überprüft, dass gering literalisierte Erwachsene die eigenen politikbezogenen Kompetenzen als eher gering einschätzen und sich so vom politischen Feld ausschließen. Dabei zeigt sich, dass auch bei der Kontrolle verschiedener soziökonomischer Faktoren gering literalisierte Erwachsene mit einer höheren Wahrscheinlichkeit die eigenen Kompetenzen als eher niedrig einschätzen.
Maria Stimm; Dr. Aiga von Hippel
Typen von Weiterbildungseinrichtungen – Überblick und Ausdifferenzierungen für die Programm- und Organisationsforschung 3/2020, S. 413–427
Typen von Weiterbildungseinrichtungen – Überblick und Ausdifferenzierungen für die Programm- und Organisationsforschung 3/2020, S. 413–427
Ziel des Beitrags ist es, ein Angebot zu formulieren, wie Weiterbildungseinrichtungen unter den Entwicklungen der Weiterbildungslandschaft typisiert und systematisch weiter ausdifferenziert werden können. In den Ausführungen wird neben einem Vorschlag zur Ausdifferenzierung eine Erweiterung der bisher bestehenden Perspektive von Einrichtungstypologien angeboten, indem beigeordnete Bildung als Kategorie der Typenbildung mit aufgenommen wird. Der Beitrag verortet sich daher an der Schnittstelle von Programm- und Organisationsforschung.
Maria Stimm; Dr. Aiga von Hippel
Erratum zu: Typen von Weiterbildungseinrichtungen – Überblick und Ausdifferenzierungen für die Programm- und Organisationsforschung 3/2020, S. 429–430
Erratum zu: Typen von Weiterbildungseinrichtungen – Überblick und Ausdifferenzierungen für die Programm- und Organisationsforschung 3/2020, S. 429–430
Amsy Whiting; Petia Genkova
Interkulturelle Kompetenz – Training ohne prozessbegleitendes Coaching? 3/2020, S. 431–451
Interkulturelle Kompetenz – Training ohne prozessbegleitendes Coaching? 3/2020, S. 431–451
Durch die Globalisierung wächst der Bedarf an interkultureller Kompetenz. Diese Studie untersucht den Nutzen interkultureller Trainings, wenn diese nicht von einem Coaching ergänzt werden. In einem Querschnittsdesign wurde untersucht, inwiefern sich die interkulturelle Kompetenz von Personen mit interkulturellem Training von jenen ohne interkulturelles Training unterscheidet. Die Ergebnisse zeigen, dass interkulturelle Trainings positive Auswirkungen auf verschiedene Aspekte der interkulturellen Kompetenz haben, wobei jüngere Personen stärker von Trainings profitierten. Nachhaltige interkulturelle Handlungskompetenz kann durch ein Training allein jedoch nicht erreicht werden. Trainings sind vor allem als Vorbereitung und Ausgangspunkt geeignet.
Andreas Seiverth
Zwischen normativer Enthaltsamkeit und empirischem Historismus 3/2020, S. 453–464
Überlegungen zu einer Geschichtsschreibung der Erwachsenenbildung im Anschluss an 100 Jahre Volkshochschulen
Zwischen normativer Enthaltsamkeit und empirischem Historismus 3/2020, S. 453–464
Überlegungen zu einer Geschichtsschreibung der Erwachsenenbildung im Anschluss an 100 Jahre Volkshochschulen
Der Beitrag interpretiert das Erscheinen eines in methodischer Hinsicht originellen Jubiläumsbandes zur einhundertjährigen Geschichte der Volkshochschulen in Deutschland als Impuls für eine mögliche Innovation der Geschichtsschreibung zur Erwachsenenbildung. Zunächst werden die methodologischen Konstruktionsprinzipien einer mit Empirie gesättigten narrativen Geschichtsschreibung und der sie strukturierenden theoretischen Begriffe beschrieben. Ausgehend von dem praktisch-moralischen Interesse des Buches, eine affirmative Traditionsgeschichte der Volkshochschulen darzustellen, skizziert der Beitrag die Idee einer historisch-normativen Geschichtsschreibung. Dazu wird die Verankerung der Erwachsenenbildung in der Weimarer Verfassung mit der Revolutionsgeschichte 1918/19 kontextualisiert und hieraus der normative Gehalt der (teilweisen) Revolutionierung des Bildungssystems des Deutschen Reiches rekonstruiert.